Buchvorstellung

Zwischen Ahnen und Adligen

Ein Urahne Detlev Vondrans starb vor 188 Jahren auf dem Niederfüllbacher Gutshof. Nun wird dieser zur Hauptfigur des historischen Krimis des Rödentalers.
Autor und Verleger Detlev Vondran mit seinem wichtigsten Utensil, der Schreibmaschine.  Fotos: Nelly Ritz
 
von NELLY RITZ
Blickt man heute auf das Rittergut Rauscher in Niederfüllbach, ahnt man nicht, dass hier einmal Dienstmägde des Schlosses umher eilten, Knechte schufteten und Bierbrauer ihr frisch hergestelltes Getränk in Fässern verkauften. Lediglich ein dunkler Bierlagerkeller gegenüber von der ehemaligen Brauerei zeugt noch von einer Zeit vor fast 200 Jahren.
Heute weist ein Schild mit der Aufschrift "Vorsicht Pferde" darauf hin, dass das Anwesen inzwischen zu einem Reiterhof umgebaut wurde, ab und zu ertönt ein kräftiges Wiehern aus den Stallungen. In der Mitte des Guts laden eine Grünfläche und Stühle am Teich zum Sitzen ein, die friedliche Atmosphäre wird allemal von leiser Radiomusik aus der Werkstatt unterbrochen.
Diese befindet sich neben einigen Garagen in dem inzwischen denkmalgeschützten, 1792 erbautem ehemaligen Brauhaus, in dem der Bierbrauer Johann Jäger Anfang des 19. Jahrhunderts seinen Lebensunterhalt verdiente. Jetzt, 190 Jahre später, lässt der Rödentaler Detlev Vondran das herrschaftliche Leben auf dem Gutshof aus den Jahren 1825 bis 1828 wieder entstehen, ohne dabei auf geschichtliche Korrektheit und genauestens recherchierte Zusammenhänge zu verzichten. Sein historischer Kriminalroman "Weißer Schaum auf blauem Blut", der noch vor Weihnachten in Druck gehen soll, ist das Resultat aus Ahnenforschung in Eigeninitiative und geschichtswissenschaftlichem Interesse.


Gerüchte aus Niederfüllbach

Den Anstoß dazu erhielt Vondran zusammen mit einer Urkundensammlung seines Vaters und der Behauptung, der damalige Prinz Leopold von Sachsen-Coburg-Saalfeld (ab 1826 Sachsen-Coburg und Gotha) habe die Dienstmagd Eleonore Volkmar öfters in seiner Kutsche einsteigen lassen. Klatsch und Tratsch aus dem Dorf, der über die Jahre hinweg überliefert wurde? Oder doch eine wahre Begebenheit?
Eleonore Volkmar, die damals in die Namenslinie der Vondrans eingeheiratet hat, gilt heute als Urururgroßmutter Detlev Vondrans. Daher wurde er aufmerksam und erforschte die unbekanntesten Ecken der familiären Vergangenheit. Der Roman, der nun daraus entstanden ist, ist allerdings alles andere als ein nacherzählter Stammbaum des 69-Jährigen. Stattdessen sollen die Leser von dem noch ungeklärten Todesfall des Bierbrauers Johann Jäger, Eleonore Volkmars Mann, gepackt werden.


Diagnose: Sumpffieber?

Dieser starb 1828, mit nur 35 Jahren, an einem mysteriösen Sumpffieber auf dem Gutshof in Niederfüllbach. Doch was hat der Tod des Bierbrauers vom Niederfüllbacher Gutshof mit Prinz Leopold zu tun, dem späteren belgischen König Leopold I? "Ich denke, ich habe alles recht schlüssig dargelegt", resümiert der Autor vielversprechend.
Nachdem Prinz Leopolds Frau Prinzessin Charlotte Auguste aus dem britischen Königshaus bei der Totgeburt ihrer Tochter starb, erwarb der junge Coburger unter anderem das Schloss und Gut Niederfüllbach aus seiner Heimatregion, verrät Detlev Vondran. So entstand der Bezug zwischen dem Gutshof und dem Adelshaus in der vielschichtigen Geschichte, die den Leser auch mal über Pflastersteine der Ketschengasse oder den Coburger Marktplatz führt.


Vom Sütterlin ins Deutsche

Es dauerte seine Zeit bis sich aus der privaten Ahnenforschung der jetzige Roman manifestierte, eine Mischung aus Familienchronik und Krimi. "Für das Ganze braucht man Geduld", versichert der Autor. Am schwierigsten gestaltete sich das Sammeln aller notwendigen Dokumente und Nachweise.
Manchmal müsse man sehr zäh und hartnäckig sein, ohne unfreundlich zu werden, schildert er. Nachgeforscht habe er im Staatsarchiv und in der Landesbibliothek in Coburg, in der Gemeinde Niederfüllbach, aber auch im evangelischen Kirchenbucharchiv in Nürnberg, wo er unter anderem das Sterbebuch der evangelischen Kirche aus dem Jahr 1828 entdeckte.
Der Mann mit dem Schnauzer erinnert sich: "Und wenn man dann endlich einen Einblick in die Kirchenbücher oder damaligen Gesetze erhält, dauert es lange, bis man alles entziffert hat." Vieles habe er erst aus der Sütterlinschrift übertragen müssen. "Damit mein Leser nicht extra Sütterlin lernen muss", sagt er und lacht.
Doch damit nicht genug: Nachdem der entstandene handschriftliche Text mit seinem "akkufreien Lieblingsnotebook", einer "Olympia Splendid 33" Kofferschreibmaschine, abgetippt war, durfte ihn zuerst die Lektorin lesen, prüfen und digitalisieren. Außerdem brauchte es Genehmigungen, um die historischen Dokumente veröffentlichen zu dürfen, Hilfe beim Design, dem Layout und der Homepage, sowie Werbung für Leseproben und Angebote.


Verlagsgründung in Eigenregie

Ein Verlag - in diesem Fall sein eigens gegründeter Vondran-Verlag - bestehe aus vier Abteilungen: Lektorat, Produktion, Marketing und Vetrieb, erklärt Detlev Vondran. "Aus Kostengründen übernehme ich den Großteil eben selbst", erzählt er.
Trotz all der Arbeit kann man ihm den Spaß an der ganzen Sache ansehen, stundenlang könnte er über die historischen Zusammenhänge und Anekdoten reden. "Oftmals bin ich in alten Texten und Zeugnissen auf verschiedenste Währungen und Maße gestoßen, die je nach Region und Zeitabschnitt ständig gewechselt wurden", entsinnt er sich. Da müsse man sich immer wieder umstellen, betont er amüsiert.
Auf die Frage, ob es denn noch andere Schwierigkeiten gegeben hat, die er beachten musste, antwortete er voller Inbrunst und mit einem zufriedenen Lächeln: "Ach, solche verzwickten Kleinigkeiten waren doch das Schönste!"
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