Verkehrsentwicklungsplan

Coburger Anwohner sind in Parkplatznot

Die Diskussion des Parkraumkonzepts offenbart ein Defizit an Stellplätzen für die Bewohner der Innenstadt. Aber die Miete dafür muss bezahlbar bleiben.
Auf dem Gemüsemarkt in Coburg sind immer alle verfügbaren Parkplätze besetzt. Foto: Nelly Ritz
 
Wohnen in der Stadt liegt im Trend. In den vergangenen Jahren ist die Nachfrage dafür stark angestiegen, Stadtplaner sprechen von einem "Boom" und "Run". Beredtes Beispiel dafür sind die Wohnungen in der Ketschenvorstadt. Wohnen in der Stadt belebt sie. Unbedingt damit verknüpft sind Stellplätze für die Anwohner.
Mehr und vor allem bezahlbare Stellplätze für ihre Wagen mahnten die etwa zwei Dutzend Teilnehmer des Bürgerdialogs am Mittwochabend im "Schlick 29" im Steinweg an. Verkehrs- und Stadtplaner stellten einerseits die aktuelle Situation dar. 3600 Stellplätze gibt es in der Coburger Innenstadt. Diese verteilen sich auf die Parkhäuser und Tiefgaragen, auf Plätze und Straßenränder, was im Vergleich mit anderen ähnlich großen Städten ein sehr guter Wert ist.


Doppelnutzung ausgereizt

In der jüngsten Vergangenheit hat die Wohnbau der Stadt - sie betreibt die Parkhäuser - im Parkhaus Zinkenwehr 200 Stellplätze zu Anwohner-Parkplätzen umgewidmet. Die Doppelnutzung der Parkplätze in den Straßen für Anwohnerparken nachts und zeitlich beschränktem öffentlichen Parkraum am Tage ist ausgereizt.


Auch ein paar Schritte laufen

Bewohner der Innenstadt, das wurde am Mittwochabend deutlich, würden auch einige hundert Meter zwischen Wohnung und Stellplatz akzeptieren und dafür auch 30 bis 40 Euro im Monat bezahlen. Aber dann sollte das lästige Suchen vorbei sein. Abhilfe schaffen könnte eine weitere Quartierstiefgarage, ähnlich wie jene am Albertsplatz.

In der Vergangenheit war dafür schon einmal der Gemüsemarkt nahe des Bürglaßschlösschens ins Gespräch gekommen. 125 Wagen auf zwei Etagen könnten dort im Untergrund parken.
Nach den Worten von Bürgermeisterin Birgit Weber (CSU) beherrsche die Frage "Wo kann ich parken?" den Verkehrsentwicklungsplan. Ziel der Stadtplanung sei es, den Fahrverkehr aus der Innenstadt zu verlagern und durch geschickte Steuerung und entsprechende Infrastruktur auch die Anforderung des Handels und der Bewohner zu erfüllen. Händler wünschten sich am Mittwochabend Kurzzeit-Parkplätze möglichst nahe am Geschäft.


Schnell mal das Auto abstellen

Je kürzer geparkt wird, desto weniger werden die Parkhäuser angefahren. "Wer nur schnell was erledigen will", so Harald Spath von der Münchner Ingenieurgesellschaft für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik, "der parkt in der Straße." Wird das Auto für maximal 30 Minuten abgestellt, so wählen zwei Drittel der Fahrer den Straßenrand oder öffentlichen Verkehrsraum, wie es offiziell heißt. Je länger geparkt wird, umso länger auch der Fußweg, so eine Erkenntnis der Befragungen im vergangenen Jahr.

Die Verkehrsplaner haben verschiedene Szenarien gedanklich durchgespielt, Vorschläge zu konkreten Handlungsweisen sind dies aber nicht. So könnten alle Bewohnerstellplätze in den Straßen aufgelöst werden, was mehr Kurzzeitstellplätze für Kunden und Besucher bedeute, aber auch etwa 2200 Autos mehr in der Innenstadt jeden Tag.


Ein Widerspruch

Möglichst viele Bewohnerstellplätze zu schaffen, würde den Verkehr wohl verringern. "Da weiß jeder, es ist wenig sinnvoll, einen Stellplatz im öffentlichen Straßenraum zu suchen, und fährt gleich in ein Parkhaus", so Spath. Im Idealfall erfolge der Umstieg dann in den Stadtbus oder aufs Fahrrad. Aus rein städtebaulichen Gründen könnten auch weniger Stellplätze in den Straßen ausgewiesen werden. Das wiederum widerspreche den Interessen von Bewohnern und Geschäftsinhabern.


Noch mehr in die Tiefe gehen?

Eine weitere Möglichkeit wären neue Parkhäuser und Tiefgaragen, etwa unter dem Gemüsemarkt, dem Schlossplatz oder auf dem Ketschenanger. Auch unter dem Parkplatz des Theaters an der Oberen Klinge gegenüber dem Kinderhaus seien 140 Stellplätze in der Tiefe machbar. Eine neue Gebührenstaffelung wäre schnell zu verwirklichen: Je näher am Zentrum, desto höher die Parkgebühr. Schließlich könnten ein engmaschiger Busverkehr mit P+R-Plätzen am Stadtrand und der Ausbau des Radwegenetzes Individualverkehr vermeiden. "Damit erreicht man aber auswärtige Besucher der Stadt wenig."

Fazit des Abends: Grund und Boden sind nicht vermehrbar, somit wird es nicht mehr Stellplätze in den Straßen geben können, und weitere Tiefgaragen kosten viel Geld.
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