Neida
Verkehrslandeplatz

Wie Landwirte den geplanten Flugplatz bei Neida beurteilen

Landwirte und Waldbesitzer rund um Neida schenken den Vertretern der Projektgesellschaft für den Verkehrslandeplatz wenig Glauben.
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Im Gespräch: Martin Florschütz, Benjamin Bartsch, Hans Rebelein und Willi Kuballa.Foto: G. Bertram
Im Gespräch: Martin Florschütz, Benjamin Bartsch, Hans Rebelein und Willi Kuballa.Foto: G. Bertram
Der Bauernverband hatte am Dienstagabend Vertreter der Projektgesellschaft Verkehrslandeplatz am Standort Meeder-Neida zum Gespräch mit betroffenen Landwirten und Waldbesitzern eingeladen. Benjamin Bartsch und Willi Kuballa von der Projektgesellschaft sollten die Änderungen in den Plänen vorstellen.

Deren Fazit stellte Diplom-Geologe Benjamin Bartsch vor: Er versicherte, dass es keine weiteren Betroffenheiten - weder grundstücks- noch naturschutztechnisch - geben werde und dass keinem ein wirtschaftlicher Schaden entstehe. Reaktionen: Abwinken, Kopfschütteln, Lachen. Denn genau das bezweifeln die Landwirte und befürchten nach wie vor Rentabilitätseinbußen in der Bewirtschaftung ihrer Waldflächen. Die notwendige Einkürzung vorhandener Bäume führe unweigerlich zu deren Absterben, wobei sich überdies die Gefahr von Borkenkäferbefall erhöhe. Um Ausgleichszahlungen ging es den Landwirten, um Entschädigung, um Kostenübernahmen. Dazu hatten Landwirte wie auch die Initiative "Bürger für ihre Region gegen den neuen Verkehrslandeplatz" einen umfangreichen Fragebogen erarbeitet.

Das neue Gutachten - Aeronautic Study - soll die Unbedenklichkeit für den geplanten Verkehrslandeplatz bekräftigen. "Risikominderungsmaßnahmen", nannte es Bartsch und erklärte im Ergebnis der Studie: "Ein sicherer Luftflugverkehr ist möglich." Betroffen indes seien die Gebiete Hahnberg, Buchleite und Hähnles, wo zwei Masten für die Anflugbefeuerung aufgestellt werden sollen. Am Hahnberg ist ein 50 Meter hoher Mast geplant. Baumeinkürzungen, versichert Bartsch seien hier aber erst in ein paar Jahren erforderlich, weil die Baumhöhen hier bei circa 37 Metern über dem Gelände liegen. Ohnehin gehöre der größte Teil dieser Flächen dem Freistaat. Der zweite Mast, 40 Meter hoch, werde an der Buchleite stehen. Vom Eigentümer, dem Coburger Herzogshaus, habe man einvernehmlich das Einverständnis erhalten. Erhöht werden soll nach der neuen Studie auch die Platzrunde für den An- und Abflug. Weitere als die bisher in den Planungsunterlagen enthaltenen Ausgleichsmaßnahmen für Landwirte und Waldbesitzer werde es nicht geben.

Genau das aber wollten diese wissen: Wie sieht es mit den Grunddienstbarkeiten aus, wer zahlt die Schäden an den einzukürzenden Bäumen und an denen, die unweigerlich in Mitleidenschaft gezogen werden, wer übernimmt den zu erwartenden Minderertrag in der Bewirtschaftung der Flächen? Bei notwendigen Einkürzungen von Bäumen, so Bartsch, werde der künftige Flugplatzbetreiber entschädigen. Und Einkürzungen seien ohnehin nur im Bereich der Sichtfreihaltung der Befeuerungsmasten notwendig, nicht aber im Bereich der Platzrunde.


Anregung Flächenverkauf

"Der Baum wird, wenn erst einmal eingekürzt, wirtschaftlich wertlos", sagte Landwirt Oliver Truckenbrodt. Seiner Meinung nach sei ein Flächenverkauf dann die bessere Alternative. "Da hat man wenigstens noch etwas davon." Diese Anregung will Bartsch mitnehmen und dem Luftamt Nordbayern unterbreiten. Ohnehin werde es eine Vereinbarung zwischen den Waldbesitzern und der Projektgesellschaft geben, wo Entschädigungszahlungen bei Kürzungen oder Rodungen festzulegen seien. Günther Heinkel sorgte sich wegen eines möglichen Borkenkäferbefalls, Hans Rebelein forderte eine sofortige Entschädigung für Grunddienstbarkeiten und fragte nach einer Karte der Zuwege zu den Maststandorten.

Die Frage nach der Kostendeckelung auch bei den neuen Plänen, die Dagmar Escher von der Bürgerinitiative vorstellte, beantwortete Bartsch nicht. Thomas Schreiner beharrte darauf, und Bartsch sah sich doch noch zu einer Antwort genötigt: Die Kosten bleiben im Rahmen der Deckelung.

Hans Rebelein ermahnte die Landwirte, die Auslegungsfristen in den Kommunen zu beachten, um Einwendungen rechtzeitig geltend zu machen. Bisherige Einwendungen, das hatte Bartsch eingangs versichert, würden auch nach der Planänderung Gültigkeit behalten. "Sicher ist sicher", meinte Rebelein und kritisierte den Erörterungstermin, der für Juli vorgesehen ist: "Das ist eine Zeit, in der die Bauern die meiste Arbeit haben." Um Rückbauverpflichtungen ging es schließlich auch, sollte sich der Verkehrslandeplatz eines Tages als unrentabel erweisen. Diplom-Geologe Bartsch beantwortete noch weitere Fragen. Kreisobmann Martin Flohrschütz meinte, auch wenn es Zweifel an den Aussagen der Projektgesellschaft gebe, hätten sich sich deren Vertreter immerhin den Fragen der Landwirte gestellt. Freunde hätten sie sich erwartungsgemäß nicht gemacht. "Es macht einfach Angst, zu wissen, wie man mit unseren Flächen umgehen kann", erklärte Flohrschütz.
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