Coburg
Vortragsreihe

Coburg unter dem Hakenkreuz: Behörden im Unrechtsstaat

Futter für Selbstdenker: VHS Coburg und Historische Gesellschaft starten eine Vortragsreihe. Der Schwerpunkt liegt auf der NS-Zeit.
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Naziaufmarsch auf dem Marktplatz. Quelle: Stadtarchiv Coburg
Naziaufmarsch auf dem Marktplatz. Quelle: Stadtarchiv Coburg
Wie muss man sich den Alltag in Deutschland in der "Epoche unter dem Hakenkreuz" vorstellen? Dieser Frage wollen VHS und Historische Gesellschaft nachgehen und mit der gleichnamigen Vortragsreihe die Forschungen zur Coburger Geschichte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts begleiten.


In den Vorträgen wird es also nicht um Coburg gehen - denn da wisse man noch nicht viel, erläutert Professor Gert Melville, Vorsitzender der Historischen Gesellschaft. "Wir können ja nicht das Ergebnis der Forschung, die gerade angefangen hat, vorwegnehmen." Melville ist gleichzeitig Sprecher der Historikerkommission, die dieses Forschungsprojekt begleitet, und es sind seine Kollegen aus ebenjener Kommission, die heuer und in den nächsten Jahren Vorträge halten werden. Die Idee dafür sei aus den Reihen der Kommissionsmitglieder selbst gekommen, betont Melville, "und zwar schon beim ersten Treffen".


Spielräume für Kommunen?

Professor Andreas Wirsching, Leiter des Instituts für Zeitgeschichte in München, wird am Donnertag, 13. Juli, den Anfang machen. Sein Thema lautet "Städtische Verwaltung und NS-Regime - Geschichte einer Kollaboration". Die Nationalsozialisten als Partei hatten 1933 deutschlandweit die Macht übernommen. Wirsching will zeigen, welche Handlungsspielräume die Kommunen in der NS-Zeit noch hatten und wie sie nutzten, "um zur Mobilisierung und Effizienzsteigerung der Diktatur beizutragen". Dieser Forschungsbereich sei relativ neu, sagt Melville.


Zwei, maximal drei Vorträge im Jahr wollen VHS-Geschäftsführer Rainer Maier und Gert Melville zum Thema anbieten. Es gehe darum, Coburg nicht isoliert zu betrachten, sondern allgemein die Wirkmächtigkeit des Nationalsozialismus. "Wir wollen die Leute erreichen mit Themen, die bewusst betroffen machen. Und gesicherte Fakten machen mehr betroffen als Meinungen darüber", ist Melville überzeugt.


Der zweite Vortrag in diesem Jahr ist auf den 10. November terminiert. Dann spricht Michael Stephan, Leiter des Stadtarchivs München, über "München - die Hauptstadt der Bewegung, die Hauptstadt des Erinnerns". Ort des Vortrags ist dann das Staatsarchiv in der Herrngasse; und spätestens dann soll auf den nächsten Termin hingewiesen werden. Melville will auch versuchen, weitere Experten zu finden, über den Kreis der sieben Historiker ind er Kommission hinaus. Entscheidend sei die wissenschaftliche Herangehensweise. "Wir wollen von Außen auf Coburg schauen", betont Melville.


"Wir füttern diejenigen, die selber denken wollen", sagt Rainer Maier. Bezuschusst wird die Vortragsreihe im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben", das auch ein Büro in Coburg unterhält. Zuschüsse von der Stadt gibt es nicht; auch der Etat für das Forschungsprojekt wird für die Vortragsreihe nicht angetastet.


Maier und Melville sind zuversichtlich, dass der 200 Personen fassende Rathaussaal am 13. Juli voll wird. Schon 100 Interessierte hätten sich allein bei der Historischen Gesellschaft gemeldet, sagte Melville.


Die Vortragsreihe "Epoche unter dem Hakenkreuz"

Anlass Coburg hatte schon 1929 eine nationalsozialistische Mehrheit im Stadtrat und ab 1931 einen Ersten Bürgermeister von der NSDAP. Etliche Einzelaspekte aus jener Zeit sind erforscht, aber nicht die fundamentalen Zusammenhänge, nicht die Frage, wie es dazu kommen konnte. Die Stadt hat im Frühjahr 2015 beschlossen, ein Forschungsprojekt "Coburg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts" aufzulegen, das auf vier Jahre angelegt ist und vom Institut für Zeitgeschichte betreut wird.

Kommission Der in Coburg lebende Historiker Gert Melville übernahm es, zahlreiche renommierte Fachkollegen für eine Kommission zu gewinnen, die das Forschungsprojekt fachlich begleitet.

Vortrag "Städtische Verwaltung und NS-REgime - Geschichte einer Kollaboration" ist der erste Vortrag in einer auf mehrere Jahre angelegten Reihe. Professor Andreas Wirsching (Institut für Zeitgeschichte) spricht am Donnerstag, 13. Juli, 19.30 Uhr, im Rathaussaal. Karten im Vorverkauf (Buchhandlung Riemann, VHS-Gebäude Löwenstraße 12) kosten fünf Euro, Abendkasse sieben Euro.
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