Stoschek: Ohrfeige für Coburg


, Freitag, 25. Mai 2012

Die Firma Brose hat gestern ihre Ausbaupläne präsentiert. Der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung machte dabei keinen Hehl daraus, dass die Entscheidung für Bamberg auch eine Entscheidung gegen die Vestestadt war.
Nein, Brose sagt dem Standort Coburg nicht "Auf Wiedersehen". Allerdings werden 350 Arbeitsplätze nach Bamberg verlagert, wo ein neues Kompetenzzentrum des Automobilzulieferers entsteht. Unser Foto zeigte den "Brose-Kreisel" an der Coburger Südzufahrt. Foto: Jochen Berger

Freud' und Leid lagen gestern rund 50 Kilometer auseinander. Während in Bamberg gejubelt werden durfte, dass die Brose-Unternehmensgruppe sage und schreibe 200 Millionen Euro in ein neues Kompetenzzentrum am Rande der Domstadt investiert (siehe dazu auch Seite 1), guckte man in Coburg, dem eigentlichen Stammsitz des Automobilzulieferers, in die Röhre.


Nicht 300, sondern 350 Arbeitsplätze nach Bamberg



Doch nicht nur das: War man bislang davon ausgegangen, dass 300 Arbeitsplätze von Coburg in das in Bamberg neu zu errichtende Gebäude verlagert werden, so wurde diese Zahl gestern sogar noch nach oben korrigiert. In den Ausführungen von Michael Stoschek, dem Vorsitzenden der Brose-Gesellschafterversammlung, war nunmehr von 350 die Rede.


"Unverantwortliche Ausgabenpolitik"



Michael Stoschek, dessen Verhältnis zum Coburger Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) als schwer belastet gilt, sprach aber nicht nur über Zahlen. So kritisierte er die "unverantwortliche Ausgabenpolitik" von Kastner. Diese habe bewirkt, dass die über viele Jahre einkommensstärkste Stadt Bayerns jetzt keinen Spielraum mehr für Zukunftsinvestitionen habe, so Stoschek.


Zu viel Geld ausgegeben



Er, Stoschek, sei "sehr sehr enttäuscht" über die Entwicklung Coburgs. Denn die Stadt hätte eigentlich "alle Chancen" gehabt. Doch der "unglaubliche Wohlstand" sei nicht für zukunftsfähige Investitionen genutzt worden. Stattdessen werde seiner Meinung nach zu viel Geld "für Personal, Sport, Soziales, Spaß und Spiel" ausgegeben.


Wirtschaftsfeindliches Coburg?



"Nicht nur Unternehmen müssen sich dem Wettbewerb stellen", führte Stoschek weiter aus, "sondern auch Kommunen und ihre Repräsentanten." Seine Schlussfolgerung daraus: "Insofern ist unsere Standortentscheidung ein Erfolg der Politik in Bamberg gegenüber dem Coburger Raum."


Keine Gegenliebe gefunden



Ihm persönlich, so sagte Stoschek auch, tue die für Bamberg und gegen Coburg getroffene Entscheidung "weh", schließlich sei er in der Vestestadt geboren. Gleichzeitig betonte er: "Ich habe versucht, etwas zur Verbesserung der Situation in Coburg beizutragen, habe aber keine Gegenliebe dafür erfahren."

Kastner sagt nichts dazu


Oberbürgermeister Norbert Kastner wollte sich am Freitag nicht zu den Stoschek-Vorwürfen äußern. Die Nachrichtenagentur dpa zitierte derweil in Bezug auf die Standort-Entscheidung von Brose zumindest den Coburger Stadtsprecher Michael Selzer - und zwar mit den Worten: "Die Entscheidung müssen wir so akzeptieren."
Gleichzeitig wies Selzer die Kritik, dass die Stadt Coburg zu wenig für die Wirtschaftsunternehmen tue, zurück. So gab er zu bedenken, dass eine Kommune viele Standortfaktoren gar nicht selbst beeinflussen könne, beispielsweise Autobahnbauten oder die ICE-Anbindung.


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