Coburg
Royals

Buch zeigt: Englands Königshaus hat Coburger Wurzeln

Dass die englische Königin eine halbe Coburgerin ist, lernt hier in der Schule jedes Kind. Doch die Verflechtungen des Hauses Windsor mit Deutschland reichen weit über Coburg hinaus.
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Sie nennen sich Windsor, aber Königin Elisabeth II. (vorn, in Gelb) und ihr Sohn Prinz Charles könnten sich genauso "von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg" nennen - oder "Saxe-Coburg".  Foto: CT-Archiv
Sie nennen sich Windsor, aber Königin Elisabeth II. (vorn, in Gelb) und ihr Sohn Prinz Charles könnten sich genauso "von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg" nennen - oder "Saxe-Coburg". Foto: CT-Archiv
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Die Engländer selbst waren es, die einen Deutschen als ihren König bestimmten: Ein protestantischer Nachfahre des Hauses Stuart sollte Queen Anne Stuart nachfolgen - so ist es im "Act of Settlement" niedergelegt, den das englische Parlament 1701 verabschiedete. Katholiken oder mit einem Katholiken verheiratete Mitglieder der Stuarts waren von der Erbfolge ausgeschlossen. Die einzige, die demnach in Frage kam, war Sophie, Kurfürstin von Hannover, eine gebürtige Stuart. Da Sophie kurz vor Queen Anne starb, kam ihr Sohn Georg I. 1714 in den Genuss der Königswürde. Er und seine Nachfolger regierten bis 1837 sowohl Großbritannien als auch Hannover.

"Das wäre in etwa so, als wenn bei uns ein kleiner englischer Adeliger plötzlich Nachfolger des deutschen Kaisers gewesen wäre", sagt Michael Imhof, einer der Autoren und Verleger eines neuen Buches über die deutschen Wurzeln des englischen Königshauses. Anlass für das Buch war das Jubiläum "300 Jahre Haus Hannover": Die Geschichte der Dynastie wird in Hannover in einer Ausstellung nachgezeichnet. "Ich hätte gern den Auftrag für den Ausstellungskatalog gehabt", sagt Imhof freimütig. Aber als er den nicht erhielt, "dachte ich mir: Schreib ich halt ein Buch".

Familiäre Verflechtungen nach Deutschland

Das Buch ist nun erschienen und wurde gestern im Andromedasaal der Landesbibliothek vorgestellt. Es umfasst nicht nur die Geschichte der Welfen in Großbritannien, sondern bezieht die familiären Verflechtungen nach Deutschland bis heute ein. Denn Queen Victoria, deren Mutter eine Coburger Prinzessin war und deren Vater ein Welfe, behielt die Tradition bei und heiratete ebenfalls einen Deutschen - Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, ihren Cousin. Die nachfolgenden Generationen heirateten ebenfalls Partner vom Kontinent. Auch der Prinzgemahl Philip ist deutscher Abstammung, aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg.
1917 kam es zum Bruch - wegen des Ersten Weltkriegs.

Namen abgelegt

Der aus England stammende Herzog Carl-Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha, ein Enkel von Albert und Victoria, schloss die englische Linie von der Erbfolge im Herzogshaus aus. König Georg V. verfuhr ebenso - und legte den Namen Saxe-Coburg ab. Fortan hieß die königliche Familie Windsor. Verständlich: Just in Gotha hergestellte Flugzeuge waren an der Bombardierung Londons beteiligt. Dieser Bruch wirke bis heute, sagt Michael Imhof: Zur Ausstellungseröffnung in Hannover sei kein Mitglied der Königsfamilie gekommen, obwohl es doch um ihre Vorfahren gehe.

Bis heute sei Alberts Einfluss spürbar, stellte Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) fest. "Er modernisierte die Landwirtschaft", und der heutige Kronprinz Charles führe diese Tradition fort. Außerdem habe Albert den Weihnachtsbaum in Großbritannien eingeführt.

Im Eiltempo durch 600 Jahre Geschichte

Es beginnt mit Heinrich VIII. (1491 - 1547): Der englische Monarch, der wegen seiner sechs Ehen und einem Bruch mit der katholischen Kirche auch heute noch ein Begriff ist, steht am Anfang des Buches von Michael Imhof und Hartmut Ellrich. Aus gutem Grund: Denn trotz der Gründung der anglikanischen Kirche gab es nach Heinrich VIII. immer wieder Katholiken auf dem englischen Königsthron - bis das Parlament 1701 verfügte, dass nur noch Protestanten aus dem Hause Stuart akzeptiert würden. So kamen die Hannoveraner ins Spiel, nach ihnen die Coburger. Mit Prinzgemahl Philip aus dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg endet diese deutsche Kontinuität in der englischen Königsfamilie - Kronprinz Charles heiratete alten englischen Adel, sein Sohn eine Bürgerliche.

Auf rund 170 Seiten erzählen Imhof und Ellrich die Geschichte des britischen Königshauses, aufs Wesentliche reduziert. Dass da nicht alle historischen Konfliktlinien in aller Ausführlichkeit dargestellt werden können, ist logisch. Auch auf Fußnoten wurde zugunsten der Lesbarkeit verzichtet - das Buch richtet sich ja nicht in erster Linie ans Fachpublikum. Es bietet einen gut lesbaren Einstieg in die Materie, die Literaturliste verweist auf ausführliche Quellen. Was vielleicht noch zu wünschen gewesen wäre: Ein Stammbaum, der auch die Verbindungen des Königshauses mit anderen Häusern deutlich macht.
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