Coburg
Gutachten

Coburger Stadt-Wandel gestalten

Zuwächse im Onlinehandel, kaum mehr Haushaltswarengeschäfte in den Innenstädten: Solche Entwicklungen gibt es überall. Coburg will darauf reagieren und schreibt deshalb sein integriertes Stadtentwicklungskonzept für den Bereich Einzelhandel/Nahversorgung fort.
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Foto: privat
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Das Paradebeispiel ist die Ketschenvorstadt: "Es ist erfreulich, wenn das, was man erarbeitet hat, Wirklichkeit wird", sagt Professor Walter Ackers (Braunschweig). Er erstellte mit seinem Team 2007/08 das "Integrierte Stadtentwicklungskonzept" (Isek) für Coburg, und darin waren die Entwicklungsleitlinien für den Innenstadtbereich südlich des Marktplatzes festgehalten. Vieles davon wird umgesetzt: Die Quartierstiefgarage ist im Bau und soll in diesem Jahr noch fertig werden; die Wohnbau saniert alte und errichtet neue Wohnhäuser. Auch darumherum hat sich viel getan. "Wir hoffen, dass es uns gelingt, für die anderen Bereiche analoge Konzepte zu entwickeln", sagt Ackers.

Sein Städtebau-Büro soll nun das Isek für den Teilbereich Einzelhandel/Nahversorgung fortschreiben. "Städtebauliches Einzelhandelsentwicklungskonzept" nennt sich das, "Erstellen eines nachhaltig geprägten Maßnahmenkonzepts für Coburg als attraktive Einkaufsstadt mit Atmosphäre und typischem Ambiente", lautet der Arbeitsauftrag. Daran arbeitet neben Ackers Büro die Cima Beratung + Management GmbH mit dem Schwerpunkt Einzehandel.

Es geht aber nicht um Handel allein, wie Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) und Ackers im Pressegespräch am Mittwoch betonten: Handel, Gastronomie, Dienstleistungen und Wohnen sollen sich in der Innenstadt wiederfinden. Dass das nicht immer reibungslos funktioniert, weil die Interessen der verschiedenen Nutzergruppen (Anwohner, Kunden, Kneipengänger) einander gelegentlich widersprechen, macht den Reiz der Innenstädte aus, ist Ackers überzeugt.

"Stadt wird durchhalten"

Auch, dass den Innenstädten die Einheitlichkeit der großen Einkaufszentren fehlt, die Läden und Gastronomiebetriebe unter einem Dach vereinen, sei eine Stärke, meint Ackers. "Die Einkaufszentren laufen jetzt. Aber in Amerika wurden die ersten schon geschlossen. Die Stadt hat Jahrhunderte durchgehalten und wird auch weiter durchhalten, das kann ich versprechen."

Doch der Wandel im Handel hat die Innenstädte ergriffen, nicht nur in Coburg. Der Online-Handel wird zunehmend zur Konkurrenz für Ladeninhaber, Geschäfte für Haushaltswaren und Porzellan finden sich immer seltener, auch wegen der Konkurrenz durch die Möbelhäuser. "Am Handel in den Innenstädten zeigt sich am ehesten, was die Bürger wünschen und wollen", sagt Ackers: Zwar möchten alle, dass die Geschäfte erhalten bleiben, aber gekauft wird woanders. Deshalb bezieht das Gutachten die Lauterer Höhe und andere Einkaufslagen ein. "Coburg kann nicht nur aus Innenstadt bestehen", sagt Michael Seidel (Cima).

Im ersten Schritt werden die Gutachter den Istzustand erfassen und analysieren. Dann folgt die Konzeptphase, die noch in diesem Jahr abgeschlossen werden soll. 100 000 Euro sind für die Fortschreibung des Isek im Haushalt eingestellt, einen Teil davon könne die Stadt über Städtebaufördermittel finanzieren, sagte Tessmer.
Dass die Stadt das Gutachten in Auftrag gegeben hat, sei als "starkes Signal" an den Einzelhandel zu werten, betonte Tessmer. Doch die Handlungsmöglichkeiten der Kommune seien begrenzt, erläuterte Michael Seidel: Sie könne nur die Rahmenbedingungen schaffen; "alles andere geht Handel, Gastronomie und Dienstleister an". Die müssten ihre Betriebe kundenorientiert gestalten.

Zweite Bürgermeisterin und Baureferentin Birgit Weber (CSU) wies ausdrücklich darauf hin, dass es sich um eine Teilfortschreibung des Isek handele. In anderen Bereichen dient das Werk von 2008 weiterhin als Arbeitsgrundlage, so bei der Entwicklung des Güterbahnhofs zum "Band der Wissenschaft, Technik und Design".


Hintergrund: Integriertes Stadtentwicklungskonzept

Anforderung Wenn eine Kommune in den Genuss von Städtebaufördermitteln kommen will, muss sie ein integriertes Stadtentwicklungskonzept (Isek) vorweisen. Deshalb die Stadt Coburg schon 2007 ein solches Konzept in Auftrag gegeben.


Umfang Das Coburger Isek beschreibt nicht nur, wie sich die Innenstadt an welchen Stellen entwickeln sollte, sondern bezieht auch die Stadtteile, die Gewerbegebiete und die Brachen ein.

Innenstadt Das Isek von 2008 nennt an erster Stelle das Areal der ehemaligen Hauptpost/Schlick als Entwicklungsgelände. Dort hat sich nichts getan, anders als in der Kuhgasse, die an zweiter Stelle steht: Hier, in der Ketschenvorstadt, liege eine große Entwicklungsfläche. Dort baut die Wohnbau eine Tiefgarage mit Läden und Wohnungen obendrüber. Das Isek von 2008 empfiehlt auch eine Umgestaltung der Steinwegvorstadt, allerdings ohne den Steinweg für Verkehr zu öffnen.

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