Coburg
Glauben

Fronleichnamsprozession in Coburg führte mitten durch die Stadt

Die Fronleichnamsfeierlichkeiten fanden das erste Mal wieder seit der Reformation in der Innenstadt von Coburg statt.
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Auf dem Marktplatz war der Altar für die Eucharistiefeier aufgebaut. Oberbürgermeister Norbert Tessmer begrüßte vor dem Hochgebet die Gläubigen. Hinter dem OB steht Dekan Roland Huth. Foto: Martin Koch
Auf dem Marktplatz war der Altar für die Eucharistiefeier aufgebaut. Oberbürgermeister Norbert Tessmer begrüßte vor dem Hochgebet die Gläubigen. Hinter dem OB steht Dekan Roland Huth. Foto: Martin Koch
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Es ist wohl gut ein halbes Jahrtausend her, dass sich die Fronleichnamsprozession mitten durch Coburg bewegte. Am Donnerstag begaben sich die Gläubigen aus dem katholischen Seelsorgebereich Coburg Stadt und Land "mitten ins Herz" der Stadt Coburg. Seitdem sich die römisch-katholischen Christen im 19. Jahrhundert in Coburg neu formiert hatten, fand deren Fronleichnamsprozession eher etwas im Abseits statt, im Hofgarten. Dort im Grünen war es ja eigentlich auch schön, aber vielleicht etwas zu diskret.

"Mitten ins Herz geht die Liebe Gottes zu uns Menschen", nahm Dekan Roland Huth den zentralen Gedanken zur Neugestaltung des Fronleichnamstages in Coburg auf. Argwöhnische Protestanten mögen in früheren Zeiten die öffentliche Präsentation katholischer Gläubigkeit mit gewisser Skepsis verfolgt haben, davon konnte aber am Donnerstag in Coburg keine Rede sein. Da spielte die Ökumene eine große Rolle. Da wurde ja auch an der evangelischen Stadtpfarrkirche St. Moriz Halt gemacht. Dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD), der auch Vorsitzender des Kirchenvorstandes der evangelischen Johanneskirchengemeinde auf der Hut ist, trug dort einen Abschnitt des Lukasevangeliums, den Bericht von der Begegnung des auferstandenen Jesus mit den beiden Emmausjüngern, vor. Er wurde begleitet von seinem früheren Pfarrer Ulrich Willmer.


Etliche evangelische Christen nahmen daran teil

Überhaupt nahmen evangelische Christen und auch evangelische Geistliche an der Fronleichnamsfeier teil. So absurd ist das nicht. Dem Ursprung nach ist Fronleichnam die Nachfeier des Gründonnerstags. Es geht um die Einsetzung des Abendmahls, der Eucharistie. Das kann man in der Karwoche nicht so ausgelassen und fröhlich feiern, deswegen gibt es die Nachfeier nach dem Ende der österlichen Festzeit.

Martin Luther freilich konnte sich mit Fronleichnam nicht so recht anfreunden. Aber die Zeiten ändern sich. An der Morizkirche forderte Dekan Huth eine offene und ehrliche Diskussion im Miteinander der Konfessionen und Religionen zum Thema demokratische Grundwerte. Er wünschte sich, dass sich alle gemeinsam um einen friedlichen Weg in die Zukunft bemühten. Huth: "Dies gilt auch für die Arbeitsmärkte und die immer noch und zum Teil immer raffinierter stattfindende Ausbeutung von Menschen." Huth äußerte Sorge über die in vielen Ländern zu beobachtenden diktatorischen Grundzüge, die demokratische Strukturen gefährden könnten. Huth: "Insofern braucht gemeinsam gelebtes Christentum auch die klare und gesellschaftspolitische Positionierung."

Die Prozession wurde von der Blaskapelle Oberelldorf unter der Leitung von Christian Brückner begleitet. Der Kirchenchor St. Marien unter der Leitung von Christine Goebel und Dekanatskirchenmusikerin Gabriel Hirsch wirkten weiter an der musikalischen Ausgestaltung mit.

"Lassen Sie uns diesen Tag in ökumenischer Brüderlichkeit begehen", sagte Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) in seinem Grußwort auf dem Marktplatz. "Wir feiern mit dem Reformationsjubiläum nicht die Kirchenspaltung, sondern die Neuentdeckung des Miteinander und Füreinander".
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