Auszeichnung

In Kaltenbrunn ist Malz so süß wie nirgendwo

Die Brauerei Schleicher in Kaltenbrunn (Gemeinde Itzgrund, Landkreis Coburg) ist mit dem Siegel "Innovativ durch Forschung" ausgezeichnet worden.
Ein Brauer und ein Forscher zugleich: Oskar Döllinger, braut nicht nur das Bier der Brauerei Schleicher in Kaltenbrunn, er forscht auch, wie man Malzextrakt zum Süßen von Speisen und Getränken verwenden kann.
 
von BERTHOLD KÖHLER
Eigentlich war die Sache ja richtig ärgerlich: Als die Brauerei Schleicher vor elf Jahren ihr Sudhaus komplett erneuern lassen wollte, rauschte die Lieferfirma mitten in den Arbeiten in die Insolvenz. Da stand Braumeister Oskar Döllinger nun da - mit einer nicht einmal halbfertigen Anlage. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als die Rohre alleine zu legen und die Anlage in Eigenregie hochzufahren. Das dabei erworbene Knowhow, sagt Döllinger im Rückblick, "hat nicht jeder". Und es war die Grundlage dafür, dass man in der Brauerei Schleicher mehr über Braumalz weiß als in anderen Brauereien.
Inzwischen ist Oskar Döllinger fast so weit, sein Wissen über die Süßkraft von Braumalz in marktfähige Produkte fließen zu lassen. "Ende des Jahres, Anfang 2017", schätzt der Braumeister, wird die Traditionsbrauerei im Itzgrund zwei neue Produkte auf den Markt bringen. Details verrät Döllinger dazu noch nicht, mit Verweis auf den Wettbewerb. So viel sagt er dann aber doch: "Trinkbare Produkte, alkoholisch und nichtalkoholisch. Und mit einem Alleinstellungsmerkmal." Auf jeden Fall wird klarer Malzextrakt, der ist süß, dabei eine wichtige Rolle spielen.
Seit 15 Jahren forscht Oskar Döllinger, um die Würzkraft von klarem Malzextrakt zu steigern. Er will so weit kommen, dass dieser das Zeug zum Zucker-Ersatz hat. Der Schleicher-Braumeister passt ganz genau auf, ja keine medizinischen Aussagen zum Malzextrakt als Süßmittel zu treffen. Aber zu seiner Überzeugung, da steht er: "Malz ist lebendig. Malz ist eine Pflanze, die schon gekeimt hat. Das ist bei Zucker nicht der Fall." Und genau deshalb könne Malz deutlich verträglicher und gesünder als Zucker sein, glaubt Döllinger - und betont gleich nochmal: "Es gibt noch keine Erfahrungen aus medizinischer Sicht."
Aber es gibt einen Markt. Gerade die Käufer biologisch erzeugter Lebensmittel greifen lieber zu, wenn auf der Zutatenliste kein Zucker mehr vorkommt. Dr. Jürgen Volk, Lebensmitteltechnologe vom Institut für Lebensmittel- und Umweltforschung im brandenburgischen Nuthetal, arbeitet seit Jahren mit Oskar Döllinger und weiß von Einsatzmöglichkeiten außerhalb der Lebensmittelbranche: "Auch in der Pharmazie und der Kosmetik kommt Malzextrakt zum Einsatz."


Nichts mit Craft-Beer zu tun

Wenn heutzutage eine eher kleine Brauerei mit neuen Produkten auf den Markt will, kommt fast schon reflexartig die Frage nach den inzwischen enorm präsenten Craft-Bieren auf. Oskar Döllinger hat mit der Sparte fantasievollen Kleinstbrauereien nicht viel am Hut. Er ist vielmehr überzeugt davon, dass traditionelle Brauereien in den Grenzen des Reinheitsgebots durchaus in der Lage sind, komplett neue Produkte zu generieren. Für "betont süße Malzbiere" sieht der Kaltenbrunner Braumeister zum Beispiel einen Markt kommen. Da könne das bei Schleicher vorhandene Knowhow durchaus Basis für den Erfolg sein.
Sollten seine Produkte im kommenden Jahr entsprechenden Absatz finden, will der 55-Jährige - dessen Sohn Lorenz gerade erst den Meisterbrief gemacht hat - die Brauerei Schleicher auch wieder zum Ausbildungsbetrieb machen. "Weiteres Wachstum können wir nur mit weiteren qualifizierten Fachkräften bewältigen", sagt Oskar Döllinger.


Schleicher:geistreich, ideenreich und umsetzungsstark

Für ihr Engagement in der Malz-Forschung ist die Brauerei Schleicher mit dem Siegel "Innovativ durch Forschung" ausgezeichnet worden. Überreicht wurde die Ehrung durch Thomas Goppel.
Für den ehemaligen bayerischen Umweltminister war die Familie Döllinger ein Beispiel, wie man in Bayern "geistreich, ideenreich und umsetzungsstark" Erfolg haben könne. Denn der Freistaat, betonte Goppel, bestehe eben nicht nur aus Audi, BMW und Siemens.Dass die Ideen von Oskar Döllinger auf dem besten Weg hin zu einem marktfähigen Produkt sind, ist auch dem Innovationsgutschein des Freistaates Bayern zu verdanken.


Mit den richtigen Partnern

Coburgs Landkreis-Wirtschaftsförderer Martin Schmitz war es, der Oskar Döllinger den Vorschlag machte, mit diesem Gutschein die Suche nach Partnern für seine Projekte zu finanzieren. Für Schmitz sind solche Vermittlungstätigkeiten zentrale Aufgaben der lokalen Wirtschaftsförderung: "Denn nur mit den richtigen Partnern kriegen wir die PS, die unsere Unternehmen haben, auf die Straße."
Diese Einschätzung bestätigte beim Festakt - bei dem die Brauerei Schleicher als Mitglied im Umweltpakt Bayern aufgenommen wurde - auch Oskar Döllinger. Zehn Jahre lang habe er alleine und auf eigene Kosten geforscht. Durch den Innovationsgutschein und die inzwischen weit reichenden Kontakte zu anderen Unternehmen habe sich die Situation grundlegend geändert: "Seit vier Jahren purzeln die Ergebnisse", sagte der Braumeister.
Bürgermeister Werner Thomas (SPD) freute sich über den "Teilerfolg", den die Brauerei mit ihren Forschungsleistungen verbucht habe. Jetzt gehe es darum, diese in wirtschaftlichen Erfolg zu verwandelt. Und der wiederum, ergänzte Thomas, könne dann auch der Gemeinde "nur gut tun". bk

zum Thema "Wirtschaft Coburg"

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