Als der Zirkus Charles Knie 1995 von Charles und Doriana Knie gegründet wurde, war Sascha Melnjak erst 20 Jahre alt - hatte aber bereits einen großen Traum: Ich will Zirkus-Direktor werden! 2006 bot sich ihm diese Chance, denn Charles Knie, der einer Seitenlinie der Schweizer Knie-Dynastie entstammt, beschloss, nach Australien auszuwandern und sein Unternehmen zu verkaufen. Sascha Melnjak griff zu - und hat diese Entscheidung bis heute nicht bereut. 2008 wurde er mit dem Zukunftspreis der Gesellschaft der Circusfreunde (GCD).

Herr Melnjak, was macht für Sie die "Faszination Zirkus" aus?
Sascha Melnjak: Zirkus ist mein Leben - ich kann mir heute nichts anderes mehr vorstellen. Faszinierend ist für mich das ständige Umherreisen, viele Leute kennenzulernen und mit den verschiedensten Nationalitäten und Mentalitäten auf engstem Raum zusammenzuleben und zu arbeiten. Ich habe mir mit "meinem" Zirkus Charles Knie einen lang ersehnten Kindheitstraum erfüllt. Mit sechs Jahren war ich 1981 das erste Mal in einem Zirkus - damals mit meiner Oma in Stuttgart im Circus Corty Althoff. Von da an wusste ich, dass ich später einmal in einem Zirkus arbeiten möchte. Ich wollte Artist, Zauberer oder Ansager werden. Heute habe ich einen eigenen Zirkus, stehe selbst aber nicht im Rampenlicht, sondern arbeite im Zirkusbüro.

Was erwartet die Besucher in Coburg bei Ihrem Gastspiel?
Wir sind mit unserer Show ganz dem klassischen Zirkus treu geblieben. Zirkus Charles Knie reist in der Saison mit dem artenreichsten rollenden Zoo Europas: über 100 Tiere aus allen Kontinenten der Erde; kalifornische Seelöwen, Raubtiere, Pferde und viele exotische Tiere aus aller Herren Länder. Weitere zwei Säulen unserer Zirkusshow: die Artistik und die Clownerie. Voller Stolz präsentieren wir gleich mehrere Darbietungen, die beim Internationalen Circusfestival von Monte Carlo ausgezeichnet wurden. Umrahmt wird unsere Zirkus-Revue von Europas größtem Zirkus-Liveorchester und einem Showballett. Also richtiger, unverfälschter Zirkus eben, der aber natürlich der heutigen Zeit durch eine einzigartige moderne Choreographie angepasst ist.

Wie werden Sie den Ansprüchen des Publikums gerecht?
Ich lege besonderen Wert darauf, dass mein Programm für alle Altersschichten Höhepunkte beinhaltet. Kinder und Familien müssen sich genauso gut amüsieren wie Erwachsene, Rentner und Jugendliche. Für jeden muss etwas dabei sein. Das unterhaltende Element ist auch sehr wichtig. Es bringt nichts, nur Höchstleistungen aneinander zu reihen - die Show muss in sich stimmig sein und es muss viel zu lachen geben. Die Zuschauer wollen gut unterhalten werden und für zweieinhalb Stunden dem hektischen Alltag entfliehen. Für mich ist auch sehr wichtig, charismatische Artisten zu finden, die in der Manege Lebensfreude und Sympathie versprühen. Mehrere Artistenagenturen arbeiten für uns und bieten uns Darbietungen an - sie kennen meinen Geschmack.

Die meisten Menschen kennen Krone, Barum, Sarrasani - Charles Knie ist noch nicht ganz so bekannt. Aber wo würden Sie Ihren Zirkus ansiedeln?
In Europa zählen wir zu den führenden Zirkusbetrieben. Ein ähnlich großes und qualitativ gutes Artisten- und Tieraufgebot präsentieren nur noch wenige andere Unternehmen. Darauf sind wir sehr stolz!