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Geschäftsaufgabe

Rödental verliert sein traditionelles Schuhhaus

Mit dem Schuhhaus Oeckler in Oeslau verschwindet ein weiteres alteingesessenes Schuhgeschäft in der Region.
Monika Gehrlicher-Oeckler (links) und Carmen Weiland bereiten sich auf den Räumungsverkauf vor. Foto: Rainer Lutz
 
von RAINER LUTZ
Es war 1952, als Werner und Hertha Oeckler ihr Schuhgeschäft in Oeslau gründeten. 1996 übernahm ihre Tochter Monika Gehrlicher-Oeckler den Betrieb. Im kommenden Jahr wollte sie den Laden in der Straße Am Steinbruch an ihre Tochter Carmen Weiland übergeben. Jetzt kommt es anders. Ende des Jahres ist bei Oeckler Schluss.
Stammkunden, und das sind nicht wenige, werden es nicht glauben können. Doch Monika Gehrlicher-Oeckler schüttelt den Kopf: "Wir hätten so gern noch weiter gemacht." Doch in den vergangenen drei Jahren hat die Rentabilität des alteingesessenen Schuhhauses immer mehr nachgelassen. Vor drei Jahren noch sah die Bilanz bestens aus. Das Urteil der Rechnungsprüfung lautete klar, das Geschäft sei "pumperl gsund", erinnert sich Carmen Weiland, die auch die Bücher führt.


Kein Sommer, kein Winter

Und dann? Internethandel? Konkurrenz großer Ketten? Eher nicht. "Ein Hauptgrund war das Wetter", sagt Monika Gehrlicher-Oeckler. Winter, die sich bis Weihnachten nicht sehen ließen, Sommer, die erst so richtig beginnen wollten, wenn sie schon beinahe um waren. "Der Sommer 2016, das waren ein paar schöne Tage im September", sagt die Chefin. Im August wird die Winterkollektion geliefert, und da muss sie auch bezahlt werden. Wer aber bis Weihnachten keine Winterschuhe gebraucht hat, der kauft im Januar und Februar eben meist auch keine mehr. Und wenn das Schmuddelwetter, wie heuer, bis Ende April dauert, ist es auch schwer, die Sommerkollektion an den Kunden zu bringen.
Die Folge war, dass Absätze praktisch nur noch mit Rabattaktionen zu erzielen waren. "Am verkaufsoffenen Sonntag hatten wir volles Haus", schwärmt Carmen Weiland. Doch Einzelaktionen und Preisnachlässe allein führen eben nicht in die Rentabilität. Es war keine leichte Entscheidung, betont Monika Gehrlicher Oeckler. "Schuhe waren mein Leben", sagt sie. Das gilt auch für die Tochter. Als Kind schon war Carmen Weiland ständig im Laden, ist quasi mit Schuhen aufgewachsen. Doch im kommenden Jahr das Geschäft zu übernehmen, wenn die Prognose des Steuerberaters nur noch ernüchternd ist? Das hätte wenig Sinn gehabt.


Noch einmal über Rabatte

So werden jetzt am Donnerstag, wenn der Laden um 9 Uhr öffnet, die Plakate ausgehängt, die auf den Räumungsverkauf hinweisen. Rabatte von 20 bis 70 Prozent, wird darauf stehen. Wieder sind es die Rabatte, die Kunden in den Laden bringen sollen. Bis Ende des Jahres sollen Winter- und Sommerkollektion von Kindergrößen bis zum Seniorenmodell so weit als möglich abverkauft werden. Eine gewaltige Aufgabe. Das Haus steckt praktisch voller Schuhe bis unter das Dach.
Das Schuhhaus Oeckler ist kein Einzelfall. Monika Gehrlicher-Oeckler zeigt Artikel aus einer Fachzeitschrift des Schuhhandels. Die Branche hat flächendeckend mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen, steht da. Und auch hier wird das Wetter als wichtiger Faktor bezeichnet. In Coburg haben schon einige traditionsreiche Familienbetriebe im Schuhfachhandel geschlossen. Schönfelder schloss vor einigen Jahren, Heyder hat ebenfalls vor kurzem mit dem Räumungsverkauf begonnen. Große Ketten klagen über Ergebnisrückgänge.
Was Kunden von Oeckler vor allem vermissen werden, das ist das Komplettangebot aus Service und Beratung, das eben einen Laden wie diesen ausmachte. "Wir haben Kunden aus dem ganzen Coburger Landkreis und bis nach Hildburghausen und Neuhaus am Rennweg", sagt Monika Gehrlicher-Oeckler stolz. Mancher nimmt eben gern ein paar Kilometer Anfahrt in Kauf, wenn er weiß, dass er dafür eine umfassende Beratung bekommt. "Wenn jemand nicht mehr so kann, dann ziehen wir ihm auch mal einen Schuh zum Probieren an", erklärt Carmen Weiland, die, wie die einzige Angestellte des Hauses, schon seit 23 Jahren im Laden steht. Auch dieser Angestellten kündigen zu müssen, sei ihr alles andere als leicht gefallen, betont die Senior-Chefin
Einem Laden, dessen besonderer Charme seit Jahrzehnten viele Kunden anzieht. Im Regal findet sich immer nur ein Schuh eines Paares. Der andere ist im Lager - irgendwo im Haus. Wo, das wissen die erfahrenen Verkäuferinnen. "Eine neue Kraft hätte sich schwer getan, bei uns einzusteigen", sagt Carmen Weiland und lacht. Doch selbst dabei ist ihr anzumerken, dass es ihr wehmütig ums Herz ist. Doch die Entscheidung ist gefallen. Dieses wird das letzte von 65 Geschäftsjahren sein, in denen das Schuhhaus Oeckler für seine Kunden geöffnet hat.
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