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Region  // Coburg

Diskussion

Sicherheit im Coburger Steinweg: Tessmer setzt auf "Sipco"

Das fast in Vergessenheit geratene Sicherheitskonzept von 2009 könnte helfen, die Situation im Steinweg zu entschärfen.
Streitpunkt Steinweg; Die einen wollen in den dortigen Kneipen ausgiebig feiern, die anderen würden in diesem Innenstadtbereich gerne in Ruhe wohnen oder ihre Geschäfte betreiben - ohne regelmäßig nächtliche Hinterlassenschaften vor der Tür zu finden. Foto: Christoph Winter
 
Eine Lösungen oder gar ein Patentrezept für die Konflikte zwischen Kneipengängern und Partyvolk im Steinweg und den Anwohnern sowie Einzelhändlern hat es nach zwei Stunden Diskussion nicht gegeben. Dafür bekannte Forderungen: Mehr Polizeistreifen vor allem am Wochenende, eine Verlängerung der Sperrzeit oder einfach ein besseres Benehmen. Die Podiumsdiskussion der Coburger FDP im Hexenturm vor einem vollen Saal zeigte aber auch, dass der Steinweg nicht schlecht geredet werden darf.


"Wichtige Straße für Coburg"

FDP-Kreisvorsitzender Ulrich Herbert bezeichnete den Steinweg "als wichtige Straße für Coburg" mit unterschiedlichsten Nutzungen. Auf der 300 Meter langen Straße wollten junge Menschen in den fast 20 Kneipen und Clubs auch nach 23 Uhr abfeiern. Nicht selten klagten Anwohner über Ruhestörungen, Fäkalien in den Hauseingängen und Auseinandersetzungen.

Sauer aufgestoßen ist Eva Wiesner - sie betreibt mit ihrem Mann das gleichnamige Fotofachgeschäft - die provokante Überschrift der FDP-Veranstaltung: Der Slogan "Steinweg - Partymeile oder NoGo-Area" befördere nur ein schlechtes Image. Selbstverständlich brauche die Stadt auch ein attraktives Nachtleben, aber seit die Sperrzeit 2005 auf die sogenannte Putzstunde zwischen 5 und 6 Uhr verkürzt wurde, sei die gegenseitige Rücksichtnahme auf der Strecke geblieben. "Wir müssen miteinander auskommen", aber nach 2 Uhr sei der Alkohol- und Drogenkonsum immens, mache die Leute aggressiv und hemmungslos. Seit der Sperrzeitverkürzung, so Hans-Peter Wiesner, sei die Sicherheit zurückgegangen. "Ich bin erschüttert, dass das Recht auf Feiern vehement eingefordert, das Recht auf ungestörten Schlaf aber ignoriert wird."


Für eine längere Sperrzeit

Anwohner Jochen Pönisch plädierte für eine Sperrzeit ab 2 Uhr unter der Woche, Freitag und Samstag könnten die Lokale länger geöffnet sein. Für eine Mutter dreier Kinder, die mit ihrer Familie im Oberen Bürglaß wohnt, hat sich die Situation in den letzten Jahren stetig verschlimmert. Das Argument von Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD), man wisse doch bei der Wahl des Wohnortes, dass in diesen Straßen Lokale sind, fand sie "daneben".

"Der Mensch an sich ist die Ursache" - darin waren sich Nicole App und Rico Böhme einig. Die Clubbetreiberin und der Wirte-Sprecher sehen in einer wieder verlängerten Sperrzeit keine Lösung.


Mehr Polizei gefordert

"Unter der Woche ist sowieso um Mitternacht Schluss", so Nicole App. Der Sicherheitsdienst, den die Gastronomie unterhält, dürfe nur in den Lokalen tätig werden, nicht auf der Straße. Mehr Polizei besonders in den Frühstunden am Wochenende ist für beide das probate Mittel. "Die meisten Delikte passieren zwischen 2 und 4 Uhr."

Ein "allgemeines gesellschaftliches Problem im Sich-nicht-Benehmen" sieht Rico Böhme. Rund 100 000 besuchten im Jahr die Kneipen im Steinweg, ein halbes Prozent mache Ärger, relativierte er. Ein weiterer Grund für die Konflikte sei die Maßgabe, dass nach 22 Uhr keine Außengastronomie mehr stattfinden dürfe. "Dann muss alles rein - aber Raucher müssen wieder auf die Straße, und schon ist wieder Lärm und schlimmstenfalls Krawall." In den Lokalen hingegen sei eine Kontrolle gegeben. Das bestätigte ein Wirt: "Ich lass' die Leute am späten Abend drinnen rauchen, seitdem gibt es keine Beschwerden."

Eine Videoüberwachung ist für den FDP-Bundestagskandidaten Alexander Arnold keine Lösung. Er favorisiert ebenfalls mehr Polizeipräsenz, wies aber auf die Personalprobleme bei der Polizei hin. Der junge Mann hat sich nach eigenen Worten "noch nie im Steinweg bedroht oder unsicher gefühlt". Coburg, da war er sich mit vielen Zuhörern und OB Tessmer einig, brauche für jungen Menschen ein attraktives Nachtleben.

Tessmer setzt auf den Dialog mit allen Beteiligten. Eine Gesprächsrunde soll in den nächsten Tagen stattfinden. Außerdem will er das in Vergessenheit geratene Sicherheitskonzept "Sipco" wieder zum Leben erwecken. "Sipco" steht für "Sicherheit - Prävention - Coburg" und war im Frühjahr 2009 von Stadt, Staatsanwaltschaft und Gastronomen erarbeitet worden. Das Konzept beinhaltet häufigere Polizeistreifen am Wochenende, aber auch das Mitwirken der Gastwirte, damit die Lage nicht eskaliert. Tessmer sagte zudem: "Klar ist aber, wer sich daneben benimmt, hat in Coburg nichts zu suchen!"

zum Thema "Coburger Steinweg"

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