Zu wenig Platz für Starkstrom im Landkreis


, Samstag, 05. Mai 2012

Der Ärger mit der geplanten 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung durch das Coburger Land geht weiter. Am Freitag ist bekannt geworden, dass "Tennet" als Bauherr der Trasse in einigen Bereichen des Landkreises die nötigen Abstandsflächen zu Wohnbebauungen nicht einhalten kann.
Die 110-Kilovolt-Leitung bei Neuensorg soll verschwinden, wenn die 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung  zwischen Weidhausen und Sonnefeld gebaut wird.

Markus Mönch (parteilos) hat es am Freitag fast vom Bürgermeistersessel gehauen, als er die Nachricht auf der Homepage des künftigen Netzbetreibers "Tennet" entdeckte. Bei der Regierung von Oberfranken wurde für die geplante 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung ein ergänzendes Raumordnungsverfahren für den Abschnitt von der Thüringer Landesgrenze bis Redwitz eingeleitet - mit gravierenden Folgen für die Gemeinden Weidhausen, Sonnefeld und Ebersdorf bei Coburg.
Hintergrund sind offensichtlich Schwierigkeiten für Tennet, im Südabschnitt der Trasse die vorgeschriebenen Abstandsflächen zur Wohnbebauung einzuhalten. In einer Pressemitteilung der Regierung von Oberfranken nennt Corinna Boerner insbesondere die Ortschaften Oberfüllbach, Kleingarnstadt, Großgarnstadt, Sonnefeld, Neuensorg und Weidhausen. Deshalb wurden in drei Korridoren neue Linien zur Genehmigung eingereicht.
Dass er davon per Pressemitteilung erfahren musste, stimmt Markus Mönch gewaltig sauer: "Das ist schon ein sehr fragwürdiger Weg." Bei einem Telefonat mit Tennet, das seinen Sitz in Bayreuth hat, habe man ihm gestern gesagt, dass im Laufe der nächsten Woche "persönliche Gespräche" in den betroffenen Gemeinden stattfinden sollen. Dabei soll erläutert werden, warum "Tennets" favorisierte Trasse nun nicht mehr zwischen Neuensorg und Weidhausen, sondern entlang der B 303 an der Gemeinde vorgeführt werden soll. Ein Vorteil ist freilich schon auf den ersten Blick offensichtlich: Die Wohnungbebauung im südwestlichen Teil von Weidhausen käme ungeschoren davon.
Dafür erwischt es natürlich das Gewerbegebiet Richtung Weidhausen. Allerdings weiß Mönch aus vorausgegangenen Gesprächen mit "Tennet", dass Gewerbeflächen keinen so ausgeprägten Schutz genießen wie Wohngebiete. So wird die neue Route zumindest auf den ersten Blick hin logisch. "Ein Vorteil", sagte Mönch dem Tageblatt, "ist das aber auch nicht." Schließlich bleibe die Entwicklungsmöglichkeit der Gemeinde durch die Höchstspannungsleitung eingeschränkt - ob mit Ergänzungs-Trasse oder nicht. Deshalb ist es für Markus Mönch eine Selbstverständlichkeit, dass er die Ergänzung des Raumordnungsverfahrens am Montag (19 Uhr; Feuerwehrgerätehaus) im Gemeinderat zum Thema machen wird. Ein "Zuckerl" haben die "Tennet"-Planer den Weidhäusern mit den neuen Plänen aber auch serviert: Sollten die Leitungen auf dem Abschnitt bis kurz vor Trübenbach entlang der B 303 verlegt werden, wird die 110-kV-Trasse bei Neuensorg abgebaut.

Weischau wird wohl verschont


Gleich zwei Gewerbegebiete würde die Alternativroute bei Sonnefeld streifen. "Auch dort arbeiten Menschen", sagte Bürgermeister Rainer Marr (CSU), der deshalb alles andere als glücklich ist. Aber immerhin: Die West-Trasse der 380-kV-Leitung (die über Fechheim, Mittelwasungen, Zedersdorf und Weischau geführt hätte) scheint bei "Tennet" keine Priorität mehr zu besitzen. So bleibe mit etwas Glück aus Sonnefelder Sicht nur das das "optische Problem" einer Trasse über die Baumallee Richtung Weidhausen hinweg. Deshalb werde die Gemeinde die veränderten Pläne von "Tennet" in den nächsten Tagen "sehr kritisch" prüfen.
Zum Ablauf des Planfeststellungsverfahrens hat Regierungs-Sprecherin Boerner dem Tageblatt bestätigt, dass die Projektunterlagen in den nächsten vier Wochen in den betroffenen Gemeinden sowie der Regierung von Oberfranken (Ludwigstraße 20, Bayreuth) zur Einsicht ausliegen. Bis Mitte Juni werde es dann dauern, bis die Einwände der betroffenen Gemeinden, Landratsämter, Naturschutzverbände und weiteren Fachstellen vorliegen.
Der Ebersdorfer Bürgermeister Bernd Reisenweber (BG) wunderte sich auch ganz gewaltig über die modifizierte Trassenführung. Dass es jetzt plötzlich nach Rohrbach nördlich von Großgarnstadt vorbei gehen soll, ist für ihn nämlich ganz und gar nicht logisch: "Zwischen Groß- und Kleingarnstadt sind doch Vorbehaltsflächen für Windräder. Ich bezweifle schwer, dass diese Pläne mit dem Regionalplan in Einklang zu bringen sind." Und eigentlich, da winkte Reisenweber verärgert ab, ist es doch eh egal: "Egal, wo sie diese Leitung hinlegen, für unsere Gemeinde ist es niemals gut." Schließlich habe die Bürgerinitiative "Achtung, Hochspannung" mehrfach nachgewiesen, dass es die Trasse zwischen Altenfeld und Redwitz gar nicht brauche.