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Familien

Wenn ein Kind zwei Adressen hat

Wie kann man trotz Scheidung die Verantwortung für ein Kind fair regeln? Das sogenannte Wechselmodell macht es möglich.
Plädieren für eine gemeinsame, faire und paritätische Lösung zum Wohl des Kindes: Regina Hüttinger, Bettina Lesch-Lasaridis, Birgit Sonanini und Erna Rank-Kern (von links).
 
von KATJA NAUER
Wenn Eltern vor den Scherben ihrer Ehe stehen, ist oft auch der Nachwuchs massiv betroffen. Wie soll das Leben der Kinder nach der Trennung aussehen? Wie kann man Kindern und Eltern mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen und Verletzlichkeiten möglichst gerecht werden?

Neben dem herkömmlichen Residenzmodell, bei dem das Kind seinen festen Lebensmittelpunkt bei einem der beiden Elternteile hat und Besuchskontakte fest geregelt sind, gibt es ein weiteres Modell, das mittlerweile verstärkt angewendet wird: das Wechselmodell. Dabei wohnen die Kinder abwechselnd bei Mutter und Vater und werden paritätisch von den Eltern betreut. Sie sind bei beiden Eltern zu Hause und leben dort auch ihren Alltag. Viele europäische Länder praktizieren das Modell bereits.

"Das Kind hat ein Recht auf eine Beziehung zu beiden Eltern bei Trennung oder Scheidung", sagt eine, die es wissen muss. Erna Rank-Kern ist Erziehungsberaterin beim Diakonischen Werk. Die Sozialpädagogin berät viele Familien und weiß, dass nicht gelöste Konflikte zwischen den getrennten Elternteilen richtiggehend "vererbt" werden können. Ein Vater habe die Trennung seiner Eltern erlebt, erzählt sie aus der Praxis. Sein Lebensmittelpunkt sei bei der Mutter gewesen. Bei seiner eigenen Hochzeit durfte er den Vater jedoch nicht einladen - sonst wäre die Mutter nicht gekommen.

"Wenn die Eltern die Konflikte zum Sorgerecht nicht lösen können, tragen die Kinder sie später mit in ihr eigenes Leben", sagt Rank-Kern. Deshalb plädiert sie für eine gleichberechtigte Lösung zum Wohl des Kindes. "Es ist häufig der Fall, dass sich im herkömmlichen Modell der sorgende Elternteil als der gewichtigere empfindet", hat sie beobachtet. Und: "Die Kinder werden zur Munition für die Eltern."

Ebenso wie Erziehungsberaterin Rank-Kern, Familientherapeutin Birgit Sonanini und Verfahrensbeistand Regina Hüttinger ist die Fachanwältin für Familienrecht, Bettina Lesch-Lasaridis, eine Streiterin für das Wechselmodell. "Die gesellschaftlichen Verhältnisse in den letzten 20 Jahren haben sich sehr geändert", sagt sie, "auch die Väter möchten mehr am Alltag ihrer Kinder teilnehmen." Die Anwältin ist überzeugt: "Wir brauchen mehr Verantwortung für beide Elternteile" und plädiert für einen "Denkwechsel in der Rechtsprechung".


"Das ist eine Win-Win-Situation"

Und wie funktioniert das Modell in der Praxis? "Beide Eltern teilen sich die rechtliche und pädagogische Verantwortung", erläutert Hüttinger. Das ermögliche die intensive Beziehung zu beiden Elternteilen. Viel wichtiger als der geografische Ort, wo das Kind untergebracht ist, sei die emotionale Stabilität für das Kind, betont sie. "Das ist eine Win-Win-Situation für beide Eltern", erläutert Sonanini. Das Kind könne eine intensivere Beziehung zum Vater aufbauen. "Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass sich damit auch die Beziehung zur Mutter verbessert." Der Vorteil des Modells sei, dass die Machtverhältnisse in der Familie ausgeglichen seien, sagt auch Lesch-Lasaridis.

Bisher gibt es lediglich rechtliche Vorgaben, wie das Modell gelebt werden kann, erläutert sie. Am 2. Oktober dieses Monats unterzeichnete der Europarat eine Resolution, um das Modell künftig auch im Gesetz zu verankern. Auch wenn es noch deutliche Widerstände von Seiten der Politik gibt - "noch immer herrscht eine eher konservative Haltung", so die Fachfrauen - hoffen sie auf eine schnelle Umsetzung. "In Coburg stehen Gerichte und Jugendämter dem Modell sehr offen gegenüber", betont Lesch-Lasaridis.


Informationsabend

Am Dienstag, 18. Oktober, 19 Uhr, werden die Referentinnen einen Überblick über mögliche Lebensformen nach einer Trennung oder Scheidung geben. Veranstaltungsort ist das "Münchner Hofbräu" in der Johannisgasse. Die Veranstaltung richtet sich an Fachleute, Eltern und Interessierte. Der Eintritt ist frei.
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