Stöppach
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Trauer um Herbert Stelzner - er war ein Chronist der alten Schule

Über 40 Jahre war Herbert Stelzner für das Tageblatt rund um seinen Heimatort Stöppach unterwegs. Jetzt ist er mit 91 Jahren gestorben.
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Ein Mann, der das Leben genießen konnte: Herbert Stelzner, über vier Jahrzehnte der "Pressemann" im oberen Itzgrund, ist am Samstag nach langer Krankheit gestorben. Foto: privat
Ein Mann, der das Leben genießen konnte: Herbert Stelzner, über vier Jahrzehnte der "Pressemann" im oberen Itzgrund, ist am Samstag nach langer Krankheit gestorben. Foto: privat
Er war einer der letzten echten Dorfchronisten, die es im Coburger Land gegeben hat: Herbert Stelzner. Am Samstag ist der langjährige freie Mitarbeiter des Tageblatts im Alter von 91 Jahren gestorben.


Als Herbert Stelzner, noch nicht lange verheiratet und junger Vater, als Berichterstatter für die beiden Coburger Tageszeitungen begann, waren die kommunalpolitischen Strukturen ganz anders als jetzt: Stöppach, Scherneck, Meschenbach, Untersiemau, Ahorn, Großheirath, Grub am Forst und Niederfüllbach hatten eigenständige Gemeinderäte, deren Sitzungen über Jahrzehnte hinweg von Herbert Stelzner begleitet wurden.

Auch in der Vereinswelt rund um Untersiemau war Stelzner unterwegs und gern gesehener Berichterstatter bei vielen Veranstaltungen. Oft war Herbert Stelzner dabei nicht nur außenstehender Berichterstatter, sondern aktives Mitglied, teilweise sogar im Vorstand - vom Ziegenzuchtverein bis zur BRK-Bereitschaft Itzgrund und dem Stöppacher Gesangverein.


Geboren wurde Herbert Stelzner aber nicht in Stöppach, das erst nach dem Krieg schnell zu seinem Lebensmittelpunkt wurde. Als eines von vier Kindern kam er in der "Alten Schmiede" in Ahorn zur Welt und verbrachte dort - "gut behütet", wie er sich erinnerte - seine Kindheit.

Dann aber kam der Zweite Weltkrieg, der sich für Herbert Stelzner wie für viele Generationsgenossen zu einem dramatischen Einschnitt in die persönliche Biografie entwickelte. Von 1943 bis Kriegsende befand sich Herbert Stelzner an der Ostfront und wurde dort auch schwer verwundet. Nach seiner Rückkehr lernte Herbert Stelzner seine spätere Frau Irene in Stöppach kennen, die Trauung fand im Oktober 1948 statt.


Der Mann von der Bahn

Just in den dunklen Stunden der Gefangenschaft erlernte er die Stenografie (Kurzschrift), was ihm in seiner beruflichen Laufbahn nach Rückkehr aus dem Krieg sehr behilflich war. Herbert Stelzner begann bei der Bahn, wurde Beamter und kannte als Hauptsekretär im Innendienst fast alle Bahnhöfe des Coburger Landes. 1985 ging er in Ruhestand - nur bei der Bahn, noch lange nicht als Berichterstatter im oberen Itzgrund.


Der Job des lokalen Berichterstatters brachte für Herbert Stelzner jahrzehntelang hohen organisatorischen Aufwand mit sich. Sauber mit Schreibmaschine auf Tageblatt-Vordruck geschrieben, mussten die Manuskripte ins Verlagsgebäude nach Coburg gefahren werden, dort wurden auch erst die Filme mit den Aufnahmen der freien Mitarbeiter entwickelt. Oft mussten deshalb Ehefrau Irene und die Kinder auf den Start in den Sonntagsausflug warten - die Zeitung ging halt vor. Und genau durch diese Verlässlichkeit wird die Tageblatt-Redaktion Herbert Stelzner immer in bester Erinnerung behalten.


Auch die Gemeinde Untersiemau wusste, was sie an der Person Herbert Stelzner hatte: Schon im Jahr 1990 - es war zu Stelzners 65. Geburtstag - verlieh sie ihm den Wappenteller der Gemeinde in Porzellan. Diesen erhalten bis heute nur Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die sich um die Gemeinde Untersiemau verdient gemacht haben.


Verschwinden wird der Name Stelzner in der Tageblatt-Berichterstattung jetzt aber nicht: Nach seinem Rückzug aus der freien Mitarbeit im Jahr 2004 gab Herbert Stelzner sein Amt des "Pressemannes" an seinen Sohn Michael weiter.



Trauerfeier

Termin Die Trauerfeier für Herbert Stelzner findet am Donnerstag, 22. Juni, um 13 Uhr in der Schernecker Kirche statt.
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