Grub am Forst
Weiterbildung

Trotz Feuer kühlen Kopf bewahren - Landwirte tauschten sich in Grub am Forst aus

Dass der Hof brennt, ist für jeden Landwirt eine Horrorvorstellung. Wie man in dieser Extremsituation reagiert, erfuhren die Teilnehmer einer Fortbildung.
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Was tun im Brandfall? Antworten auf diese Frage sollte eine ein Seminar des Verbands für landwirtschaftliche Fortbildung im Rahmen seiner Weiterbildungsreihe bieten. Erfahrungsberichte gab es, aber auch Anregungen und Tipps von der Feuerwehr und von Versicherungen.
Hans Vetter, Leitender Landwirtschaftsdirektor vom AELF Coburg, erinnert sich noch an viele Brandfälle, auch an die Brandstiftungen Anfang der 1990er Jahre, wo es gleich mehrfach landwirtschaftliche Höfe traf. Die Bilder auf dem Bauernhof Angermüller in Großheirath aus dem Jahr 2012 wird er nicht so schnell vergessen, die toten aufgedunsenen Tierkörper am Fahrsilo aufgereiht. Eine schockierende Erinnerung nennt er es. Gleich nach dem Brand in Großheirath, weiß auch Landwirt Heinz Fischer vom Itzgrund noch, habe die Jungbauernschaft Seßlach zu einer Weiterbildung in Sachen Brandschutz nach Dietersdorf ins Sportheim eingeladen. Krachvoll sei der Saal gewesen, und er selbst habe an diesem Abend gelernt, dass ein Blitzableiter eher auch gegenteilige Wirkung haben kann.


Hof stand plötzlich in Flammen

Drei Landwirte berichteten aus persönlichem Erleben, in der Erinnerung noch immer geprägt von Schrecken, Panik und dem verzweifelten Versuch, zu retten was zu retten ist. Am schlimmsten hatte es wohl Stefan Angermüller getroffen. Am 30. Oktober 2012 stand sein Hof plötzlich in Flammen. Die Brandursache ist bis heute nicht geklärt. Angermüller selbst war im Urlaub, kam so schnell als möglich zurück. Was sich auf dem Hof abspielte, lässt heute noch alle, die dabei waren, schaudern. Der Stall stand lichterloh in Flammen, die Schreie der Tiere hatte man kilometerweit gehört. Keine Chance für die Feuerwehr, noch irgendetwas zu retten.
Auch Kreisbrandrat Manfred Lorenz spricht vom Elend der Tiere und davon, dass deren Leiden schneller hätte beendet werden müssen. Die Zuständigkeiten aber seien nicht so einfach, die Vorschriften kompliziert gewesen. Und noch eine schreckliche Gewissheit hatte es gegeben. Ein Mitarbeiter auf dem Hof hatte es nicht geschafft, dem Flammenmeer zu entkommen. Angermüller hat inzwischen wieder nach vorn geblickt, und auf diesem Weg, sagt er dankbar, habe er viele Mitstreiter und Helfer gehabt und nicht zuletzt auch eine Versicherung, die unbürokratisch handelte. Natürlich, rät er, müsse man seine Versicherung auf dem neuesten Stand halten, er habe mit einer Neuwertversicherung gute Erfahrungen gemacht.


Schutz für acht Wohnhäuser

Ein herrlicher Freitag vor Pfingsten 2015 war es gewesen, als Bettina Bischoff in Trübenbach nach Hause radelte und an der Scheune vorbeikam, in der es wohl schon schwelte. Nicht viel später, erzählt sie mit bewegter Stimme, habe sie ein Knistern gehört, es aber zunächst nicht zuordnen können, bis sie den weißen Rauch aus den Dachziegeln hat aufsteigen sehen. "Oben in der Scheune lag loses Heu, unten Quaderballen, und die Stallanbauten waren in unmittelbarer Nähe." In Panik hat sie die 110 angerufen und sich bei der Polizei nicht ernst genommen gefühlt. Klar, das weiß sie heute auch, die Feuerwehr ist unter 112 zu erreichen. Aber wer kann in solcher Schrecksituation klar denken!
Was Bettina Bischoff noch gut in Erinnerung ist, ist die Hilfe der Nachbarn, die die Rinder mit aus dem Stall trieben und in leerstehende Fahrsilos leiteten. "Die Trübenbacher Feuerwehr war zuerst da", weiß sie noch genau, "und was die und alle anderen, die dann noch kamen, geleistet haben, war aller Achtung wert." Acht angrenzende Wohnhäuser mussten geschützt, ein Dieseltank mit 1800 Liter Diesel abgepumpt werden. Nur mit der Polizei hatte Bettina Bischoff keine guten Erfahrungen: "Wir wurden geradezu verhört, als hätten wir in diesem Moment keine anderen Probleme. Auch die Nachbarn." Ähnliches berichtete auch die Frau von Oliver Truckenbrodt.
Aus heutiger Sicht schließt Bettina Bischoff ab: "Man verstehe jetzt besser all die Brandschutzauflagen, von Brandschutzwänden bis Abständen. Denn das Leben steht vor allem." Die Ortssirene, die erste Helfer in Gang setzten, hatte übrigens nichts gebracht. "Der Alarmknopf an der Dorfsirene", bestätigt Kreisbrandrat Manfred Lorenz, hilft nichts. Das hören höchstens die Feuerwehrleute im Ort." Diese Art Meldesystem sei aus den 60er Jahren und nicht vernetzt mit der Leitstelle. Europaweit gilt für die Feuerwehralarmierung die 112 und nichts anderes.


Löschwasserprobleme

Bei Oliver Truckenbrodt in Herbartsdorf ist die Maschinenhalle abgebrannt. Ein Futtermischwagen war die Ursache. 700 Quaderballen Stroh, 100 Tonnen Getreide, Zuckerrübenschnitzel und Technik waren in der Halle. Oliver Truckenbrodt hat die Entstehung des Brandes beim Fräsen gemerkt und wollte selbst retten, was zu retten war. Mit dem Frontlader hat er versucht, das Stroh auseinanderzuzerren, hat die Maschinen rausgezogen. Aber schnell gemerkt, dass alles Mühen vergebens war.
Gute Erfahrungen haben die betroffenen Landwirte mit den Versicherungen. Ob alles in einer Hand liegt oder in mehreren, große Komplikationen, das bestätigen sowohl Angermüller als auch Truckenbrodt, habe es nicht gegeben. Ein Problem bei der Truckenbrodtschen Maschinenhalle sei allerdings die Photovoltaikanlage gewesen, von der Splitter kilometerweit verstreut wurden. Letztlich habe man von der Versicherung aber die Stunden bezahlt, in denen die Splitter auf den Nachbarfelden aufgesammelt worden waren. Fotografien vom Bestand, Baupläne, Betriebsausfallversicherung, Abbruchversicherung, Inventarlisten - all das sei hilfreich, wenn das Horrorszenario Brand eintritt. Das und manches mehr gaben die Betroffenen an diesem Seminartag weiter.
Keiner, das wissen alle im Raum, ist gefeit vor solchem Schrecken. Manch einer kennt Brände noch aus früheren Zeiten bei Nachbarn und weiß, was es heißt, wenn der Hof in Flammen steht. Manfred Lorenz konnte nur raten, schnell zu reagieren und die 112 anzurufen. Dass es mancherorts Löschwasserprobleme geben kann, darauf hat er die Bürgermeister hingewiesen und die Sanierung von Dorfteichen angemahnt. Nach den Richtlinien müssen 48 Kubikmeter je Stunde und das über zwei Stunden vorgehalten werden. Dass das manchmal knappt wird, hat auch Bettina Bischoff erleben müssen.
Und noch eines wurde gleich mehrfach betont: Ohne die Gemeinschaft im Dorf und den Zusammenhalt der Landwirte wäre vieles noch schwerer gewesen. Heu und Stroh wurden sofort von Nachbarlandwirten gespendet, Stallplätze für Tiere zur Verfügung gestellt, tröstende Worte und eine heiße Suppe in schweren Stunden inbegriffen.
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