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Region  // Coburg

Gericht

Opfer des Neustadters ist bis zum heutigen Tag gepeinigt

Ein 29-jähriger Neustadter wurde wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung verurteilt.
Coburger Justizgebäude Foto: Jochen Berger
 
von KATJA NAUER
Der Mann hatte seine Lebensgefährtin mehrfach geschlagen und unter Druck gesetzt. Die Frau leidet noch heute unter den Taten. Deshalb erhielt der Mann auch ein Kontaktverbot.

Der Anwalt der Geschädigten, die als Nebenklägerin auftrat, beantragte, seine Mandantin unter Ausschluss des 29-Jährigen aussagen zu lassen. "Sie hat Angst vor ihm", sagte er. Der Neustadter habe gedroht, Aktfotos von ihr ins Internet zu stellen und ihren Eltern zu präsentieren. Der Verteidiger des Neustadters, Martin Jensch, sah damit jedoch die Rechte seines Mandanten auf eine umfassende Verteidigung beschnitten. "Ich sehe kein Gefährdungspotenzial", erklärte er.


Aussage unter Tränen

Richterin Melanie Krapf sah das ähnlich und erklärte der Zeugin das Prozedere: "Nach der Strafprozessordnung hat der Angeklagte ein Anhörungs- und Fragerecht." Nach einigem Zögern sagte die junge Frau zu, trotz Anwesenheit ihres ehemaligen Lebensgefährten auszusagen, und hielt das schließlich - wenn auch unter vielen Tränen - durch. Er habe gedroht, sie zu verletzen und umzubringen, erklärte sie weinend. Dem 29-jährigen Neustadter warf die Staatsanwaltschaft vorsätzliche und gefährliche Körperverletzung sowie versuchte sexuelle Nötigung vor. Der Mann soll seine ehemalige Lebensgefährtin in einem Zeitraum zwischen Juli und November 2016 mehrfach mit der flachen Hand und seinen Fäusten - einmal auch mit einer Bierflasche - geschlagen und sie in einem Fall auch zum Sex aufgefordert haben.

Im Oktober 2016 habe er die junge Frau bei einem Streit an ihren Beinen festgehalten und sie auf den Boden fallen gelassen. Dabei erlitt die Frau Schürfwunden am Kopf und brach sich den linken Ringfinger. Bei einer weiteren Auseinandersetzung auf dem Marktplatz in Neustadt kamen der Geschädigten zwei junge Männer zu Hilfe, die als Zeugen aussagten. Die Taten sollen unter Alkoholeinfluss geschehen sein. "Ich habe gesehen, wie er seine Freundin richtig intensiv geschubst hat vor Wut", sagte ein Zeuge, der bei dem Schlichtungsversuch vom Angeklagten geohrfeigt wurde und dabei eine Platzwunde an der Lippe davontrug. "Das Geschrei der Auseinandersetzung hat man auf dem ganzen Markt gehört."


Mehrere Suizidversuche

Die Zeugin, die nach eigener Aussage an einer Borderline-Störung leidet und Suizidversuche hinter sich hat, trägt noch heute an den Folgen der Taten. Auf dem Handy zeigte sie den Richtern am Amtsgericht ihre Verletzungen: blaue Flecken auf Oberarmen, Beinen, dem Auge. "Er hat mich oft beleidigt und mir eingeredet, dass ich nichts wert bin", sagte sie aus. Ihre Strafanzeige gegen ihn habe sie dennoch zurückgezogen. Der Grund: Sie sei ihm hörig gewesen. Der Angeklagte räumte ein, ein Alkoholproblem gehabt zu haben, jetzt jedoch clean zu sein. Im Detail wollte er sich nicht zu den Anklagepunkten äußern: "In der Beziehung gab es ein paar unschöne Dinge von Beginn an", erklärte er. "Ich sage nicht, dass ich unschuldig bin, aber es gehören aber auch immer zwei dazu bei einer Trennung. Auch ich habe ein Smartphone, auch ich habe Bilder."

In seinem Plädoyer ging Oberstaatsanwalt Martin Dippold auf die Beziehung ein, die sehr streitintensiv gewesen sei, "vor allem, wenn der Angeklagte angetrunken war". Die sexuelle Nötigung lasse sich allerdings nicht nachweisen, sagte er. "Die Aufforderung zum Geschlechtsverkehr war wohl eher als typische Beleidigung des Angeklagten aufzufassen." Der Anwalt des Angeklagten sprach ebenfalls von einer Beziehung, die von gegenseitiger Gewalt geprägt gewesen sei. "Auf Rücksicht auf die Zeugin hat mein Mandant davon abgesehen, alle Details zu schildern." Er bat das Gericht dies entsprechend zu würdigen.

Martin Dippold forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr, ausgesetzt zur Bewährung, außerdem ein Kontaktverbot, zudem ein Verbot, Bilder der Zeugin an Dritte weiterzugeben. Außerdem forderte er, die Verrichtung von 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit anzuordnen. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Melanie Krapf folgte dem Antrag und verurteilte den Angeklagten wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung. Außerdem hat der 29-Jährige die Kosten des Verfahrens tragen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
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