Coburg
Designtage

Coburger Designtage: Ein Experiment macht Eindruck

Rund 8000 Besucher registrierten die Designtage 2016 am Coburger Güterbahnhof. Besondere Besuchermagneten: Das offene Itzufer und der Zollingerbau.
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Ein Wegesystem aus Holzhäckseln, grob gezimmerte Möbel aus Paletten - mit einfachsten Mitteln verwandelten die Studierenden die ehemaligen "Bahner"-Gärten am Itzufer in eine Art "Feengarten", wie Michael Böhm das nennt. Foto: Barbara Herbst
Ein Wegesystem aus Holzhäckseln, grob gezimmerte Möbel aus Paletten - mit einfachsten Mitteln verwandelten die Studierenden die ehemaligen "Bahner"-Gärten am Itzufer in eine Art "Feengarten", wie Michael Böhm das nennt. Foto: Barbara Herbst
Die Begeisterung über die "rundum gelungenen" 28. Coburger Designtage ist Michael Böhm vom Stadtmarketing und Auwi Stübbe, dem Vorsitzenden des Coburger Designforums Oberfranken (CDO), am Montag immer noch anzuhören - auch wenn Stübbes Stimme arg mitgenommen klingt. Rund 8000 Besucher, so schätzt Stübbe, haben die Designtage heuer besucht. Dabei erwiesen sich gleich zwei Neuerungen als wahre Besuchermagneten: das Zollingerdach und das Itzufer, das die Studierenden begeh- und erlebbar gemacht hatten.
Michael Böhm erinnerte die Atmosphäre in den ehemaligen Gärten der "Bahner" am Itzufer an "Feengärten", wie er lachend beschreibt. Dabei hätten die Studierenden mit einfachsten Mitteln gearbeitet, wie Böhm begeistert erzählt. Mit Hackschnitzeln wurde ein kleines Wegesystem angelegt und für die Gäste allerlei "Mobiliar", beispielsweise aus Paletten, zusammengezimmert.


Praxisnahes Arbeiten

Dass zunächst für die Arbeiten am Itzufer die eine oder andere Genehmigung fehlte, erwies sich am Ende glücklicherweise nur als Formsache. CDO-Chef Stübbe wirbt um Verständnis für die Studierenden, die am Itzufer zugange waren. "Wer da mitgemacht hat, war voller Begeisterung." Von Genehmigungen hatte dagegen keiner so recht eine Ahnung, und dann kam eben die Bürokratie dazwischen. Doch hier sprechen sowohl Böhm als auch Stübbe den Behörden ein dickes Lob aus: Das Wasserwirtschaftsamt habe sich äußerst kooperativ gezeigt und schnell reagiert. "Über Nacht hatten wir die Genehmigung", sagt Stübbe und lacht: "Praxisorientierter geht's doch gar nicht für die Studierenden."
Die Genehmigung war zunächst nur für die Dauer der Designtage gültig. Doch angesichts der positiven Resonanz will Böhm sein Möglichstes tun, damit aus der "Spielerei" vielleicht eine dauerhafte Einrichtung werden kann. "Wir müssen natürlich die Fachbehörden dazu hören, aber Argumente dafür gibt es jede Menge." Zum Beispiel dieses, sagt Böhm: "Die Itz existiert zwar für die Coburger, wird aber zu wenig wahr genommen. Dabei gibt es am Ufer so schöne Ecken."
Für das Gelände am ehemaligen Güterbahnhof ist aktuell die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (Wifög) Coburg zuständig. Der Standort der Designtage ist also bis mindestens 2020 (so lange läuft der Vertrag) gesichert. Doch schon jetzt wird auf dem Areal abgerissen und irgendwann auch wieder neu gebaut. Das Gelände werde sich also jährlich verändern und damit - gezwungenermaßen - auch die Veranstaltung. Böhm lacht. "Vielleicht laufen wir in zwei Jahren schon über die Ernst-Faber-Brücke zu den Designtagen."


Charmante Veranstaltung

Insgesamt gehörten die 28. Designtage zu den "charmantesten" ihrer Art, resümiert Böhm. Nicht zuletzt das Zollingerdach und der "Dom", die bewährte weiße Kunststoffkuppel, am südlichen Ende der ehemaligen Pakethalle, hätten für Zulauf gesorgt.


"Echtes Kneipenerlebnis"

Das kann Auwi Stübbe nur bestätigen: "Der Zollingerbau hat ein tolles Ambiente - ein echtes Kneipenerlebnis. Die Beleuchtungsgruppe hat sich da selbst übertroffen." Immer wieder sei er von Besuchern auf die spezielle Dachkonstruktion angesprochen worden, die in den 20er Jahren entwickelt und patentiert wurde.
Was Stübbe besonders aufgefallen ist: "Wir hatten diesmal ein unheimlich breit gemischtes Publikum." Er habe auch sehr viele junge Ehepaare mit Kindern gesehen. Das Wetter sei nicht ganz ideal gewesen. "Der Regen hat ein bisschen reingehauen", sagt Stübbe. "Dafür ging es am Sonntag noch bis in die Abendstunden - das ist ungewöhnlich."
Sehr gut angenommen worden seien auch Vorträge und Workshops, bei denen die Besucher selbst etwas basteln beziehungsweise Herstellungsprozesse verfolgen konnten, sagt Stübbe. Produkte aus dem 3D-Drucker, Arbeiten mit Glas - bei solchen Angeboten herrsche Andrang.
Überrascht hat ihn die Resonanz auf einen Vortrag mit dem Thema "Besser leben ohne Plastik". Zehn Minuten vor Beginn habe die Referentin noch befürchtet, es komme keiner, sagt Stübbe lachend. "Aber dann war der Saal voll."
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