Coburg
Wissenstransfer

Coburger Schlachthof als Zukunftslabor?

CO-Creapolis soll neue Verbindungen zwischen Hochschule und Unternehmen schaffen und allen Interessierten ein Forschungs- und Tüftellabor eröffnen.
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Alte Ansichten, neue Aussichten: Im ehemaligen Schlachthof soll sich die geplante "CO-Creapolis" der Hochschule Coburg ansiedeln. Der Bund soll das Projekt mit 6,5 Millionen Euro fördern. Foto: Simone Bastian
Alte Ansichten, neue Aussichten: Im ehemaligen Schlachthof soll sich die geplante "CO-Creapolis" der Hochschule Coburg ansiedeln. Der Bund soll das Projekt mit 6,5 Millionen Euro fördern. Foto: Simone Bastian
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Die Hochschule steht kurz davor, ein weiteres großes Projekt zu starten, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird: "CO-Creopolis" nennt sich das Projekt, das die Hochschule noch enger mit der Region verzahnen soll. Angesiedelt werden soll es im ehemaligen Schlachthof, Herzstück ist ein sogenannter Makerspace, der jedem offen steht, der etwas tüfteln, entwickeln, ausprobieren oder sich mit anderen austauschen will.
Die Hochschule Coburg hatte sich um Fördermittel aus dem Programm "Innovative Hochschule" beworben, berichtete Hochschul-Vizepräsidentin Susanne Aileen Funke. Das taten 117 andere Hochschulen und Hochschulverbünde auch. Aber der Coburger Antrag landete unter den 29, die von der Jury genehmigt wurden. Dass es Fördermittel geben wird, weiß Funke seit Anfang Juli - wie viel am Ende freigegeben werden, noch nicht. Die endgültige Zusage wird für November erwartet; beantragt sind Mittel in Höhe von 6,5 Millionen Euro für eine Laufzeit von fünf Jahren. Christine Fritze, Präsidentin der Hochschule, zeigte sich am Freitag bei der Präsentation zuversichtlich, dass ein großer Teil dieser Summe bewilligt werde.
Für die endgültige Zuschusszusage musste die Hochschule ihr Konzept für CO-Creapolis noch einmal überarbeiten. Grundidee ist, die Hochschule noch besser mit der Region zu verflechten. Denn obwohl es bereits etliche Ansätze für den Austausch zwischen Unternehmen und Hochschule gibt, werde die Hochschule von außen immer noch als "Black Box" gesehen, berichtete Funke.
Dem soll CO-Creapolis abhelfen: Mit einer Anlaufstelle in Innenstadtnähe, die jeder aufsuchen kann und die sich zu einem Treffpunkt derjenigen entwickelt, die Neues entwickeln oder ein Problem lösen wollen. Der Makerspace stellt dafür auch die technischen Mittel zur Verfügung, zum Beispiel 3-D-Drucker oder Maschinen. Außerdem soll eine Stelle geschaffen werden, die Kontakte zwischen interessierten Unternehmen und Lehrstühlen herstellt - und zwar in beide Richtungen: Sie sei auch schon bei der Suche nach Ansprechpartnern in Unternehmen gescheitert, sagte Professorin Funke. Umgekehrt gehe das aber genauso.
Die Idee, eine eigene Professur für den Bereich "Innovation und Transfer" einzurichten, wurde abgelehnt. Begründung: Es solle Forschung gefördert werden, nicht die Lehre. Bleiben die beiden anderen Säulen von CO-Creapolis, nämlich die "Community" und das "Transfercenter".


Gezielte Kontaktaufnahme

Dass ausgerechnet die Professur nicht gefördert werden soll, bedauerte Hans Rebhan, Vizepräsident der IHK zu Oberfranken. Es sei wichtig, den Studierenden unternehmerisches Denken nahezubringen, meinte er am Freitag bei der Projektvorstellung. Aber CO-Creapolis biete die Chance, Kontakte zwischen der Hochschule und den Unternehmen strategisch und strukturiert herzustellen, betonte Sigmar Schnabel, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Coburg. Er ist gleichzeitig stellvertretender Vorsitzender des Vereins "Zukunft.Coburg.Digital" und sieht gute Chancen für eine enge Zusammenarbeit für die beiden Initiativen. "Zukunft.Coburg.Digital" wird vom bayerischen Wirtschaftsministerium gefördert und den Mitgliedsunternehmen finanziert.
Der Makerspace biete die Möglichkeit, schnell und informell Kontakte zwischen den Nutzern herzustellen, seien es Studierende, Wissenschaftler oder Mitarbeiter von Unternehmen, sagte Professorin Anne Bergner. Sie hob die positiven Effekte solcher "Future Labs" oder Makerspaces hervor. "Es gibt diese Orte nicht nur in Großstädten in Berlin, sondern auch in kleinen wie zum Beispiel Murnau." Auch in etlichen Unternehmen gebe es schon Makerspaces, sagte Martin Schmitz, Wirtschaftsförderer beim Landkreis Coburg. "Studenten sind da gern gesehen."
Angesiedelt werden soll CO-Creapolis im ehemaligen Schlachthof, nahe der Fakultät Design und der Innenstadt. "Wir haben dort nutzbare Gebäude, die wir schnell umbauen können", betonte Stephan Horn, Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Derzeit stehen nur die Außenmauern; Öffnungen sind mit Spanplatten gesichert. "Wir wollen ja kein Hochglanzgebäude", betonte auch Susanne Aileen Funke. Die CO-Creapolis auf dem ehemaligen Schlachthof könne den Anstoß geben für einen Forschungs- und Technologiepark auf dem übrigen ehemaligen Güterbahnhofsgelände, sagte Sigmar Schnabel. In diese Richtung zielen auch die Entwicklungspläne der Stadt Coburg für dieses Gelände.
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