Region // Coburg
Sprungbrett für 100 Auszubildende
Das Projekt "Sprungbrett" endet nach vier Jahren. Stoscheks Millionenspende ist aufgebraucht und gut investiert.
Coburg — Sarah strahlt, sie hat seit Dezember dank des Projekts "Sprungbrett - Neue Chancen für Jugendliche" seit Dezember einen Ausbildungsplatz in einer Arztpraxis. Die junge Dame mit dem Realschulabschluss zeigte sich im vergangenen Jahr über ihr Abschlusszeugnis nicht sonderlich glücklich. "Mir war bei der Schulentlassung klar, eigentlich hätte ich bessere Noten für eine Bewerbung präsentieren müssen."
Mit dem "Sprungbrett" hatte Sarah doch noch eine Chance bekommen. "Ich arbeitete während eines Praktikums in der Arztpraxis und es hatte mir dort richtig gut gefallen." Nach Projekt-Ende bewarb sie sich dort und konnte gleich in die Ausbildung einsteigen.
Am Montagnachmittag gab es in der Neustadter Straße 3 einen doppelten Grund zum Abschied feiern. Die 19 Teilnehmer der beiden Jahre (2011/12) wurden aus diesem "Neue Chancen für Jugendliche - Projekt" entlassen. Zum anderen endete jetzt auch das vierjährige Projektangebot für junge Menschen, die nach ihrer Schulzeit auf Anhiebkeinen Ausbildungsplatz bekamen. "Wir haben das Ziel, Jugendlichen ohne Perspektiven eine Chance auf einen Ausbildungsplatz zu geben, fast zu hundert Prozent erreicht", freute sich Unternehmer Michael Stoschek, der das Projekt als Initiator mit einer Million Euro unterstützt hatte. Sein runder Geburtstag vor fünf Jahren gab den Anstoß. Statt einer großen Feier wollte der Unternehmer etwas Sinnvolles tun. Fehlende soziale Projekte in Coburg sollten unterstützt werden und zwar dort, wo Probleme gelöst werden konnten. Stoschecks Mitarbeiter und Sprungbrett-Projektleiter Manfred Seemann erinnerte: "Die prekäre Ausbildungssituation gab den Impuls. Wir hatten die Millionenspende von Michael Stoscheck und zusätzlich 158 000 Euro von 161 Spendern."
"Damals hatte ein großer Teil der jungen Menschen keine Lehrstelle, weil ihre Qualifikation und Persönlichkeitsbildung gering war", sagte Stoscheck. "Dass es uns gelungen ist, in diesen vier Jahren insgesamt 100 junge Menschen zu wirklich starken Persönlichkeiten heranzubilden, das ist eine unglaublich tolle Zahl. Das ist unseren Ausbildern und den 50 Betrieben, die dieses Projekt mit Praktikantenplätzen unterstützt haben, zu verdanken. Und natürlich auch der Einstellung der jungen Menschen in dieser Ausbildung", sagte Stoscheck anerkennend.
Jugendtheater geht weiter
Zwei Drittel der gesamten Summe sei an das Sprungbrett-Projekt gegangen und ein Drittel in ein Förderbudget für viele Aktionen, ließ Seemann wissen. Die bereitgestellten Mittel seien zum größten Teil verbraucht. "Wir haben jedoch noch etwas für vergleichbare Projekte übrig, die Jugendliche bei ihren Qualifikationen unterstützen sollen." Die Förderung von Jugendlichen im Bereich der Theaterpädagogik in Coburg (Kinder- und Jugendtheater) solle weiter unterstützt werden. "Das können wir für nächsten drei Jahre sichern."
Zudem werde "Don Bosco" in Bamberg, der hervorragende Jugendarbeit im öffentlichen Bereich leiste, unterstützt.
Zweiter Bürgermeister Tessmer sagte: "Durch Sprungbrett bereichern immer mehr junge Menschen mit Qualifikationen den Coburger Arbeitsmarkt, die in ihrer Entwicklung einen großen Sprung gemacht haben". Mit einer Abschlusspräsentation zeigten die jungen Leute, was sie in kürzester Zeit mit Theaterpädagogin Michaela auf die Beine gestellt hatten. Mit Stimme und Körperausdruck bewiesen sie Mut, ein wichtiger Faktor im Arbeitsleben.
Mit großem Talent präsentierten die jungen Leute selbstsicher Stationen ihrer Reise "Sprungbrett", das ihnen von Sprüngen nach oben bis hin zum Endspurt verhalf.
"Von 19 Jugendlichen, die das Sprungbrett 2011/12 besuchten, haben zwölf eine verbindlichen Ausbildungsplatz, davon sind sechs bereits in den Betrieben. Drei Jugendliche fassten den Entschluss, weiterführende Schulen zu besuchen und bei drei Jugendlichen stehe die Entscheidung der Betriebe noch aus", informierte Gruppenleiterin und pädagogische Mitarbeiterin Christine Zapf. "Jeder ist über seinen Schatten gesprungen und hat sich in diesen elf Monaten bewegt", lobte Zapf.
Projektleiter Michael Stammberger (Brose) ergänzte: "Wir haben sehr viel erreicht und konnten die Jugendlichen ohne Ausbildung deutlich zurückfahren. Zudem gibt es Ausbildungsunternehmen, die Initiativen während der Berufsausbildungszeit junger Menschen anbieten, sich weiter zu qualifizieren. Auch bei uns im Unternehmen werden junge Leute nachqualifiziert." mvn




















