Coburg
Projekt

Güterbahnhof-Areal: Coburgs neuer Stadtteil

Die Rahmenplanung für das Güterbahnhof-Areal steht. Erster Schritt wird der Bau einer Brücke über die Itz zur Ernst-Faber-Straße sein.
Artikel einbetten Artikel drucken
So stellen sich die Planer den zentralen Platz auf dem Güterbahnhof-Gelände vor. Eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer führt über die Itz zur Innenstadt. Im Hintergrund zu erkennen: die alte Pakethalle, die nach Möglichkeit erhalten bleiben soll. Foto: Planungsbüro Schirmer
So stellen sich die Planer den zentralen Platz auf dem Güterbahnhof-Gelände vor. Eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer führt über die Itz zur Innenstadt. Im Hintergrund zu erkennen: die alte Pakethalle, die nach Möglichkeit erhalten bleiben soll. Foto: Planungsbüro Schirmer
+2 Bilder
Die Rahmenplanung für das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs und Schlachthofs hat der Coburger Stadtrat im März genehmigt. Damit wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sich auf dem rund sechs Hektar großen Areal endlich etwas verändern kann. Dafür allerdings ist jetzt eines ganz wichtig: Geduld! Darauf wies Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) bei einer Bürgerinformation im Rathaussaal hin. Einen kleinen Seitenhieb auf die jüngste Plakataktion der Altstadtfreunde konnte sich der OB nicht verkneifen: "Manchen geht es zu langsam. Die denken, wenn man die richtigen Konzepte hat, muss das in fünf Minuten gemacht sein."

Realistisch bleiben

Selbstverständlich seien Anregungen wichtig, ebenso kritische Stimmen, aber nicht nur Tessmer bittet darum, bei einem so großen Projekt wie dem "Band für Kultur, Wissenschaft, Dienstleistung und Gewerbe" realistisch zu bleiben. "Wenn wir Ende nächsten Jahres mit der Projektierung und dem Bebauungsplan fertig sind, dann haben wir was gekonnt", sagte Bau-Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU). "Das braucht einfach Vorbereitung und Zeit."

Allerdings hatte die Wohnbau als Projektträgerin der Stadt Coburg gemeinsam mit dem Würzburger Planungsbüro Schirmer Architekten + Stadtplaner auch ein ordentliches Tempo vorgelegt: In nur sieben Monaten war das erste Konzept erarbeitet. Am 3. August vergangenen Jahres fanden die ersten Gespräche mit der Stadt statt, anschließend wurde das Vorhaben, dessen Kosten sich nach ersten Schätzungen zwischen 14 und 18,5 Millionen Euro bewegen, bei mehreren Gelegenheiten der Öffentlichkeit vorgestellt. Die Coburger machten regen Gebrauch von der Möglichkeit, eigene Ideen und Anregungen dazu zu liefern. Ein guter Teil, so berichtete Planer Martin Schirmer, sei auch in das Konzept eingearbeitet worden.

Die Skizzen des neu gestalteten Areals, die Schirmer mitgebracht hatte, seien jedoch als Hinweise zu verstehen, wie es auf dem Güterbahnhofsgelände einmal aussehen könnte - wohlgemerkt könnte, betonte Schirmer. "Genau so wird es nie werden." Er sehe die Bilder eher als Motivation, durchzuhalten und Ausdauer zu beweisen.
Ein Grundgerüst - eben jene Rahmenplanung - steht dennoch bereits fest. Auf dieser Grundlage kann nun weitergearbeitet werden. Der Entwurf sei im Übrigen bewusst nicht konkretisiert worden, erläuterte Schirmer. Schließlich solle er potenziellen Investoren möglichst viel Freiraum lassen.

Wichtig sei gewesen, einige der alten Gebäude wie das Zollamt oder die Pakethalle in die Planung zu integrieren und auf diese Weise "möglichst viel an Geschichte mitzunehmen" und die besondere Atmosphäre des Viertels zu erhalten. "Mit Neubauten allein schaffen Sie das heute nicht mehr", so Schirmer.

Diesen Stärken stehen allerdings so einige Schwächen gegenüber, mit denen die Planer umgehen müssen: Lärmemissionen aus der Nachbarschaft etwa, mangelhafte Bausubstanz und Altlasten auf dem Gelände. Der Denkmalschutz setzt ebenso Grenzen wie der Naturschutz - nicht zu vergessen, die Frankenbrücke im Norden. "Ein Verkehrsmonster", nennt das Schirmer. Für Wohnbebauung - auch dazu hatte es Überlegungen gegeben - sei das Areal daher nicht geeignet, allenfalls für temporäres Wohnen. Ein Boarding-Haus, in dem Mitarbeiter der umliegenden Firmen, für eine gewisse Zeit leben können, ist praktisch fest vorgesehen.

Für die Erschließung des Areals favorisieren die Planer die Mitte. Das heißt, eine Hauptstraße wird mittig durch das Gelände von Norden nach Süden führen, mit Parzellen auf beiden Seiten, die von Firmen und Einrichtungen verschiedenster Art genutzt werden können. Diese Variante hat den Vorteil, dass der Radverkehr an der Itz entlang geführt und der Uferbereich zugänglich gemacht werden kann.

Nichts in Beton gegossen

Räumlich unterteilen die Planer das Gelände in fünf Bereiche von Norden nach Süden: Kultur und Hochschule - Wissenschaft - ein zentraler Platz rund um die ehemalige Pakethalle - Gewerbe und ganz im Süden die Firma Ros, die dort spätestens 2017 die Produktion aufnehmen will. In Beton gegossen ist diese Aufteilung laut Schirmer selbstverständlich nicht. "Der Rahmenplan erlaubt ja unterschiedliche Strukturierungen."
Ein wichtiger Punkt sei allerdings die Einbindung der Pakethalle. Dort brauche man unbedingt Gastronomie, Kultur und Veranstaltungen - Qualität also, um den Platz rund um das "Herzstück" mit Leben zu füllen. "Wir wollen hier schließlich kein Allerweltsgewerbegebiet", so Schirmer. Zweimal fanden in dem langgestreckten Gebäude bereits die Designtage statt. Um die Halle im Blickpunkt zu halten, sei geplant, dass die Wirtschaftsförderungsgesellschaft sie auch über die Designtage hinaus nutze, berichtete dazu Birgit Weber.
Zur Zeit seien die Wohnbau und der Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB) dabei, das Altlastenkataster festzuschreiben. Der erste (bautechnische) Schritt sei die Anbindung des südlichen Geländes über eine Brücke zur Ernst-Faber- /Uferstraße, so Weber. Denn wenn die Firma Ros dort ab 2017 produzieren will, braucht sie eine Zufahrt für ihren Schwerlastverkehr. Ebenfalls bei den ersten Schritten: der Bau eines Parkhauses und die Gestaltung des zentralen Bereiches rund um die alte Pakethalle.
Aus dem eher spärlich besetzten Zuhörerraum (Schirmer: "Wir haben eine 32-Grad-Konkurrenz") kam durchwegs Zustimmung für das Projekt. Gerade die Tatsache, dass nicht einfach über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden worden sei, so ein Zuhörer, fand großen Beifall. Tessmer freute dieser Zuspruch - "nach allem, was ich auf Plakaten lesen musste". Die Weichen für die Umgestaltung seien jedenfalls gestellt. "Wir wollen ja selbst Ergebnisse sehen."
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren