Fussball-Landesliga Nordwest

Mosert sorgt für die Wende und Puff für den Höhepunkt in der Nachspielzeit

Der FC Coburg trotze in der Landesliga Nordwest dem torhungrigen Spitzenreiter SpVgg Jahn Forchheim ein leistungsgerechtes Unentschieden ab.
Daniel Puff (rechts) krönte die herausragende Leistung, die der FC Coburg im zweiten Durchgang gegen Landesliga-Spitzenreiter Jahn Forchheim zeigte. Am Ende stand es 3:3. Foto: Hans Haberzettl
 
Dabei hatten die 220 Zuschauer im Dr.-Stocke-Stadion in der 53. Minute kaum noch einen Pfifferling auf die Hausherren gegeben, als die bis dahin abgezockt und extrem ballsicher wirkenden Forchheimer ihre frühe Führung auf 0:2 ausbauten. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse.
Die Schützlinge von Matthias Christl begegneten dem Titelaspiranten mit offenem Visier und schafften es, dessen Grundordnung nach und nach ins Wanken zu bringen. Coach Christl besaß mit der Einwechslung von Goalgetter Daniel Sam, der nach seiner Fußverletzung wieder in Tritt zu kommen scheint sowie der Youngster Daniel Puff und Niklas Ehrlich ein goldenes Händchen. Auch an taktischen Umstellungen seitens der Hausherren hatten die vielleicht zu siegessicheren Jahn-Kicker zu knabbern. So machte der aus dem zentralen Mittelfeld auf die rechte Außenbahn beorderte Lukas Mosert mächtig Dampf und Carl-Philipp Schiebel fühlte sich auf der Zehner-Position sichtlich wohler als vorher in der Sturmmitte. Deshalb wurde eine beispielgebende Aufholjagd in der Nachspielzeit noch mit einem Punktgewinn belohnt.
Ein Wermutstropfen bleibt den Vestestädtern dennoch. In der 80. Minute ließ sich Schiebel nach einer Provokation eines Gegenspielers zu einer Handgreiflichkeit hinreißen, was der in unmittelbarer Nähe stehende Schiedsrichter Sebastian Weber sofort mit einer roten Karte ahndete. Erstaunlich war, dass die Truppe um Kapitän Eric Heinze diese nominelle Schwächung wegsteckte, als sei nichts geschehen und anschließend einen regelrechten Angriffswirbel entfachte. Das enthusiastisch gefeierte Remis fühlte sich letztlich wie ein Sieg an und sollte für die kommenden Prüfungen Auftrieb geben.
Der Bayernligaabsteiger fand schneller in die Partie. Vor allem die trickreichen, aber auch mit dem Blick für gut postierte Mitspieler ausgestatteten Mittelfeldstrategen Maximilian Göbhardt und Thomas Roas erwiesen sich als ständige Unruheherde. Nach einer klasse Ballstafette über sechs Stationen schickte Regisseur Andi Mönius Patrick Titzmann auf die Reise, der sofort abzog. FC-Keeper Daniel Shabestari roch den Braten und parierte glänzend. Ständige Positionswechsel der Gäste sorgten weiter für Gefahr. Als Sven Wieczorek scharf an den Torraum flankte, landete eine unpräzise Kopfballabwehr genau im Lauf von Göbhardt (25.), der unhaltbar zum 0:1 traf. In der Folgezeit machte die SpVgg die Räume eng und hatte das Geschehen bis zur Pause weitgehend im Griff.
In der 47. Minute verzeichnete der FCC seine erste dicke Chance. Nach einer Balleroberung und einem Zusammenspiel mit Fabian Carl scheiterte Schiebel knapp. Das unerwartete 0:2 trieb Matthias Christl die Zornesröte ins Gesicht. Zu leichtfertig legte Steffen Müller den Ball in den Lauf von Mönius (53.), der mit perfekter Schusstechnik aus 17 Metern zum 0:2 einnetzte. "Wehrt euch endlich", wetterte der Heim-Coach. Das geschah.
Für die Wende zeichnete sich Führungsspieler Mosert hauptverantwortlich. Zuerst steuerte er von rechts auf das Strafraumeck zu und hämmerte das Leder von dort zum 1:2 unter die Querlatte (65.) Die Vorarbeit zum Ausgleich leistete Heinze mit einem Traumpass aus der eigenen Hälfte exakt in den Lauf von "Mosi". Sein Geschoss zum 2:2 war eine Kopie seines vorherigen Treffers.
Doch die Forchheimer Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Einen Kunstschuss von Mönius fast von der Torauslinie fischte Shabestari noch aus dem Winkel des langen Ecks. Doch niemand fühlte sich für Dominik Zametzer (72.) verantwortlich, der zum 2:3 abstaubte.
Coburg stürmte nun mit Mann und Maus, rannte aber nicht planlos an. Erstaunlicher Weise häuften sich nach dem Ausscheiden Schiebels in der 80. Minute glasklare Möglichkeiten fast im Minutentakt. Sam verfehlte mehrmals sein Ziel nur knapp. Jahn-Keeper Alexander Schulz bewahrte seine Farben mit einem tollen Reflex gegen den auf ihn zu preschenden Ehrlich (90.). In der Nachspielzeit nahm Puff die Kugel nach einer gut getimten Eingabe von rechts trotz Bedrängnis mit der Brust an, ließ sie abtropfen und versenkte sie in Gerd Müller-Manier zum 3:3 in den Maschen.

FC Coburg: Shabestari - Scheler, Hahn, Köhn (ab 86. Ehrlich), Westhäuser, Schneider, Krebs (ab 86. Puff), Heinze, Mosert, Carl (ab 55. Sam), Schiebel.
SpVgg Jahn Forchheim: Schulz - Wieczorek, Mai, Gumbrecht, Schäferlein, Müller (ab 58. Zametzer), Bauernschmitt, Göbhardt, Mönius (ab 78. Selmani), Roas, Titzmann (ab 46. Burkel).
Schiedsrichter: Sebastian Wieber (Ramsthal).
Zuschauer: 220.
Tore: 0:1 Göbhardt (25.), 0:2 Mönius (53.), 1:2 Mosert (65.), 2:2 Mosert (68.), 2:3 Zametzer (72.), 3:3 Puff (90. + 3).
Gelbe Karten: Sam / Gumbrecht, Schäferlein.
Rote Karte: Schiebel (80.).


Stimmen zum Spiel

Trainer Matthias Christl (FC Coburg): Unsere Moral passt. Wir haben gegen einen sehr starken Widersacher einen 0:2 und 2:3-Rückstand noch umgebogen. In der ersten Halbzeit versteckten wir uns ein wenig wie das Kaninchen vor der Schlange, agierten nicht aggressiv genug und kamen deshalb nicht in die Zweikämpfe. Das haben wir in der Halbzeit intensiv besprochen und meine Mannschaft zeigte danach postwendend Charakter. Leider wurde ein individueller Fehler mit dem 0:2 bestraft. Wir haben weiter an uns geglaubt und das Ding noch umgebogen. In der Schlussphase besaßen wir viele Großchancen.
Trainer Michael Hutzler (SpVgg Jahn Forchheim): Es ist ärgerlich, dass wir nach unserem frühen 1:0 und dessen Ausbau zum 2:0 den anvisierten Dreierpack nicht heimgefahren haben. Der Punktgewinn für Coburg war letztlich verdient, weil wir uns in der Schlussphase fahrlässig verhalten haben. Gegen zehn Mann sind wir arrogant und überheblich aufgetreten. Die Gastgeber hatten am Ende sehr viel Biss und wollten mehr als wir. Da nutzt es auch nichts, wenn man fußballerisch besser ist und mehr Ballbesitz verzeichnet. In den Schlussminuten waren wir zu offensiv. So etwas darf nicht passieren.
Hans Haberzettl

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