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Gerichtsverhandlung

Brand in Coburger Arztpraxis - Aussage des Hausarztes hilft nicht weiter

Ein Drogenabhängiger bricht in eine Arztpraxis ein, nimmt Medikamente, raucht und schläft ein. Als er wieder zu sich kommt, brennt es lichterloh.
Die akribische Arbeit der Brandermittler war der Schlüssel zur Festnahme des Angeklagten. Beim Brand am Ostersonntag 2016 war eine Arztpraxis am Ernstplatz in Coburg zerstört worden. Foto: Archiv/ChristianeLehmann
 
von KATJA NAUER
Ein 42-jähriger Drogenabhängiger aus dem Landkreis bricht in eine Coburger Arztpraxis ein, plündert den Medikamentenschrank, raucht eine Zigarette und schläft auf der Patientenliege ein. Als er wieder zu sich kommt, brennt es lichterloh. Nun musste sich der Mann vor dem Landgericht verantworten.


Ein Leben für Drogen

"Meine Hobbys waren meine Drogen", erklärt der 42-Jährige aus dem Landkreis Coburg auf die Frage des Vorsitzenden Richters am Landgericht, Christoph Gillot. Anfänglich habe er Cannabis konsumiert, später sei er auf Heroin als Hauptdroge umgestiegen. Auch Kokain, Marihuana, Crystal, das Sedativum Diazepam, den Heroinersatzstoff Methadon und das Schmerzmittel Fentanyl, ein chemisches Opiat, konsumierte der Mann, der nach eigenen Angaben seit 20 Jahren fast ausschließlich für seine Sucht lebte und keiner geregelten Arbeit nachging, mehr oder minder regelmäßig. "Ich habe aus meinem Leben nichts gemacht", gab er zu.

Im Februar letzten Jahres geriet der Mann zusammen mit einem Coburger Komplizen, der gemeinsam mit ihm auf der Anklagebank saß, ins Visier einer Schleierfahndung. Aus den Niederlanden wollten die beiden Männer Drogen über die Grenze nach Deutschland schmuggeln. Als die Polizisten die Coburger in einem Reisebus festnahmen, fanden sie neben 54 Gramm Heroin außerdem ein Bundeswehrkampfmesser mit einer feststehenden 14 Zentimeter langen Klinge bei dem 42-Jährigen. "Das war kein Küchenmesser zum Schmieren von Broten", sagte der zuständige Beamte aus.

Der gebürtige Kasache mit deutschem Pass ist polizeibekannt: Ein Jahr nach seiner Einreise im Jahr 1995 listete das Bundeszentralregister den ersten von insgesamt 20 Einträgen mit Vergehen wie Diebstahl, Sachbeschädigung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mit Bedrohung, Beleidigung, Körperverletzung und Hausfriedensbruch sowie unerlaubte Einfuhr, Erwerb und Besitz von Betäubungsmitteln auf. Dabei wurde der Mann neben Geldauflagen auch zu Bewährungs- und Freiheitsstrafen verurteilt. Weil er immer wieder straffällig wurde, musste der Mann seine Bewährungsstrafen schließlich in der Regel auch absitzen. Auch mehrere Therapien schloss der 42-Jährige ab - allerdings ohne langfristigen Erfolg. Seit seiner Festnahme und der anschließenden Unterbringung in einem Bezirkskrankenhaus im April letzten Jahres sei er nun allerdings "sauber", erklärte er. "Ich will die Kurve kriegen."


Polizist: Gute Spurenlage

Am Karsamstag im Jahr 2016 stieg der Mann unter Drogeneinfluss in die Praxis seines ehemaligen Hausarztes am Ernstplatz ein, entwendete Bargeld aus einer Geldkassette, entnahm den Schränken Medikamente und spritzte sich diese. Dann will er sich zum Rauchen auf eine Patientenliege gelegt und eingeschlafen sein. Als er erwachte, stand die Praxis in Flammen. Der 42-Jährige entkam durch ein Fenster, das er angeblich zuvor mit einem Klappmesser aufgehebelt hatte. Ein mit der Spurenermittlung betrauter Polizeibeamter erinnert sich: "Gegenstände lagen herum, gebrauchte Spritzen, blutige Taschentücher, aufgebrochene Ampullen mit Drogenersatzstoffen. Das war eine gute Spurenlage für uns." Die Beweise führten die Polizei schließlich zu dem Angeklagten, der die Tat auch unumwunden zugab.

Die Aussage des Hausarztes bringt kein Licht ins Dunkel der vielen Ungereimtheiten in dem Fall. Vor viereinhalb Jahren sei der 42-Jährige das letzte Mal in seiner Praxis gewesen, sagte der Doktor.


Arzt: Nur Kreislauftropfen

Damals habe er ihn aus seinen Räumen gewiesen, weil er Suchtmittel hatte haben wollen und ihn auch bedroht habe. Erst am Gründonnerstag im Jahr 2016 habe der Mann erneut auf der Matte gestanden: "Er wollte ein Beruhigungsmittel, ein Schlafmittel", erklärte der Arzt. Der Behauptung des Angeklagten und einem polizeilichen Ermittlungsprotokoll zum Trotz will der Arzt dem Mann jedoch kein Diazepam, sondern harmlose Herz-Kreislauftropfen verabreicht haben. Richter Christoph Gillot und Staatsanwältin Jana Huber hakten mehrfach nach. Huber ließ deshalb diese Aussage des Arztes schriftlich protokollieren.

Ein Sachverständiger des Landeskriminalamts erläuterte, der 42-Jährige hätte das Fenster zur Praxis nicht mit einem Klappmesser aufhebeln können, wenn es richtig geschlossen gewesen sei. Der Hausarzt konnte auch diese Frage nicht klären: Für ihn war es undenkbar, dass das Fenster geöffnet gewesen sein könnte. Auch Geschenke in Form von Wein habe er von seinem Patienten entgegen dessen Behauptungen nie bekommen, sagte er. Die Schäden in seiner Praxis bezifferte er auf 120 000 Euro. Davon habe die Versicherung zwei Drittel erstattet.
Das Urteil wird am Montag veröffentlicht.
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