Coburg
Vor der Premiere

Landestheater zieht auf des toten Manns Kiste

Alle Mann an die Piratensegel! Im Landestheater Coburg weht der heulende E-Gitarren-Wind in Richtung "Schatzinsel".
Artikel einbetten Artikel drucken
Piraten ergreifen am Landestheater Coburg die Macht.  Fotos: Landestheater
Piraten ergreifen am Landestheater Coburg die Macht. Fotos: Landestheater
+5 Bilder
Es wird gefochten, geflucht, gefeiert, gesoffen und gestorben. Bald weht die Piraten-Flagge über dem Landestheater Coburg. Schauspieldirektor Matthias Straub bringt zum Saisonauftakt "Die Schatzinsel" als Rockmusical zur Uraufführung. Roland Fister als musikalischer Leiter hat arrangiert, was das Zeug hergibt, Irish Folk und Rock querdurch. Her mit dem "Whisky in the Jar"! Ein Krug Whisky auf die neue Spielzeit.

Hinter den aufwendigen Kulissen scheint es nach den Aufregungen der letzten Saison - ungeklärte, drängende Interimsfrage für die Zeit der Generalsanierung, überraschender Wechsel von Intendant Bodo Busse nach Saarbrücken - dagegen allmählich wieder in ruhigere Fahrwasser zu gehen, auch wenn noch immer wichtige Entscheidungen ausstehen. Doch dazu später.

Robert Louis Stevensons Roman, in Buchform 1883 veröffentlicht, war der Inbegriff des Piratenabenteuers, vor allem auch durch die über 20 Verfilmungen. Erst als Johnny Depp 2003 als "Pirat of the Caribbean" in unglaublich stoischer Selbstüberhebung dem Meere entstieg und die Neugeburt des Piratenfilms einleitete, wurde das Abenteuer des jungen Jim Hawkins in den Fantasien der nachstürmenden Generationen in den Hintergrund gedrängt.

Weil es in Stevensons Roman aber so hochdramatisch um das Erwachsenwerden, quasi um die Menschwerdung des 17-jährigen Jim Hawkins in der Auseinandersetzung mit einer Reihe von differenziert erfassten Persönlichkeiten, guten wie schlechten, geht, hat die Vorlage nichts an ihrer literarischen Eindringlichkeit verloren. Weshalb Matthias Straub daraus einen Bühnentext extrahiert hat. "Die Schatzinsel" in der musikalischen Bühnenfassung von Roland Fister soll in der Nachfolge von Straubs Erfolgsproduktionen "Tombstone" und "Kohlhiesels Töchter" ein Quotenbringer der Saison werden. Zielgruppe: Menschen von 5 bis 95. Und, ja, ganz selbstbewusst: "Wir setzen den Schwerpunkt auf die Komödie", grinst Straub erwartungsvoll. "Klamauk darf sein."


Smoke on the Water

An dem fechten jetzt in den Endproben Benny Hübner als Jim Hawkins, Thorsten Köhler als Dr. Livesey, Niklaus Scheibli als Mr. Trelawney und Ingo Paulick als Kapitän Smollet. Sie kommen zu spät dahinter, dass sie mit der "Hispaniola", dem einbeinigen Schiffskoch Long John Silver (Nils Liebscher) und dem größten Teil der Mannschaft eben das mörderische Piraten-Komplott von Captain Flint engagiert haben für ihre Suche nach dem Schatz des toten Flint. Auf der Schatzinsel kommt es zum Kampf. Der wütende Alte Billy Bones, der die Geschichte ins Rollen bringt, wird übrigens von Stefan Mertl gespielt.

Weil heutzutage ein bisschen Liebe sein muss, hat Matthias Straub zudem ein als Schiffsjunge verkleidetes Mädel untergejubelt, Maja Lehrer als Jessica Sparrow.

Bühnenbildner Till Kuhnert hatte die dankbare Aufgabe, einen englischen Pub, einen Hafen, einen Zweimaster und die Schatzinsel auf die in ihren faktischen Dimensionen durchaus beschränkten Bühne des Landestheaters zu bringen: "Da ist unsere Technik mal wieder bis zum Anschlag gefordert", sagt Straub süffisant.

Kaum Grenzen dagegen sind dem rockigen Temperament der Bandmusiker gesetzt, die schon mehrfach für derlei übergriffige Produktionen nach Coburg engagiert wurden. Fürs Irish-Feeling ist eine Geige dabei, ansonsten aber werden die Stromgitarren mehr denn je aufheulen, wenn der Smoke on the Water aufsteigt und dem hinterhältigen Long John Silver Sympathy for the Devil bekundet wird.

Die Produktion Landestheater Coburg "Die Schatzinsel" - Abenteuer-Rock-Musical von Matthias Straub, musikalische Leitung Roland Fister, Inszenierung Matthias Straub, Bühnenbild Till Kuhnert, Kostüme Carola Volles, Kampfchoreografie Jean-Loup Fourure, Dramaturgie Carola von Gradulewski

Darsteller: Jim Hawkins: Benjamin Hübner, Mrs. Hawkins: Nicole Sippel, Dr. Livesey: Thorsten Köhler, Mr. Trelawney: Niklaus Scheibli, Kapitän Smollet/Black Dog: Ingo Paulick, Jessica Sparrow: Maja Lehrer,
Billy Bones/Ben Gunn: Stephan Mertl, Long John Silver; Nils Liebscher, Israel Hands: Oliver Baesler, Queequeg: Thomas Straus und andere, Statisterie

Premiere: Sonntag, 25. September, 18 Uhr
Die Vorlage: "Die Schatzinsel", ist der bekannteste Roman des schottischen Autors Robert Louis Stevenson (1850 - 1894), veröffentlicht in Buchform 1883. Seine Wirkung ist derjenigen von Defoes "Robinson Crusoe", Mark Twains "Tom Sawyer" und Lewis Carrolls "Alice im Wunderland"vergleichbar. Verschiedene Buchausgaben sind mit Zeichnungen des französischen Grafikers Georges Roux (1850-1929) versehen, der auch zahlreiche Romane von Jules Verne illustriert hat.
Stevenson litt an Tuberkulose und wurde nur 44 Jahre alt, hinterließ jedoch ein umfangreiches Werk von Reiseerzählungen, Abenteuerliteratur und historischen Romanen sowie Lyrik und Essays. Bekannt geworden ist er auch durch die Schauernovelle "Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde", wp
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren