Fahrplan

Lange Wartezeiten, hohe Kosten

Im Landratsamt arbeiten die ÖPNV-Mitarbeiter mit Hochdruck an Verbesserungen.
Der neue Fahrplan muss sich erst noch einspielen. Die Verantwortlichen arbeiten mit Nachdruck an Verbesserungen und fordern Eltern und Bürgermeister auf, Probleme direkt zu melden. Foto: Nelly Ritz
 
von CHRISTIANE LEHMANN
Busse, die vor der Nase weg fahren. Busfahrer, die die Kinder stehen lassen, weil der Bus voll ist. Busse, die zu spät kommen und Kinder, die den Unterrichtsbeginn verpassen. Busse, die so früh losfahren, dass die Schüler in Coburg vor verschlossenen Türen stehen...
Von Startschwierigkeiten und Unmut schrieb Dieter Pillmann von der Pressestelle des Landratsamtes vergangene Woche über die Einführung und Änderungen im Nahverkehr. Seit dem 1. September hat der Landkreis den Betrieb des ÖPNV in Eigenregie übernommen. Mittlerweile laufen die Eltern, Bürgermeister und Rektoren der weiterführenden Schulen in Coburg Sturm. Im Stadtrat von Seßlach und von Bad Rodach stand das Thema Schülerbeförderung diese Woche auf der Tagesordnung, es wurde heiß diskutiert und nach Lösungen gesucht.
Wie ist die Stimmung um die Mittagszeit am zentralen Busbahnhof aus? Wie beurteilen die Schüler die Situation?
"Eine Katastrophe! Aber zugegebenermaßen: Vorher war es noch katastrophaler", sagen Neuntklässlerinnen aus Neukirchen, immerhin noch lachend. Aber viele der Freunde hätten schon von Problemen berichtet. Besonders, wenn man - wie heute - eher aus hat, gäbe es keine Chance, nach Hause zu kommen, berichten sie. Dies bestätigt auch eine Gruppe Jungs, die gerade vom Unterricht an der Realschule kommen. "Heute war Feueralarm, deswegen durften wir schon gehen. Aber da der Bus um 12.20 Uhr nicht mehr fährt, müssen wir auf den nächsten - eineinhalb Stunden später - warten", erzählen die Großheirather.
Anscheinend sei ein Rufbus für den Vormittag nicht vorgesehen. "Da war die Situation letztes Jahr besser", resümieren die Achtklässler. Überall sitzen Schüler und warten, einige Busse fahren vorbei - es scheinen die falschen gewesen zu sein. Nach Gossenberg fahre planmäßig nur noch ein Bus um 13.15 Uhr, alles andere seien Rufbusse, erklären Mädchen aus der neunten und zehnten Klasse von der COII. "Und überfüllt sind sie auch des Öfteren, besonders früh, weil der Bus alle Dörfer abfährt", sagen sie. Zumindest fünf Jungs aus Lautertal und Dörfles-Esbach zeigen sich zufrieden: "Der neue Fahrplan ist super", findet einer der Fünftklässler. "Ich habe auch keine Probleme, und da kommt mein Bus auch schon", ruft ein anderer freudig und eilt zur entsprechenden Haltestelle.


"Wir arbeiten mit Hochdruck"

Am Donnerstag meldete sich Landrat Michael Busch aus dem Urlaub im Amt und forderte schnellstmögliche Bearbeitung der Probleme. Im Kreisausschuss am Nachmittag nahm sein Stellvertreter Rainer Mattern dazu Stellung: "Wir haben die Probleme erkannt und arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung beziehungsweise einer Verbesserung der Situation." Mattern zeigte Verständnis für den Ärger der Bürger, betonte jedoch auch, dass die Umstellung des Fahrplans nicht aus Jux und Tollerei passiert sei, sondern der Landkreis wettbewerbsrechtlich gezwungen gewesen sei, den ÖPNV neu auszuschreiben. Anders als angenommen seien die Kosten für den Landkreis dadurch auch nicht gesenkt worden - ganz im Gegenteil: "Wir zahlen jetzt das Drei- bis Vierfache!" Fahrplan- und Betreiberwechsel zum Schuljahresanfang hätten die Probleme in diesem Jahr potenziert. Mattern forderte Eltern und Bürgermeister auf, Schwierigkeiten und Probleme direkt ans Landratsamt zu melden, damit die zuständigen Mitarbeiter reagieren können.
Tobias Ehrlicher, Bürgermeister aus Bad Rodach machte auf die schwierige Kostensituation für die Eltern aufmerksam, die das Fahrgeld auslegen sollen. Problematisch sei auch, dass Unterschiede zwischen Schülern der offenen und gebundenen Ganztagsschule gemacht werden. Im Hinblick auf die umstrittene Route über Schlettach versprach er, dass eine Lösung gefunden werde.
Auf die Frage, ob es denn Absprachen mit den Schulen im Vorfeld gegeben habe, meinte Marita Nehring, ÖPNV-Beauftragte für Stadt und Landkreis: "Wenn wir die Fahrpläne mit allen Schulen abstimmen würden, hätte jede Schule ihren eigenen!" Man habe bei der Planung darauf geachtet, die Busse an den Schulschluss nach der 6., 8. und 10. Stunde anzupassen. Allerdings enden die 8. und 10. Stunden sehr unterschiedlich - je nach Schule. Das mache es sehr schwierig und es entstünden Wartezeiten von bis zu zwei Stunden, bedauerte Nehring. Sie versicherte, dass daran gearbeitet werde.


Gespräche mit den Busfahrern

Der Seßlacher Bürgermeister Martin Mittag schätzte die Situation als "akut" ein. Es gebe bereits Klassenbucheintragungen und Lehrer, die die Kinder rügen, weil sie zu spät kommen - obwohl diese gar nichts dafür könnten.
Mattern betonte, dass man bereits mit den Subunternehmern gesprochen habe - "denken Sie nicht, dass wir die mit Glaceehandschuhen anfassen" - denn die Busfahrer hätten sich bisher nicht immer an die Anweisungen gehalten.
Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan regte an, die tatsächliche Nutzung der Rufbusse zu hinterfragen. "Wo läuft's und wo läuft's nicht? Wenn wir das wissen, können wir gezielt Werbung dafür machen." Mattern will in der nächsten ÖPNV-Sitzung den Punkt auf die Tagesordnung nehmen.

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