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Tragödie

Flugzeugabsturz: Pilot mehrmals gewarnt

Der Zwischenbericht zum Flugzeugabsturz am 2. November 2013 liegt vor und macht deutlich: Der Pilot missachtete die Gefahren-Hinweise per Funk. Alle drei Insassen starben.
Das Foto der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung zeigt das grausame Ausmaß des Absturzes, bei dem alle drei Insassen ums Leben kamen.
 
von CHRISTIANE LEHMANN
Samstag, 2. November 2013: Um 9.40 Uhr startet die Piper Aircraft mit dem Coburger Unternehmer Udo-Jürgen Büchs (selbst Inhaber einer Fluglizenz für Privatflugzeuge), seiner Lebensgefährtin und einem 58-jährigen Berufspiloten als Flugzeugführer an Bord. In knapp einer Stunde wird Büchs in Coburg erwartet. Ein wichtiger Termin steht an: Die Deutsche Kopfrechenmeisterschaften im Kongresshaus, bei der seine beiden Söhne (11 und 13 Jahre) teilnehmen.

Nach knapp einer halben Stunde wird klar, die Landung in Coburg könnte schwierig werden. Der Flugleiter in Coburg weist den Piloten mehrmals darauf hin, dass die Piper sowohl zu niedrig im Anflug sei, als auch um einige Grade vom Kurs abgekommen ist. Die Sicht liegt unter 250 Metern. Es besteht laufend Funkkontakt. Das letzte, was der Flugleiter auf seine Warnung "...nach meiner Peilanzeige bist du immer noch zu weit rechts" hört, ist ein unverständliches Wort.


Vom Radar verschwunden

Um 10.20 Uhr wird das Flugzeug ein letztes Mal vom Radar aufgezeichnet. Die Maschine hat eine 21 Meter hohe Kiefer rund 520 Meter nordöstlich des Verkehrslandeplatzes tuschiert und ist nach weiteren 450 Meter in einem Waldstück abgestürzt. Das Flugzeug ist zwischen Bäumen eingeklemmt. Alle drei Insassen sind tot.

Jetzt liegt der Zwischenbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung vor. Der genaue Flugverlauf, der Funkkontakt (siehe Infokasten) und die Wetterverhältnisse werden darin dokumentiert, Angaben zum Flugzeugführer und dem Flugzeug gemacht. Eine Einschätzung und Bewertung gibt der Zwischenbericht nicht. Damit ist erst in etwa einem dreiviertel Jahr zu rechnen, heißt es von der Bundesstelle auf Anfrage.


Was ist passiert?

Holger Röstel, der die Untersuchung leitete, geht in seinem Zwischenbericht ausführlich auf die Wetterverhältnisse am Unfalltag ein. Der Pilot holte um 7.07 Uhr telefonisch eine individuelle Wetterberatung ein. Darin ist von dem kräftigen Tief über der Nordsee die Rede und einer okkludierenden Kaltfront, die Deutschland nach Osten überquert hat. Es wird auf die recht niedrige Wolkenbasis über dem Thüringer Wald und Coburg hingewiesen. Auch von einem kräftigen Wind ist die Rede. Laut dem nach dem Unfall erstellten Wettergutachten des Deutschen Wetterdienstes wurde in der telefonischen Beratung "in ausreichender Form auf die kritischen Wetterbedingungen für Coburg hingewiesen", heißt es im Zwischenbericht.Ein Radarbild über die Wetterbedingungen zum Unfallzeitpunkt ist dem Bericht anhängig. Darin sind deutlich die ausgedehnten Nebelfelder zu sehen.
Der Anflug der Piste 30 des Verkehrslandeplatzes Coburg-Brandensteinsebene wurde am 2. November mit einer im Flugzeug eingebauten GPS-Anlage durchgeführt. Bei diesem Verfahren werden im GPS-Gerät definierte und gespeicherte Wegpunkte abgeflogen.

Um den Verkehrslandeplatz sind zwei gestaffelte Lufträume F (Foxtrot) eingerichtet, die bei An- und Abflügen aktiviert sind. Der Luftraum Foxtrot war zur Unfallzeit aktiv. Auf der Frequenz 120,100 M;Hz werden Start- und Landeionformationen automatisch ausgestrahlt.


Die Unfallstelle

Der Zwischenbericht vermittelt sehr detailliert ein Bild von der Unfallstelle: der Rumpf des Flugzeugs war im Bereich dert hinteren Kabine nach rechts geknickt und zwischen Bäumen eingeklemmt, der vordere war bis zum Cockpit zerstört. Das Instrumentenbrett war herausgerissen. Die beiden vorderen Sitze waren aus den Halterungen gerissen. Das Flugzeug brannte nicht aus.


Der Funkkontakt zwischen Flugleiter und Pilot

Um 10.08 Uhr informierte der Flugleiter von Coburg Info den Piloten: "Zur Information, wir sind von den Wetterbedingungen her am Minimum, mit grundsätzlichem Nebel, Sichten um 150 Meter und Wolken mit einer vertical visibility von 100 Fuß, allerdings dann auch im schnellen Rhythmuswechsel mit Sichtweiten um 800 bis 1000 Meter, könnte als ein missed approach werden."

Vom Piloten wurde diese Information mit "Okay danke" beantwortet. Nach dem Passieren des GPS-Punktes QC020 wurde der Flugleiter in Coburg durch den Lotsen in München telefonisch verständigt, dass sich das anfliegende Flugzeug unterhalb der veröffentlichten Flughöhen bewege. Um 10.09 Uhr gab der Flugleiter diese Information weiter: "It seems, you are a little bit low." Der Funkspruch wurde bestätigt.

Nach dem Überflug des nächsten Punktes QC021 war auf dem Radar in München eine Abweichung des Kurses nördlich der Anfluggrundlinie sichtbar. Diese Abweichung wurde dem Flugleiter durch den Controller in München telefonisch mitgeteilt. Um 10.16 Uhr meldete der Flugleiter: "Zur Information, nach meiner Peilanzeige bist du zu weit rechts!" Der Pilot antwortete: "Ja, ganz minimal!" und Coburg Info erwiderte: "Fünf Grad". Diese Kursablage wurde vom Piloten teilweise korrigiert. Um 10.18 Uhr meldete der Flugleiter: "Zur Information, Landebahnansicht aktuell 250 Meter, zwei-fünf-null." Der Pilot bedankte sich.

Nach weiteren fünf Sekunden meldete sich der Flugleiter: "Zur Information, nach meiner Peilanzeige bist du immer noch zu weit rechts". Die Antwort des Piolten war ein unverständliches Wort. Von der Flugsicherungsorganisation wurde das letzte Radarziel des Flugzeugs um 10.20 Uhr mit einer Flughöhe von 2300 ft aufgezeichnet. Das Flugzeug wurde von einem Zeugen im Bereich des Anflugs des Verkehrslandeplatzes kurz gesehen.
Die Radaraufzeichnung endete um 10.22 Uhr in Flughöhe von 173 ft. Um 10.22 Uhr rief der Flugleiter von Coburg Info mehrmals das Flugzeug. Er erhielt jedoch keine Antwort.

zum Thema "Flugzeugabsturz Coburg"






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