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Von der Lust, einfach zu spielen
Was treibt eigentlich junge Menschen auf die Bühne? Mathias Renneisen ist neues Mitglied im Schauspielensemble des Landestheaters.
In der Premiere von Shakespeares Komödie "Viel Lärm um Nichts" stellt sich ein junger Schauspieler erstmals dem Coburger Publikum in einer Neuinszenierung vor: Mathias Renneisen. Im hessischen Seeheim-Jugenheim geboren, erhielt er seine künstlerische Ausbildung an der Berliner Hochschule "Ernst Busch". Im Gespräch verrät Renneisen, was ihn am Beruf des Schauspielers reizt und welche Traumrollen ihn faszinieren.
Tageblatt: Warum sind Sie Schauspieler geworden? Sind Sie "erblich" vorbelastet?
Mathias Renneisen: Ein bisschen schon. Mein Vater ist Schauspieler, eine Cousine ist Schauspielerin. Andererseits machen meine drei älteren Geschwister beruflich ganz andere Dinge. Wir haben nie den Druck gehabt, etwas in dieser Richtung machen zu müssen. Sicher aber hat meine Entscheidung schon etwas damit zu tun, dass ich bereits in sehr jungen Jahren mit dem Theater in Berührung gekommen bin.
Was reizt Sie denn am Theater?
Das ist sehr schwierig zu beantworten. Ich glaube, es hat damit zu tun, dass man in diesem Beruf die unterschiedlichsten Rollen spielen und - wenn es klappt - dabei in ganz verschiedene Menschen schlüpfen kann, mal ist man der Prinz, mal der Diener. Das ist eine Chance, die es so in anderen Berufen nicht gibt. Als Schauspieler lernt man seinen Körper sehr genau kennen, aber auch seine Eigenarten als Mensch. Außerdem spiele ich einfach gerne.
Seit wann wussten Sie, dass Sie Schauspieler werden wollten?
Ich hatte schon relativ früh angefangen, bei Schultheater-Aufführungen mitzumachen. Mit 17 hatte ich dann die Chance, am Staatstheater Darmstadt als Peter van Daan in "Das Tagebuch der Anne Frank" zu spielen. Da wusste ich dann: Ich will das einfach probieren.
Und wenn's nicht geklappt hätte?
Um ehrlich zu sein: Einen Plan B hatte ich nicht wirklich.
Ihr Engagement am Landestheater ist nach einigen Gastauftritten Ihr erstes festes Engagement. Dem Coburger Publikum stellen Sie sich als Diener Boracchio in Shakespeares "Viel Lärm um Nichts" vor. Was reizt Sie an dieser Rolle?
Boraccio ist vielleicht nicht der klassische Bösewicht, aber eine sehr interessante Figur. Er ist ein sehr bestechlicher Charakter. Für "Kohle" macht der alles. Das ist für mich als Schauspieler wirklich eine spannende Herausforderung.
Weitere Rollen in dieser Saison?
Im Kinderstück "Der Lebkuchenmann" werde ich die Titelfigur spielen. Darauf bin ich schon sehr gespannt - Kinder sind ja ein sehr ehrliches Publikum. Und natürlich wird es spannend sein, das Stück bei den geplanten gut 50 Vorstellungen frisch zu halten. "In jeder Vorstellung geht es weiter", hat einer meiner Lehrer an der Hochschule gesagt. Das stimmt wirklich.
Auch wenn Sie noch ganz jung im Beruf sind: Welche Wunschrollen würden Sie gerne einmal spielen?
Das klingt jetzt ein bisschen komisch, weil das natürlich noch sehr fern ist: Aber den Shylock in Shakespeares "Kaufmann von Venedig" würde ich irgendwann einmal sehr gerne spielen. Eine Wunschrolle konnte ich mir sogar schon erfüllen - den Algernon in Oscar Wildes "The Importance of Being Earnest". Und die Titelrolle in Büchners "Woyzeck" wäre ein Traum. Der ist laut Büchner in diesem Stück 35. Büchner kommt ja aus meiner Heimat, aus Goddelau, das ist ganz in der Nähe von Bensheim, wo ich aufgewachsen bin. Und irgendwie glaube ich, dass die Sprache im "Woyzeck" schon mit dem Hessischen zu tun hat - wenn auch nicht in dem Sinne, dass man ihn im Dialekt spielen sollte.
Wie sieht's mit Hobbys aus?
Da muss ich wirklich nachdenken. Meine Hobbys sind mir im Grunde auf der Schauspielschule ein wenig abhanden gekommen. Da ist man früh hingegangen und spät abends zurück gekommen, hatte dann vielleicht noch Text zu lernen und kaum noch Zeit für irgend etwas anderes. Hobbys? Ich sehe mir sehr, sehr gerne Filme an, versuche, mir etwas abzuschauen.
Haben Sie sportliche Ambitionen? Am Landestheater hat im Frühjahr ein Basketball-Team mit einem Benefizspiel seine viel beachtete Premiere gefeiert.
Ich habe früher Basketball gespielt und viel trainiert, bin allerdings seit einigen Jahren nicht mehr dazu gekommen. Wenn das Theaterteam weitere Auftritte haben sollte, würde ich natürlich gerne mitspielen und sehen, was noch geht.
Haben Sie das Landestheater auch schon mal aus Zuschauerperspektive erlebt?
Ja, in Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" - das habe ich mir am Abend nach meinem Vorsprechen angesehen - Mitte März war das. Da wusste ich aber noch gar nicht, dass ich das Engagement hier bekommen würde.
Wie würden Sie Ihr Lebensmotto formulieren?
Offen bleiben, offen durch die Welt gehen.
Mathias Renneisens Weg an das Coburger Landestheater




















