Coburg
Abriss

Coburger Schlachthof zu Staub und Dreck

Die Stallungen sind schon länger verschwunden, nun sind die Schlachthofgebäude an der Reihe. Was nicht unter Schutz steht, fällt.
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Abrissarbeiten am Coburger Schlachthof: Die Faszination der Baustelle. Foto: Simone Bastian
Abrissarbeiten am Coburger Schlachthof: Die Faszination der Baustelle. Foto: Simone Bastian
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Der Bagger schaufelt Trümmer in den Trichter des Schredders. Der schickt die kleingemahlenen Überreste von Beton, Ziegeln, Fliesen und was sonst noch an Bauschutt vom ehemaligen Schlachthof übrig blieb auf ein Förderband direkt in die Schaufel eines Radladers. Der schüttet den Abraum schließlich auf den großen Haufen, der sich auf dem Hof des früheren Schlachthofs auftürmt. Die Maschinen und andere Anlagenteile aus den Gebäuden wurden vor dem Abriss noch verkauft. Die ausgeweideten Gebäude werden nun abgerissen.

In den Hochzeiten des Schlachthofs wurden hier Woche für Woche hunderte Tiere geschlachtet - über 20 000 Rinder und 45 000 Schweine im Jahr. Trotzdem war er für die Stadt ein Zuschussbetrieb, mit rund 260 000 Euro jährlich. Die städtischen Metzger waren das Töten und Zerteilen der Tiere zuständig. Danach übernahmen fleischverarbeitende Betriebe die Rinder- und Schweinehälften. Zum einen waren das Metzgereibetriebe aus der Region, zu einem großen Teil aber ein großer Betrieb, der unter anderem eine bekannte Hamburger-Kette belieferte. Die Stadt schlachtete nur im Auftrag; die Tiere wurden von den Metzgern geliefert.

2013 wurde der Betrieb eingestellt. Anlass war nicht das Defizit, sondern die Tatsache, dass der bayerische Rundfunk berichtet hatte, dass dort Fleisch an Metzgereien abgegeben werde, das als "nicht für den menschlichen Verzehr geeignet" deklariert sei. Die Staatsanwaltschaft durchsuchte den größten am Schlachthof ansässigen Fleischbetrieb. Damit fiel der größte Abnehmer aus, der Betrieb stand zunächst befristet still. Doch die Bänder liefen nicht wieder an. Beim Prozess 2015 sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Schlachthofleiter von den Manipulationen wusste, auch, wenn er nicht daran beteiligt war. Alle Angeklagten erhielten Bewährungsstrafen.

Stehen bleiben soll nur das, was Denkmalschutz genießt. Dazu gehören das ehemalige Verwaltungsgebäude und die ehemalige Fleischhalle an der Schlachthofstraße 1, deren Fensterrahmen seit 1984 zugemauert sind.

Der ehemalige Schlachthof ist nun Teil des Entwicklungsgebiets "Band der Wissenschaft, Technik und Design". Hier, im nördlich gelegenen Teil des gesamten Gebiets, sollen sich hochschulnahe Institute und Unternehmen ansiedeln, sieht der Plan vor.
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