Coburg
Zuschauerplätze

Landestheater in Coburg: Geht es eine Nummer kleiner?

Der Stadtrat will sichergehen, dass die Kosten für die Interimsspieltstätte nicht aus dem Ruder laufen.
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Aus Kostengründen eine Etage weglassen? So stellt sich das der Stadtrat vor. Foto: Hochschule Coburg
Aus Kostengründen eine Etage weglassen? So stellt sich das der Stadtrat vor. Foto: Hochschule Coburg
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36 Meter im Durchmesser, fast 18 Meter hoch, Platz für 486 Zuschauer: Dieses Konzept hat die Stadtrats-Arbeitsgruppe "Interimsspielstätte" so überzeugt, dass es favorisiert wurde. Doch der Stadtrat hätte das "Coburg Globe", das sich am klassischen Shakespeare-Theater "The Globe" orientiert, gern eine Nummer kleiner - der Kosten wegen. Eine Etage weniger bedeutet weniger Baukosten, lautet die Kalkulation. Wenn nun die Stadt den Bau einer Interimsspielstätte für einen Generalübernehmer ausschreibt, dann steht da die Zahl von 350 Sitzplätzen als Soll. Bislang waren alle Planungen von rund 450 Zuschauerplätzen ausgegangen.

Doch genügt es, einfach einen Ring im "Globe" wegzulassen? "Man kann eine Lösung finden", sagt Professor Holger Falter vorsichtig. Der Bauingenieur betreute zusammen mit Professor Markus Schrempp die Studentengruppe, die Entwürfe für die Interimsspielstätte erarbeitete. Die Zahl von 486 Plätzen habe sich aus den Proportionen des Rundbaus ergeben, erläutert Falter. Problem sei, dass auf jeder Ebene nicht nur Zuschauerplätze vorgesehen sind, sondern auch Funktionsräume fürs Theater, wie Garderoben oder Büros. Auch sei für die Bühne ein Schnürboden geplant - und der sei mit maßgeblich für die Gebäudehöhe.


Wie viele Sitzplätze sollte es geben?

Falter, von Beruf Bauingenieur, hat Erfahrung mit Theaterbauten: Er betreute den Neubau des Grand Canal Theatre in Dublin, ein Entwurf von Daniel Liebeskind. Das Thema "Zahl der Sitzplätze" sei im Rahmen des Studentenprojekts auch mit Intendant Bodo Busse besprochen worden. Der habe immer gesagt, "nicht unter 450", und dass 350 nicht möglich seien. Wegen der Theaterferien war kein Vertreter der Theaterleitung in der Stadtratssitzung.

"Wir werden versuchen, irgendwas hinzukriegen, was Kosten sparen könnte", verspricht Falter. Verpflichtet dazu wären er und die Studierenden nicht. "Aber wenn man möchte, dass das gebaut wird, muss man was dafür tun."

Gerhard Amend, Vorsitzender des Theaterkreises und selbst Stadtratsmitglied, sieht die Kapazitätsfrage gelassen. Für die meisten Produktionen würden 350 Plätze reichen, meint er. "Beim Weihnachtsmärchen werden wir Abstriche machen müssen." Wichtig sei, dass eine attraktive Spielstätte entstehe, sagt er. "Ein Theater, wo die Leute das Gefühl haben, es lohnt sich, hinzugehen. Wo es ein schönes Ambiente gibt und sich die Künstler und alle Beschäftigten wohlfühlen." Denn das Theater könne es sich nicht leisten, Zuschauer zu verlieren. "Auch das sind Kosten!"


Baukosten könnte man an derer Stelle sparen

Baukosten lassen sich vielleicht an anderer Stelle sparen, meint Amend: Fürs Orchester ist im "Globe" eine Art Podest über der Bühne vorgesehen. "Aber so etwas braucht Generalmusikdirektor Kluttig gar nicht, weil er so die Sänger nur per Video sehen kann. Das Orchester könnte auch vor oder hinter der Hauptbühne sitzen."
Überdies habe Intendant Busse bei einer Besichtigungsfahrt in Genf erklärt, dass auch 400 Plätze reichen würden, sagt Amend. "Ich sehe da noch nicht das letzte Wort gesprochen."

Sowohl der Rundbau - eigentlich ein Polygon mit 16 Außenflächen - als auch die Ertüchtigung der Angersporthalle sollen nun für einen Generalübernehmer ausgeschrieben werden, der schlüsselfertig zum Festpreis baut. Erst, wenn die Angebote vorliegen, entscheidet sich, ob die Angerhalle oder ein Neubau das Landestheater für die Sanierungszeit aufnehmen. Dann erst weiß man auch, was Neubau oder Ertüchtigung wirklich kosten. Die groben Schätzungen sprechen von 6,3 bis 6,8 Millionen Euro. Bei 7,5 Millionen Euro hat der Stadtrat am Donnerstag die Obergrenze gesetzt.
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