Coburg
Landestheater

Landestheater: Hinter der Bühne wird alles neu

Stadt, Staatliches Bauamt und Landestheater erläutern den Planungsstand für die anstehende Sanierung des Großen Hauses.
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Das Landestheater mit dem Palais Kyrill rechtsdaneben: Wo sich heute noch das Kinderhaus befindet, werden in einigen Jahren Musiker des Theaters proben. Foto: Simone Bastian
Das Landestheater mit dem Palais Kyrill rechtsdaneben: Wo sich heute noch das Kinderhaus befindet, werden in einigen Jahren Musiker des Theaters proben. Foto: Simone Bastian
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Ganz zum Schluss kam die Frage nach einer Schlossplatz-Tiefgarage, und Bodo Busse ("noch bin ich ja Intendant") lief auf der Bühne seines Landestheaters zur Hochform auf. "Das macht für uns nur Sinn, wenn genug Parkmöglichkeiten da sind. Ich glaube nicht, dass das möglich ist. Für Sie als Besucher werden die Parkmöglichkeiten schlechter mit einer Schlossplatz-Tiefgarage", sagte er in den Beifall der 370 Zuhörer hinein. Denn eine Tiefgarage müsse ganztägig ausgelastet sein. Anwohner und Innenstadtbesucher konkurrieren dann mit Theatergästen um die Plätze.

Auf dem Schlossplatz finden Theaterbesucher 300 bis 350 Stellplätze, "aber nur, wenn die Verkehrskadetten da sind", merkte Peter Cosack an, Leiter des städtischen Hochbauamts.

Er konnte immerhin versichern, dass am Anger das Angebot an Parkplätzen ausreichen sollte. Dort wird die Interims-Spielstätte entstehen, in der das Theater ab der Spielzeit 2019/20 seine Vorstellungen geben wird.
Die künftige Interims-Theaterleitung und die Stadt haben somit dem Landestheater Verlängerung im eigenen Haus verschafft: Die Betriebserlaubnis, die nach dem Wasserschaden vom Oktober 2013 nur bis 31. Dezember 2018 erteilt worden war, wird um einige Monate verlängert. Das Theater plant nun für die Saison 2018/19 eine drei Monate kürzere Spielzeit als sonst und zieht dann in die Interims-Spielstätte um, die bis Jahresende 2018 errichtet sein soll.


Internationale Planer

Man sei, was das angehe, im Zeitplan, versicherte eingangs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD). Überhaupt gehe es mit all den Vorbereitungen für die Generalsanierung seit Mai 2014 gut voran. Die Finanzierungsvereinbarung mit dem Freistaat ist ausgehandelt, das Staatliche Bauamt hat vor einem Jahr die Planungsleistungen europaweit ausgeschrieben und im Herbst 2016 vergeben. Und jetzt wird eben geplant.

Allein das kostet schon elf Millionen Euro. Jürgen König, Leiter des Staatlichen Bauamts, zählte einige der Büros auf, die alle über Erfahrungen im Theaterbau und mit Sanierungen verfügen. Die Architekten Xavier Fabre und Vincent Speller haben zum Beispiel schon das historische Theater in Sète und die Oper in Clermont-Ferrand saniert und arbeiten in Coburg mit Detlef Stephan zusammen, der in Bayreuth das Festspielhaus erneuert. Das Büro Walter Kottke Ingenieure aus Bayreuth kümmert sich um die Bühnentechnik, das Ingenieurbüro für Bauphysik Wolfgang Sorge (Nürnberg) um die Raumakustik. König zufolge ist das Planungsteam noch nicht einmal vollständig.

50 bis 60 Millionen Euro wird die Sanierung kosten. König machte klar, dass es sich um keine einfache Baustelle handelt: 400 Räume im Landestheater, "das sind 35 Einfamilienhäuser mit 35 Bauherren". Hinzu komme der städtebauliche Aspekt mit der Lage des Landestheaters am Schlossplatz und den historischen Gebäuden wie Palais Edinburgh (IHK), Palais Kyrill und Bürglaßschlösschen in unmittelbarer Nachbarschaft.

Für die Zuschauer ändert sich optisch kaum etwas, was bedeutet, dass auch die schmalen Säulen erhalten bleiben, die an manchen Plätzen die Sicht einschränken, wie König sagte. Das ist dem Denkmalschutz geschuldet. "Wir vergessen gerade, dass wir ein Museum haben", mahnte Intendant Busse.

Trotzdem wird es erhebliche Verbesserungen geben wie barrierefreie Wege vom Schlossplatz bis ins Parkett. Das Theater wird sich auch vergrößern: Neue Nebenräume werden im Palais Kyrill geschaffen, beide Gebäude durch einen Tunnel miteinander verbunden.

Derzeit sieht der Zeitplan vor, dass das Theater zur Spielzeit 2023/24 wieder einziehen kann. Aber so richtig auf dieses Datum festlegen wollte sich niemand. Schließlich zeigen die Erfahrungen, dass so etwas auch länger dauern kann. OB Tessmer verwies auf das Münchner Gärtnerplatztheater, wo die Sanierung nun schon zwei Jahre länger dauert als geplant und erheblich teurer wurde. Für die Interimsspielstätte wurde sicherheitshalber eine Nutzungsdauer von viereinhalb bis fünf Jahren vorgesehen - ein Jahr mehr, als die Sanierung des Großen Hauses dauern soll.
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