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Infoveranstaltung

Lebhafte Diskussion um den Windpark auch ohne Gutachter

In der Domänenhalle ging es um den Windparkbetrieb auf dem Kraiberg.
Aufmerksam lauschen(von links) Lisa Badum, Dieter Pillmann, Landrat Michael Busch und Bürgermeister Michael Keilich den grundsätzlichen Ausführungen von Thomas Feulner (stehend). Fotos: Klaus Oelzner
 
von KLAUS OELZNER
Die Ankündigung "Mit vor Ort ist ein Fachmann für Aussagen zu den Lärmemmisionen" wurde zur Farce. Vor den interessierten Bürgern musste Landrat Michael Busch (SPD) die abendliche Informationsveranstaltung in der Domänenhalle mit einem Paukenschlag eröffnen. Der hoch dotierte Gutachter aus Grevenbroich ließ die Landkreisverwaltung am Veranstaltungstag auf elektronischem Weg wissen, dass er "aus gesundheitlichen Gründen" die erwarteten detaillierten Informationen zum Themenkreis Windparkbetrieb auf dem Kraiberg schuldig bleiben müsse.


Rund 100 Besucher

"Wir standen vor der Wahl, die unter dem Motto ,Auf ein Bier mit dem Landrat' stehende Veranstaltungsreihe abzusagen oder ohne den verpflichteten Gutachter trotzdem durchzuführen", erläuterte der Landkreischef eingangs die sichtlich peinliche Situation. Dass er mit seinem Mitarbeiterstab die richtige Entscheidung getroffen hatte, bestätigte die starke Resonanz in der voll besetzten Halle. Denn sicherlich war für rund 100 Besucher mit Wohnorten rund um den Kraiberg, darunter Sonnefelds Bürgermeister Michael Keilich (CSU) und Neustadts zweite Bürgermeisterin Elke Protzmann (CSU), nicht das angekündigte Freigetränk die Motivation.


Angst nehmen

Vielmehr erwarteten sie im Rahmen der angekündigten Diskussionsrunde nach Betriebsaufnahme des fünfteiligen Windparks durch das Unternehmen Naturstrom (Sitz Forchheim) Antworten auf den Tag für Tag drängenderen Fragenkomplex Lärm. "Wir wollen aufzeigen, was möglich wäre; den Anliegern die Angst vor weiteren negativen Folgen der grundsätzlich unbestreitbaren Lärmemissionen nehmen", unterstrich Landrat Busch, der sich inzwischen einen hörbaren Eindruck verschafft hatte. "Ich habe selbst gelauscht. An diesem Tag war es nicht so laut" versicherte Busch, der gleichzeitig "hohes Verständnis für Anliegerbeschwerden" bekundete; obwohl er sich nach eigener Aussage in seinem Wohnort inzwischen mit ständigem Autobahnlärmpegel arrangieren müsse.


31-seitige Genehmigung

Zuvor war Thomas Feulner (Landratsamt) in seinem Statement auf den (im Amt jederzeit einsehbaren) 31-seitigen Genehmigungsbescheid samt Auflagen und technischen Bestimmungen für das Windparkprojekt in den Flurbereichen Sonnefeld und Neustadt eingegangen. "Wir wollen alternative Energieerzeugung zulassen. Unsere Bürger dürfen darunter aber nicht leiden", resümierte der Landrat. Der Betreiberfirma wurde deshalb ans Herz gelegt, Beschwerden objektiv zu beleuchten und - wo möglich - gemessene Betriebsgeräusche durch technische Nachrüstung zu minimieren. An Messverfahren, Lärmgrenzen, Auswertungsmodus und Ergebnisdiskussion entzündete sich schließlich das mehr als einstündige Frage- und Antwortspiel, für das Busch als Moderator persönlich das Saalmikrofon zu den Diskussionsteilnehmern expedierte. Als in vergleichbaren gängigen Verfahren nicht beeinflussbare Größen fließen unter anderem Windrichtung und Standort, Tag- oder Nachtbetrieb, Entfernung von der Lärmquelle, Fremdgeräusche sowie sogar Geräuschentwicklung bei Stillstand der Flügel ein.
Gerichtsverwertbare Ergebnisse erwarte man sich vom bei der Firma Windtest (Grevenbroich) in Auftrag gegebenen Messprojekt. Ob 25, 30, 36, 40, 45 Dezibel bzw. noch andere Werte für die Betroffenen auf Dauer als zumutbar zu beurteilen und angesichts der Gesetzeslage hingenommen werden müssen, blieb mangels belastbarer Messergebnisse ohne konkrete Aussage. Nachdem für die vom 18. bis 20. September iniziierte Mess-Serie bislang keine greifbaren Fakten vorliegen, konnten zur Abhilfe notwendige Maßnahmen nicht vorgeschlagen werden. Für eine möglicherweise aus dem Landkreisetat zu finanzierende weitere Langzeitaktion ("da wird schnell ein fünfstelliger Betrag fällig") sah sich Landrat Busch mit den in Sonnefeld anwesenden Kreisräten in einem Boot. Der dafür ins Gespräch gebrachte Dreijahreszeitraum wurde allerdings kopfschüttelnd quittiert.


Sorge um Gesundheit

Selbst wenn es sich um nicht repräsentative Auffälligkeitsmesswerte handelte: In den Wortmeldungen kamen vielfach Sorgen um negative gesundheitliche Auswirkungen bis hin zu bedrohter Nachtruhe zum Ausdruck. Und das nicht nur in unmittelbarer Nähe der Windanlagen wie Oberwasungen, Bieberbach und Zedersdorf wahrnehmbar, sondern auch in den Neustadter Wasungen-Stadtteilen bis nach Hassenberg und Fürth am Berg. Karl Heinz Kessel lud den Landrat zum Grillfest mit Lärmtest auf seinen Bieberbacher Balkon ein.
Trotz Aufklärungsveranstaltungen des Betreibers, öffentlicher Führungen über die Baustelle und Besichtigungsterminen in den Windradmasten fühlen sich viele Betroffene "überrumpelt", brachte Matthias Engel (Mittelwasungen) die laxe Informationspolitik im Vorfeld in scharfen Worten auf den Punkt. Engel erinnert sich an Gespräche mit nicht hinnehmbaren Angeboten ("Naturstrom wollte mich kaufen").
Im Interesse seiner Familie zeigte er sich nicht bereit, die keinesfalls nur den Schlaf beeinträchtigende Schallemission hinzunehmen. An das ohne großen Widerstand gelaufene Genehmigungsverfahren erinnerte Daniela Mehringer (Oberwasungen), was Landrat Busch mit nur geringen Möglichkeiten der Beeinflussung im Rahmen der baurechlichen Genehmigung durch das Landratsamt konterte. "Wir haben richtig entschieden. Wir haben keine Fehler gemacht" ergänzte er. Mit Unterstützung des Geschäftsführers Peter Stroer verwies die für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Lisa Badum auf die politisch gewollte Energiewende und zur Zeit für die Kraiberganlage nicht vorgesehene Leistungsdrosselung. Die nur an einem Tag laienhaft gemessene Geräuschentwicklung kritisierte Bernd Bamberger, der die kürzeste Entfernung zwischen seinem Oberwasunger Wohnhaus und Windradpark konstatiert. Selbst wenn sich kein Windrad dreht ist in der Nacht ein Dauerton zu vernehmen wusste Markus Angermüller (Bieberbach) zu kritisieren. Mit seinem Vorschlag Nachbesserungsmöglichkieiten zu suchen und schnellstmöglich zu realisieren sprach er vielen Anwesenden aus dem Herzen. Das griff Moderator Landrat Busch in seinem Schlusswort auf, indem er Verständnis für den Sorgenkatalog signalisierte, auf die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben verwies und versprach, sich für Antworten auf offene Fragen einzusetzen.
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