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Besuch

Thüringer Charmeoffensive in Coburg

Was Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) bei seinem Besuch in Coburg zusagte.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) im Coburger Rathaus im Gespräch mit Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD).
 
von SIMONE BASTIAN
Heißt es Coburg-Gotha-Sachsen? Oder Coburg-Sachsen-Gotha? Egal: Bodo Ramelow nimmt die Reihenfolge, die ihm passend erscheint: "Wenn ich bei Oberbürgermeister Kreuch in Gotha bin, sage ich Gotha-Sachsen-Coburg."

Am Dienstag indes weilte der Thüringer Ministerpräsident (Die Linke) in Coburg, eingeladen vom Kreisverband seiner Partei, empfangen im Landratsamt und im Rathaus. Dass ein Linker sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen darf, wäre vor einigen Jahren auch noch undenkbar gewesen. Aber die Zeiten haben sich geändert. Ramelow führt seit fast zwei Jahren ziemlich geräuschlos eine Koalition der Linken mit Grünen und SPD im benachbarten Freistaat, und einige der Dinge, die dort geplant sind, strahlen bis nach Bayern aus.

Zumindest bis nach Franken. Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) nannte zwei Themen: Der Klinikverbund Regiomed dürfe durch die geplante Verwaltungs- und Gebietsreform in Thüringen nicht gefährdet werden, betonte er. Geplant ist, die beiden Landkreis Hildburghausen und Sonneberg mit Suhl und Schmalkalden-Meiningen zu einem Großlandkreis zu verschmelzen mit rund 235000 Einwohnern und einer Fläche von 2686 Quadratkilometern.

Die beiden noch bestehenden Landkreise Hildburghausen und Sonneberg sind Gesellschafter von Regiomed; der Klinikverbund betreibt die kommunalen Krankenhäuser in Lichtenfels, Coburg, Sonneberg, Hildburghausen, Neuhaus und Schleusingen. "Regiomed darf man nicht gefährden", betonte auch Ramelow. Die bestehenden Verträge müssten von den Landkreisen Hildburghausen und Sonneberg entsprechend abgesichert werden, "bevor es zu einer Kreisgebietsveränderung kommt". Schließlich sei es das Ziel der Thüringer Landesregierung, den fränkischen Raum insgesamt zu stärken. Das wiederholte Ramelow so oft, dass man den Eindruck gewinnen konnte, er wolle die Coburger nach Thüringen holen.

Dass die Verflechtungen zwischen Coburg und Südthüringen eng sind, hat Ramelow schon bei anderer Gelegenheit erfahren. 2008 und 2014 half er dem Coburger Kreisverband Der Linken im Wahlkampf. In der Coburger Innenstadt habe er vor allem Thüringer beim Einkaufsbummel getroffen, erinnerte sich Ramelow.

Die Thüringer Gebiets- und Verwaltungsreform ist noch im Werden; sie stößt auf Widerstand, in Sonneberg werden sogar schon Unterschriften für einen Anschluss an Bayern beziehungsweise den Landkreis Coburg gesammelt. "Nur die Hälfte des Landkreises Sonneberg soll ins bayerische Franken!", sagte Ramelow mahnend, der von solchen Ideen nicht viel hält. "Oder soll ganz Franken ein eigenes Bundesland werden?" Die neuen acht Großlandkreise in Thüringen sollen laut Ramelow Kompetenzen erhalten, wie sie in Bayern teilweise die Bezirksregierungen haben. Außerdem soll die Zahl der selbstständigen Gemeinden verkleinert werden - davon gebe es noch über 900.

Die Coburger Kommunalpolitiker hoffen angesichts dieser Überlegungen, dass die gewachsenen Strukturen und Verbindungen in Sachen Tourismus und Klinken erhalten bleiben. Und sie erhoffen bessere Bahnverbindungen nach Thüringen - Tessmers zweites Thema. Denn ob es bei den sechs ICE-Halten pro Werktag bleibt, die Coburg nun ab 2017 versprochen sind, hängt davon ab, wie viele Menschen die Zustiegsmöglichkeit in Coburg nutzen. Die Verbindungen nach Thüringen könnten jedenfalls besser sein, meinte OB Tessmer. Denn außer den drei ICE gibt es keine direkte Verbindung nach Thüringen. Der nächste Halt an der ICE-Strecke ist Erfurt, die früher verhandenen Gleise der Werrabahn von Coburg nach Eisfeld sind längst abgebaut. Übrig geblieben ist nur die Verbindung nach Sonneberg.

"Coburg ist der ICE-Halt für Südthüringen", beteuerte Ramelow sowohl im Rathaus als auch später beim Pressegespräch. "Die Hildburghäuser und ,Sumbarcher‘ müssen hierher kommen. Hier bräuchten wir die Werratalquerung, damit wir Hildburghausen und Eisfeld näher an Coburg rücken." Wo aber eine neue Schienenverbindung zwischen Hildburghausen und Coburg geschaffen werden kann, ließ Ramelow ungesagt. Immerhin, so berichtete er, habe er sich mit Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer schon darüber unterhalten. Allerdings ging es dabei auch um die Wiederbelebung der Höllentalbahn bei Hof. "Ihr Ministerpräsident ist sehr offen", betonte Ramelow. Die entsprechende Investition müssten die beiden Freistaaten gemeinsam verabreden.

Eine Weiterführung des Regionalexpress von Bamberg über Coburg nach Erfurt auf der ICE-Neubaustrecke hält Ramelow für wenig sinnvoll, auch, wenn das die Zahl der Verbindungen zwischen Coburg und Erfurt erhöhen würde. "In Erfurt haben wir schon genug Passagiere" sagte er, als am Abend eine Delegation der SPD-Kreisverbände aus Stadt und Land darum bat, eine "Zugverbindung unterhalb des ICE" in Erwägung zu ziehen. Allerdings wollte er dem Vorschlag nicht von vornherein eine Absage erteilen, sondern versprach, ihn zu prüfen.


Doch auch die historischen Verbindungen zwischen Coburg und Thüringen kamen nicht zu kurz, Stichwort Sachsen-Coburg und Gotha: Ramelow erwähnte den Golfplatz in Oberhof, der unter dem Protektorat des letzten Herzogs Carl Eduard angelegt wurde und der heute nur eine Wiese ist. Es gibt aber Überlegungen, die Anlage wiederherzustellen. "Wenn dann das englische Königshaus zum Golfspielen nach Oberhof kommt, lade ich die Gäste gern nach Coburg ein." Nach Gotha aber auch, wie der Ministerpräsident eilends hinzufüge. "Sonst ist OB Kreuch sauer."
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