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Musik

Ist der Coburger Komponist Felix Draeseke noch zu retten?

Wie ein Revolutionär zum Klassizisten wurde und warum es sich lohnt, sich mit der Musik des in Coburg geborenen Komponisten genau 100 Jahre nach seinem Tod zu beschäftigen.
An den vor 100 Jahren verstorbenen Komponisten Felix Draeseke erinnert diese Gedenktafel an seinem Geburtshaus am Coburger Marktplatz.Fotos: Jochen Berger
 
von JOCHEN BERGER
In seiner Heimatstadt Coburg ist der Komponist Felix Draeseke ein seltener Gast auf den Konzertprogrammen. Da hilft nicht einmal ein Jubiläumsjahr, mit dem an den 100. Todestag des im einstigen Herzogtum geborenen Tonsetzers erinnert wird. Draeseke Musik erklingt in Coburg immer nur dann, wenn die "Internationale Draeseke-Gesellschaft" zu ihrer Jahrestagung bittet.

Dass die Feierlichkeiten zum 100. Todestag Draesekes Ende Februar nicht in Coburg, sondern in Dresden stattfinden, wirkt dabei durchaus logisch. Schließlich war Draeseke, der lange Jahre am Dresdner Konservatorium unterrichtete, in der Stadt an der Elbe gestorben - am 26. Februar 1913. Daran erinnert am Tag vor dem offiziellen Todestag eine Gedenkstunde der "Internationalen Draeseke-Gesellschaft".

Hans-Dieter Bauer in Dresden

An der Feier im Dresdner Hochschulsaal für Kirchenmusik ist Coburg gleichwohl beteiligt - in Gestalt des Konzertpianisten Hans-Dieter Bauer. So wird Bauer Draeseke cis-Moll-Sonate für Klavier und die sogenannte "Dante-Sonate" von Liszt interpretieren - zwei Werke, die Bauer als "erbarmungslos schwer" einstuft. Dazwischen gestaltet der in Coburg lebende Konzertpianist auch noch ein lyrisches Stück mit dem Titel "Schmerzlich Gedenken" aus Draesekes Zyklus "Dämmerungsträume".

Ist Felix Draeseke überhaupt noch zu retten? Hat die Musik des am 7. Oktober 1835 in Coburg geborenen Felix August Bernhard Draeseke tatsächlich Chancen, dauerhaft im Konzertrepertoire zu überleben?

Zum 100. Todestag des Komponisten, Hochschullehrers und streitbaren Musikpublizisten ist diese Frage durchaus berechtigt - allen Anstrengungen zum Trotz, die die 1986 gegründete "Internationale Draeseke-Gesellschaft" unternommen hat und mit beträchtlichem Enthusiasmus weiterhin unternimmt.

Schwebender Rechtsstreit

Von einer echten Draeseke-Renaissance im Konzertleben lässt sich jedenfalls heute kaum sprechen, auch wenn Draesekes Musik seit gut zwei Jahrzehnten steigende Aufführungszahlen verzeichnen mag. Und nicht zuletzt eine beträchtliche Anzahl von CD-Einspielungen sorgt für die Verbreitung seiner Musik.

Nach und nach werden zudem seine Werke auch in Partiturneu- und Nachdrucken wieder greifbar. Das Thema Partituren aber führt zu einem gravierenden aktuellen Problem für Draeseke-Fans. Denn noch wird vor Gericht um Verlagsrechte an Draeseke-Noten gestritten, die in der Musikaliensammlung der Landesbibliothek Coburg liegen. Ein 1948 in Lippstadt gegründeter Verlag nimmt für sich in Anspruch, Rechtsnachfolger jenes Verlages zu sein, in dem einst Draesekes Werke erschienen: Fr. Kistner & C.W.F. Siegel.

Berufungsverfahren in Bamberg

Und mit dieser Begründung bezweifelt jener Verleger, dass es rechtens gewesen sei, die fraglichen Draeseke-Partituren (insgesamt 27 Autografen) an die Landesbibliothek Coburg zu verkaufen. In seinem Coburger Urteil Ende Juli vergangenen Jahres hat Richter Christian Pfab den Freistaat Bayern und damit die Landesbibliothek als rechtmäßigen Eigentümer bestätigt. Das Verfahren liegt derzeit freilich noch beim Oberlandesgericht Bamberg zur Berufung.

Wegen dieser schwebenden juristischen Auseinandersetzung wurden bereits einige geplante Aufführungen abgesagt - darunter auch die Interpretation seiner "Penthesilea"-Ouvertüre durch das Philharmonische Orchester des Landestheaters.

Skandal in Weimar

Von diesen aktuellen Widrigkeiten einmal abgesehen: Woran liegt es, dass Draesekes Musik einfach nicht an die ungebrochene Popularität etwa eines Brahms oder Mendelssohn Coburgs heranreicht? Die Gründe dafür sind wohl vielfältig. Sie liegen in der Qualität wie in der ästhetischen Ausrichtung von Draesekes Musik. Und nicht zuletzt liegen sie in der ganz speziellen stilistischen Entwicklung seines Komponierens und seines einst sehr umstrittenen musikschriftstellerischen Wirkens. Draeseke begann seine Laufbahn als ultramoderner Vorkämpfer der neudeutschen Schule um Liszt und Wagner.

Sein "Germaniamarsch" erregte einst auf dem Tonkünstlerfest 1861 in Weimar einen regelrechten Skandal. In späteren Jahren aber wandelte sich sein Stil grundlegend, wurde klassizistisch geglättet und schließlich strikt konservativ.

"Über die Konfusion in der Musik" ist der Titel einer 1906 veröffentlichten Streitschrift Draesekes, die ihn endgültig der stilistischen Nachhut der Komponistenzunft zuordnete. Als Draeseke 1913 in Dresden starb, war er von den ästhetischen Entwicklungen der Zeit längst weit ins Abseits gedrängt worden. Von den Nationalsozialisten wurde Draesekes Musik später gnadenlos vereinnahmt. Bis heute erschwert dies den vorurteilsfreien Umgang mit seinem Schaffen.

Lässt sich das heute rückblickend irgendwie ändern? Lässt sich im Klassizismus des späten Draeseke vielleicht gar ein zeitloses Aspekt erkennen? Immerhin hat die Draeseke-Gesellschaft mit ihrem Einsatz gezeigt, dass in der Person von Felix Draeseke ein Komponist wieder zu entdecken ist, der nach langem Suchen schließlich doch eine - wenn auch nicht moderne - eigene kompositorische Handschrift gefunden hatte.

Zwischen Liszt und Brahms

Draesekes Musik bereichert in jedem Fall den stilistischen Horizont des 19. Jahrhunderts. Denn Draeseke schlägt mit seinem Schaffen die Brücke zwischen der sogenannten neudeutschen Schule um Liszt und Wagner einerseits sowie Brahms andererseits.


Ein Musikerleben zwischen Coburg und Dresden

Stationen eines Komponistenlebens

7. Oktober 1835
Felix August Bernhard Draeseke in Coburg geboren
1843 Draesekes erste Komposition ("Kleiner Marsch" zum Geburtstag seines Vaters)
1852 bis 1855 Studium am Leipziger Konservatorium
1859 Op. 1 "Helges Treue"
1861 Draesekes "Germania-Marsch" verursacht einen Skandal beim Tonkünstlerfest in Weimar
1862 Klaviersonate op. 6
1862 bis 1876 Draeseke lebt in der Schweiz
31. Januar 1873 1. Symphonie in Dresden uraufgeführt
15. Februar 1878 2. Symphonie in Dresden uraufgeführt
September 1884
Felix Draeseke wird Professor für Komposition, Harmonielehre und Kontrapunkt am Dresdner Konservatorium
13. Januar 1888 3. Symphonie ("Tragica") in Dresden uraufgeführt.
1895 bis 1899 Oratorien-Tetralogie "Christus" entsteht
1906 Draesekes Streitschrift "Die Konfusion in der Musik. Ein Mahnruf" erscheint und löst heftige Diskussionen aus
26. Februar 1913 Draeseke stirbt in Dresden

Draesekes Schaffen umfasst alle Gattungen der Musik - von der Oper (darunter "König Sigurd", "Herrat", "Gudrun" und "Merlin") über Chorwerke (darunter die Tetralogie "Christus") und Lieder sowie Melodramen bis hin zur Orchestermusik (Symphonien, Ouvertüren, Konzerte). Zu den bekanntesten Instrumentalwerken Draesekes zählt seine 3. Symphonie op. 40 mit dem Beinamen "Tragica". Zudem hat Draeseke zahlreiche Kammermusikwerke in verschiedenen Besetzungen geschaffen. Dazu gehören Sonaten für Klarinette und Violoncello ebenso Streichquintette und drei Streichquartette. Nicht zu vergessen ist der Musikschriftsteller Felix Draeseke, der sich intensiv mit Richard Wagner, Franz Liszt und Peter Cornelius befasst hat.

Draeseke-Termine in Coburg
21. bis 23. Juni: 27. Jahrestagung der "Internationalen Draeseke-Gesellschaft" (www.draeseke.org)

zum Thema "Kultur Coburg"



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