Zwei Schüler erklären die Generation Facebook

Die Eltern im Urlaub, Alkohol gekauft, Freunde eingeladen, im Garten über Fremde gestolpert - gab's vor 20 Jahren auch schon. Nur wird heute über Facebook zur Party geladen. Die Kommunikation hat sich verändert. Zwei 15-Jährige erklären, warum das gut ist.
Lisa und Cedric erklären Facebook. Foto: Ronald Rinklef
 
Hannahs Interessen laut ihrem Facebook-Profil: Männer. Ihre politische Einstellung: "Neutral. Hauptsache man kann schön shoppen!" Alles, sogar die Adresse der Schülerin, kann von Fremden gelesen werden. Das Web 2.0 macht das Erwachsenwerden öffentlich.

"Man muss aufpassen, was man reinstellt", sagt Cedric Smeets. Lisa Schramm bestätigt: "Lieber zweimal überlegen!" Die beiden 15-Jährigen sind "Ernes Ranger". So heißen am Coburger Gymnasium Ernestinum Schüler, die Ansprechpartner für heikle Themen sind: Drogen, Sex - und das Internet. "Hannah ist kein echtes Profil", erklärt Cedric. "Wir zeigen den Sechstklässlern damit, wo sie aufpassen müssen."


Cedric Smeets (15)

Cedric Smeets (15)  Foto:Ronald Rinklef
Cedric Smeets (15) Foto:Ronald Rinklef
Nutzungsverhalten: "Das wechselt: Mal schau ich mehr Fernsehen, mal bin ich mehr bei Facebook. Auf Facebook schaue ich eigentlich jeden Tag."
Wohnzimmer-Multimedia: "Mit unserer Xbox spiele ich mit Freunden oder gegen meinen Bruder. Das brauche ich aber nicht täglich."
Handy: "Dass Kinder Handys haben, ist ganz normal. In meiner Klasse hat jeder eins - und ich denke, es hat auch jeder in der Schule dabei. Ausgeschaltet oder lautlos, weil's nicht erlaubt ist."
Smartphone: "Ich hatte mal eins, aber das ist kaputt. Und meine Eltern unterstützen das nicht. Mein Vater sieht nicht den Sinn eines Smartphones. Ich seh's teils auch ein: Auf den kleinen Bildschirmen macht das Internet begrenzt Sinn."
Eigenes Laptop: "Das wichtigste Gerät. Damit kann ich alles machen: Mit Freunden chatten,  spielen, Musik hören, Videos schauen."
Musik, Filme: "Ich lade meine Musik auf einen USB-Stick. Musik aus dem Internet runterladen ist leichter, als in die Stadt zu laufen und eine CD zu kaufen. Für Videos nutze ich eigentlich die gleichen Seiten wie Lisa. "
Kommunikation: "E-Mail nutze ich hin und wieder. Momentan schaue ich täglich Mails an, weil ich als Austauschschüler in die USA möchte und auf Antwort warte. Um mit meinen Freunden in Kontakt zu bleiben, nutze ich Facebook. Du erreichst die Leute schnell und kannst mehreren gleichzeitig schreiben. Und es ist egal, wo sie leben. Mit den besten Freunden schreibe ich auch über ICQ - manchmal auch zu Hause mit meinem Vater, wenn ich zu faul bin, hinzulaufen."
Facebook-Freunde: über 200, alle persönlich bekannt
Echte, beste Freunde: eine Handvoll



Viele hätten schon in der fünften Klasse einen Facebook-Account. "Wir haben damals mit SchülerVZ angefangen. Die Jüngeren sind heute schon weiter." Deshalb gibt's Schulungen von den Rangern. Welche Informationen dürfen nicht öffentlich sein? Was sollte überhaupt nicht auf Facebook? "Man kann Bilder hochladen", sagt Lisa.

"Auch Partybilder", ergänzt Cedric. "Aber nur solche, auf denen man noch menschlich aussieht." Betreut werden die Ernes Ranger von Petra Wöhner, Deutsch- und Lateinlehrerin. "In den Schulungen zeigen wir einen Film von einer eskalierenden Facebook-Party", sagt sie. Cedric und Lisa waren noch nie auf einer der berüchtigten Facebook-Partys. "Aber klar, kleine Partys mit fünf Freunden haben wir auch schon über Facebook organisiert. Wir zeigen den Jüngeren, wie man das macht, ohne dass 100 Fremde im Garten stehen", erzählt Cedric. Lisa sagt, die Kommunikation übers Internet sei eben das einfachste.

In eine digitale Welt hineingeboren

"Das ist toll! Erwachsene verstehen es oft nicht. Die meisten sind nicht bei Facebook." Das stimmt zwar nicht ganz, denn immer mehr Ältere nutzen soziale Netzwerke, aber sie sind dort nicht so zu Hause wie Cedric und Lisa. Die beiden gehören zur Generation der "Digital Natives", derjenigen, die in eine digitalisierte Welt hineingeboren wurden. "Wir sind anders als unsere Eltern", sagt Cedric.

Die beiden Schüler sitzen im E-Learning-Raum ihres Gymnasiums. An der Wand hängt eine digitale Tafel. Frank Pfeffer ist der Lehrer, der für die Medien an der Schule zuständig ist. Er unterrichtet Physik, Mathe und Informatik und zeigt begeistert, wie er Youtube-Videos von physikalischen Versuchen einbinden kann, wie die Schüler an ihren Rechnern Aufgaben lösen und er diese auf der Tafel korrigieren kann. "Und wenn die Tafel vollgeschrieben ist, muss man nicht mehr alles wegwischen", sagt Lisa. Cedric grinst. "Wir kennen aber auch noch Schwämme und Schulbücher."

Referate in Facebook-Gruppen vorbereitet

Der Unterricht ist bisher nur in wenigen Fächern multimedial. Referate werden aber inzwischen als Power-Point-Präsentation gehalten und in Facebook-Gruppen vorbereitet. Schule, Sozialleben, Alltag - die Technik verändert vieles. In den kommenden Wochen beschäftigt sich unsere Zeitung mit dem Thema Multimedia, mit neuesten Entwicklungen, aber auch mit Dingen, die für die "Digital Natives" schon selbstverständlich sind. Diese Generation hat Möglichkeiten wie keine andere zuvor: Die Schüler haben heute Zugriff auf das gesamte Wissen der Welt.

Aber leicht haben sie es auch nicht: Sie müssen ständig auf irgendein Gerät tippen, kommunizieren, um den Anschluss nicht zu verpassen, auf Internetseiten entscheiden, ob sie den Facebook-Button "Gefällt mir" anklicken und bei dem, was anderen "gefällt", permanent ihr Selbstbild mit der Wahrnehmung anderer abgleichen. Aber sie nutzen die Technik auch als Alltagswerkzeug. "In den Ferien war ich viel im Schwimmbad", erzählt Lisa. Das Internet hat sie nur gebraucht, um sich dafür mit ihren echten Freunden zu verabreden.
 

Lisa Schramm (15)

Lisa Schramm (15)  Foto:Ronald Rinklef
Lisa Schramm (15) Foto:Ronald Rinklef
Nutzungsverhalten: "Ich bin täglich bei Facebook. Ich darf das Laptop zwei Stunden am Tag benutzen: früh und mittags eine halbe Stunde, abends eine Stunde. Da kann ich meinen Freunden schreiben, weil alle online sind. Abends mal noch ein wenig Fernsehen, das war's eigentlich."

Wohnzimmer-Multimedia: "Mit unserer Wii spiele ich, wenn Freunde da sind. Manchmal auch mit meinem Bruder. Aber eigentlich selten, genau wie Fernsehen."

Handy: "In meiner Klasse hat jeder ein Handy. Meins liegt meistens hinten auf dem Bett, weil es als Wecker dient. In der Schule habe ich es meistens nicht dabei. Wer sollte auch anrufen? Meine Eltern wissen, wo ich bin. Und meine Freunde sitzen eh auch in der Schule."

Smartphone: "Ich habe keines. Eine Freundin von mir hat ein iPad. Das macht mehr Spaß als ein Smartphone mit einem kleinen Bildschirm. Selber würde ich aber keines kaufen."

Eigenes Laptop: "Wichtigstes Gerät. Mit dem Computer kann man übers Internet eben alles machen: Freunde kontaktieren, spielen, Filme schauen."

Musik, Filme: "Meistens lade ich Musik aus dem Internet. Hin und wieder kaufe ich eine CD. Außerdem nutze ich Vide oplattformen wie Youtube, Myvideo, Clipfish."

Kommunikation: "Dafür ist Facebook toll. Neulich habe ich jemanden aus Wuppertal kennen gelernt, mit dem kann ich so in Kontakt bleiben. Unsere Klasse hat auch eine Facebook-Gruppe. Wenn einer krank ist, tauschen wir hier die Hausaufgaben aus und stellen die Unterrrichtsmitschriften (eingescannt) hoch."

Facebook-Freunde: über 200, alle persönlich bekannt

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