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Bewegendes Wiedersehen

Xavier Naidoo und Quartett machten am Freitagabend Station beim HUK-Open-Air-Sommer auf dem Schlossplatz. Für die Musiker war es ein Heimspiel, für das Publikum eine Party mit einem guten Bekannten, einem Freund.
Xavier Naidoo lässt gern mitsingen. Das kann sein Publikum auch. Die meisten Fans kennen seine Texte aus dem Effeff. Dass der Sänger eine Sonnenbrille trägt, hat nichts mit Affektiertheit zu tun, wie er in einem Interview einmal betonte, sondern mit einer übergroßen Lichtempfindlichkeit seiner Augen, die er von seiner Mutter geerbt habe. Fotos: RiegerPress
 

Sie hatten lange gewartet, viele waren schon gegen 18 Uhr oder früher auf den Schlossplatz gekommen und harrten aus. Die Konzertbesucher applaudierten Mic Donet im Vorprogramm - zu Recht. Gegen 21 Uhr kommt Xavier Naidoo auf die Bühne und weiß, was er zu tun und zu sagen hat. "Es kommt mir vor, als ob ich einen großen Teil von euch kenne." Jubel und Erinnerung an das Jahr 2008, als der Mannheimer Sänger etwa drei Monate in Stadt und Landkreis Coburg verbrachte und Spontankonzerte an unerwarteten Plätzen gab. Und dann sagt er noch einen richtigen Satz: "Im Sommer ist es hier einfach paradiesisch."

Dankeschön am Ballon


Ein Ballon steigt auf mit einem riesigen Band daran. "Danke" steht darauf. Ob der Sänger weiß, dass sich damit Angela und Peter Seifert für den kurzen Auftritt bei ihrer Silberhochzeit vor vier Jahren bedanken? Er singt inzwischen "Bevor du gehst". Die Arme fliegen nach oben. Der größte Teil des Publikums singt mit. Die Fans kennen alle Songs des Abends, denn Xavier Naidoo hat ein Best-of-Programm zusammengestellt, das auch auf seinem aktuellen Album, "Danke fürs Zuhören", zu finden ist. Nur ein Titel ist neu: "Deutschland ist noch nicht verloren". Damit bekräftigt der Mannheimer mit dem Vater aus Sri Lanka und der Mutter aus Südafrika, wie sehr er dieses Land liebt, in dem er geboren wurde, das "seine Schätze i n den Köpfen hat, das überleben wird, ob mit oder ohne Euro".
Er gibt den Xavier, den seine Freunde lieben. Mit dieser unverwechselbaren Stimme. Und doch ist etwas anders. Nicht die komplette Mannschaft der Söhne Mannheims steht hinter ihm, sondern nur noch vier, dafür aber exzellente, Musiker: Alex Auer an der Gitarre, Robbee Mariano am Bass, Neil Palmer am Keyboard und Ralf Gustke am Schlagzeug. Die Musik ist immer noch sehr emotional, aber hier und da bricht etwas aus der Band heraus. Da produziert sich Alex Bauer in atemberaubenden Gitarren-Soli, da wird gesampelt, was das Zeug hält und in Drum'n-Bass-Manier neu interpretiert.
Mag sein, dass nicht alle Xavier-Naidoo-Fans davon begeistert sind, weil sie vor allem das Emotionale an ihm mögen. Doch gerade der Wechsel zwischen Baladeskem, Hip Hop, Reggae und harten Beats machen das Programm auch für solche Zuhörer interessant, die den Mannheimer bisher als eintönig und zu beseelt empfanden. Aber er hat eben auch "Mut zur Veränderung", denn "Alles kann besser werden". So kommen solche Titel wie "Dieser Weg" und "Ich kenne nichts (das so schön ist wie du)" in kraftvoller, überarbeiteter Version. Bei Letzterem singen sogar gestandene Männer laut mit. Xavier Naidoos Angebot, es für ihre Liebste auf der Bühne zu tun, nehmen sie indes nicht an. Zum Glück.
Zwischendurch gibt es wieder Erinnerungen an das Campen im Wohnwagen im Winter 2008, an das Frühstück, das jeden Morgen vor der Tür stand - von wem auch immer vorbeigebracht. An das gute Essen und an Fred (Raab). Auf den Zwischenruf "Bratwurst" reagiert der Sänger nicht. Er ist Vegetarier. Doch eine Liebeserklärung muss er noch loswerden. Nach Aufzeichnungen für die nächste Staffel von "The voice of Germany" sei er sehr müde gewesen, habe aber gewusst, dass nur eine Stadt ihn aufwecken könne: Coburg. "Hier bin ich zu Hause." Das wollen alle gern glauben und singen mit bei "Was wir alleine nicht schaffen". Das ist dann schon eine Zugabe. Es gibt noch mehr und am Ende "Wenn ein Lied" in der bekannten Version. "Dieses Lied ist nur für dich, Coburg", ruft Xavier Naidoo, verneigt sich mit seinen Musikern nach rund zwei Stunden Konzert und geht.

Ärger um Konzertbeginn
Die Beschwerden kamen sofort, teilweise schon auf dem Schlossplatz, aber auch später über Facebook: Ein Teil des Publikums beklagte sich darüber, der er so lange auf Xavier Naidoo warten musste. Auf den Eintrittskarten habe bei Einlass 17.30 Uhr gestanden - zu früh, wenn die Vorband erst 19 Uhr oder sogar später beginnt, was auch nicht auf den Karten stand. Sebastian Badke vom Veranstal tungsservice Bamberg relativiert: "Es ist üblich bei Open-Air-Konzerten, vor allem wenn sie unbestuhlt sind, den Einlass zeitig zu machen. Viele Leute wollen sich einen guten Platz sichern." Außerdem habe der Konzertbeginn sowohl in den Medien als auch im Internet gestanden. "Und wenn da 19 Uhr steht und eine Vorgruppe spielt, dann kann man sich denken, dass der Haupt-Act später beginnt."

zum Thema "Coburger Open-Air-Sommer"

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