Coburg
Sanierung

Drei Schritte bis zur Innenstadt: Ketschengasse 54 wird zum Hotel

Im denkmalgeschützen Haus Ketschengasse 54 können ab sofort die Gäste des Hotels Villa Victoria übernachten. Nach einjährigem Umbau bietet es nun zusammen mit dem Neubau in der Casimirstraße insgesamt 18 Zimmer.
Artikel einbetten Artikel drucken
Alt- und Neubau sind durch ein gläsernes Treppenhaus verbunden. Der Haupteingang liegt in der Casimirstraße. Im Südosten grenzt das Grundstück ans Ketschentor.  Foto: Ulrike Nauer
Alt- und Neubau sind durch ein gläsernes Treppenhaus verbunden. Der Haupteingang liegt in der Casimirstraße. Im Südosten grenzt das Grundstück ans Ketschentor. Foto: Ulrike Nauer
+16 Bilder
"Als das Haus vor 150 Jahren gebaut wurde, müssen die Bauherren schon geahnt haben, dass wir hier später mal ein Hotel draus machen wollen", sagt Architekt Manfred Meyer und lacht. Die Bausubstanz, die er und Hauseigentümer Ernst Eckardt in der Ketschengasse 54 vorfanden, war für den Umbau vom Wohn- und Geschäftshaus zum Hotel geradezu ideal: Lange Flure, von denen links und rechts die Zimmer abgehen und ein direkter Zugang zur Ketschengasse. Seit knapp vier Wochen läuft im "Bettenhaus", das an das Hotel Villa Victoria gleich nebenan verpachtet ist, der Probebetrieb.

18 Zimmer zusätzlich haben hier Platz gefunden - 13 im denkmalgeschützten Altbau von 1863, fünf weitere in einem modernen Neubau, der sich auf der Rückseite an das Haus Ketschengasse 54 anschließt. Genau hier lag die Herausforderung für den Architekten, wie Manfred Meyer erläutert: Alt und Neu perfekt zu verbinden. Ein verglastes Treppenhaus trennt die beiden Gebäudekomplexe nun optisch, vereint sie aber auch gleichzeitig, denn hier liegt das gemeinsame Foyer mit Treppenaufgang und Aufzug. Der Haupteingang zum Bettenhaus liegt - von der Ketschengasse aus gesehen - um die Ecke in der Casimirstraße.


Funde stoppten Bauarbeiten

Auf dem rund 560 Quadratmeter großen Grundstück, das an seiner südöstlichen Ecke durch das Ketschentor begrenzt wird, stand einst ein spätmittelalterlicher Mauerturm. 1871 wurde auf dessen Überresten ein Gartenhaus errichtet. Zuletzt sei das Grundstück allerdings leer gewesen, lediglich eine hohe Mauer habe es vom Nachbargrundstück getrennt, erzählt Meyer.

Als die Bauarbeiter 2014 mit dem Aufgraben des Grundstücks begannen, stießen sie schon nach wenigen Metern auf Sandstein - dort, wo einst die äußere Stadtmauer verlief. Die Folge: Die Bauarbeiten mussten sofort gestoppt werden und ein Team von Archäologen rückte an, um das Gelände zu untersuchen. Gefunden wurde nichts Spektakuläres und die Arbeiter durften weiter graben.


Zuschnitt blieb erhalten

Jetzt, nach der Fertigstellung, befindet sich an der Stelle ein gepflasterter Hof mit vier Stellplätzen. Der Zaun im klassischen Design und das Sandsteinmäuerchen, auf dem er sitzt, habe der Denkmalschutz vorgeschrieben, erläutert Meyer. A propos Denkmalschutz, hier will der Architekt unbedingt ein Lob loswerden: Die Zusammenarbeit sei "vorbildlich" gelaufen.

Der Neubau bietet den Hotelgästen nun auf den unteren beiden Stockwerken vier gleichgroße Zimmer und im dritten Stock eine große Suite mit Dachterrasse. Im Altbau übernahmen Planer und Bauherr den Zuschnitt der Zimmer, so wie sie ihn vorfanden. Deshalb gibt es hier nun vom kleinen Einzelzimmer - relativ schmal, aber dennoch mit bodengleicher Dusche und abgetrennter Toilette - bis hin zur Suite die unterschiedlichsten Zimmergrößen und -grundrisse. "Jedes Zimmer ist ein bisschen anders", sagt Meyer.

Um im Dachgeschoss etwas mehr Raumhöhe und Kopffreiheit zu erreichen, seien die liegenden Dachfenster durch Gauben ersetzt worden, berichtet Meyer. Alt- und Neubau sind durch Flure so miteinander verbunden, dass jedes Zimmer, inklusive der Bäder, barrierefrei über den ebenerdigen Eingang in der Casimirstraße erreichbar ist. Nur am direkten Ausgang in die Ketschengasse, durch das historische Treppenhaus, sind ein paar Stufen zu überwinden.
Verwandte Artikel
Verwandte Fotoserien
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren