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Hausmessen Oberfranken

Coburgs Möbelbranche hofft auf Schlechtwetter

Die für Möbelhäuser katastrophale Witterung ist eines der prägenden Themen beim alljährlichen Branchentreff im Coburger Land.
Landrat Michael Busch (links) und Landkreis-Wirtschaftsförderer Martin Schmitz haben die heimischen Polstermöbelhersteller (wie hier: Ewald Schillig) besucht. Foto: Berthold Köhler
 
von BERTHOLD KÖHLER
Dieses Wetter! "Katastrophal", weiß Erik Stammberger als Geschäftsführer von W. Schillig aus zahlreichen Gesprächen am Rande der Hausmessen Oberfranken, ist der seit Wochen währende Dauersonnenschein für die Möbelhäuser. Klar: Wer kauft schon ein neues Sofa, wenn im Freien bestes Wanderwetter herrscht? Draußen scheint die Sonne, drinnen trübt sich die Stimmung ein - sie war schon mal besser, die Laune der heimischen Möbelhersteller.
Dabei gibt es doch gute Nachrichten. W. Schillig, das Frohnlacher Traditionsunternehmen, wandelt sich gerade. "Jünger, dynamischer, sportlicher", sagt Erik Stammberger präsentieren sich die neuen Polstermöbelserien. Nur "polnische Preislagen", betont der Geschäftsführer im Gespräch mit Landrat Michael Busch (SPD) und Landkreis-Wirtschaftsförderer Martin Schmitz, wird man bei Schillig auch weiterhin nicht finden. Denn Qualität hat ihren Preis.


Möbel kauft man per App

Dafür hält gerade die moderne Technik Einzug in der Polstermöbelbranche. Stammbergers Geschäftsführer-Kollege Michael Dannhauser kann zum Beispiel schon die neue App vorführen, die alle großen deutschen Möbelhersteller gemeinsam entwickelt haben. Sie steht den Verkäufern in den Möbelhäusern zur Verfügung und bringt Vorteile für alle Beteiligten: Der Verkäufer kann im Möbelhaus virtuell sämtliche "Ergoslide"-Bauteile munter drauflos konfigurieren, die Bestellung trifft dann nach Kaufabschluss ohne nennenswerte Verzögerung bei W. Schillig ein. "Und das ohne Bestellfehler", erinnert Dannhauser an die schier unendlichen Fehlerquellen bei handschriftlichen Aufzeichnungen oder gar Fax-Übermittlung.
Nur ein paar Straßen weiter spricht Carsten Henning, Geschäftsführer bei Ewald Schillig (340 Mitarbeiter), von einem "turbulenten Jahr", das hinter ihm liegt. Internen Ärger verschweigt er nicht, aber er darf nach jahrelangen, teuren Rechtsstreitigkeiten auch einen Erfolg feiern: Ewald Schillig kann - "nach höchstrichterlichem Entscheid", wie Henning betont - mit seiner "Brand"-Sparte ein selektives Vertriebssystem praktizieren. Einfach gesagt: Ewald Schillig muss mit seinen "Brand"-Sofas nicht mehr verpflichtend jede Art von Möbelhandel beliefern, wie es lange Jahre laut EU-Wettbewerbsrecht vorgeschrieben schien. "Eine Entscheidung, die den stationären Handel stärkt", freut sich Carsten Henning, der dennoch "lieber nicht darüber nachdenken will", was ihn dieser Rechtsstreit gekostet hat.
Was nahezu bei allen Gesprächen auf der Hausmessen-Rundfahrt des Landrates deutlich wird, ist der stetig steigende Druck durch Billiglohnhersteller, insbesondere aus Polen. Dass dort, mit EU-Geldern hoch subventioniert, Konkurrenten zur alteingesessenen deutschen Möbelbranche "hochgezüchtet" werden, kann nicht nur Wirtschaftsförderer Martin Schmitz nicht so recht verstehen. Karl-Heinz Gagel, Geschäftsführer bei der Firma Ultsch (125 Mitarbeiter) in Ebersdorf, sieht seit Jahrzehnten die Einschläge näher kommen. "Die Schuhindustrie, die Porzellanindustrie, die Textilindustrie", zählt Gagel traditionsreiche deutsche Branchen auf, die inzwischen nahe der Bedeutungslosigkeit herumdümpeln.
Was tun? Auch ein alter Hause wie Karl-Heinz Gagel tut sich da auf der Suche nach einer Antwort schwer. Bei Ultsch-Möbeln gibt er inzwischen fünf Jahre Garantie - drei mehr als die Konkurrenz aus dem Osten: "Das trauen wir der Qualität unserer Arbeit zu." Dass die Polstermöbel-Industrie kränkelt, macht der Ultsch-Geschäftsführer aber nicht nur an den Verkaufszahlen fest. Auch die Tatsache, dass sich in Regionen wie dem Coburger Land kaum mehr junge Menschen finden lassen, die eine Ausbildung zum Polsterer machen wollen, ist für Gagel beispielhaft.
Aber auch in Polen ist nicht alles erfolgreich, was billig produziert ist. Dieter und Ute Wolf vom Sonnefelder Traditionsunternehmen Gruber (160 Mitarbeiter) wissen um die Probleme von Betriebsverlagerungen und haben deshalb schlicht "keine Lust mehr" auf Produktionsstätten in EU-Hochfördergebieten. Sie produzieren deshalb ausschließlich in Sonnefeld, mit all den Vorteilen (hohe Produktvielfalt, schnelle Reaktionszeit bei Problemen), aber auch Nachteilen wie das hohe Lohnniveau im Vergleich zu ausländischen Produktionsstätten.


Darauf kann man stolz sein

Mit dieser Einstellung sieht der Landrat die Familie Wolf als typischen Vertreter für das Coburger Land: "Die, die durchhalten, sind die Familienbetriebe." Deshalb sei es auch Aufgabe des Landkreises, "seine" Unternehmen im Rahmen der Möglichkeiten zu unterstützen. "Denn auf unsere Polstermöbelhersteller", betont Wirtschaftsförderer Schmitz, "können wir immer noch stolz sein".
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