Ich willige einX

Diese Website verwendet das Besucheraktions-Pixel von Facebook für statistische Zwecke. Mit einem Cookie kann so nachvollzogen werden, wie unser Marketing auf Facebook wirkt und wie wir es verbessern können. Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihr Einverständnis hierzu erteilen. Eine genaue Beschreibung zum „Besucheraktions-Pixel“, zu Cookies im Allgemeinen und Ihrem Widerspruchsrecht, das Sie jederzeit ausüben können, steht Ihnen in unserer Datenschutzerklärung unter hier zur Verfügung.

Region  // Coburg

Netzwerk

Beruf und Pflege vereinbaren - das soll in Coburg funktionieren

Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Pflege widmet sich das neue audit-Netzwerk Coburg.
Wo sonst Ehen geschlossen werden, gaben gestern acht Partner ihr Jawort zum audit-Netzwerk Coburg, um die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege in der Region voranzubringen. Foto: Bettina Knauth
 
von BETTINA KNAUTH
Kinder und Beruf miteinander vereinbaren, das wird inzwischen den meisten Arbeitnehmern ermöglicht. Doch wie reagieren Arbeitgeber, wenn ihr Mitarbeiter plötzlich einen nahen Angehörigen pflegen muss? Vertrauen sich die Betroffenen überhaupt ihren Vorgesetzten und Kollegen an? Und gibt es Lösungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege, von denen alle profitieren können?

Diesen Fragen widmet sich das neue audit-Netzwerk Coburg, das sich gestern bei einem Pressegespräch im Bürglaßschlösschen präsentierte. Mit vielfältigen Aktionen möchten die acht Netzwerkpartner in diesem Jahr ein Bewusstsein für das Thema Angehörigenpflege schaffen und unterstützende Maßnahmen aufzeigen. Ihre Botschaft: "Es muss Beruf und Pflege heißen, nicht Beruf oder Pflege!"


Alle Netzwerkpartner wurden bereits zertifiziert

Ob AOK Bayern, Brose Gruppe, HABA-Firmenfamilie, Hochschule Coburg, HUK-Coburg, Sparkasse Coburg-Lichtenfels, Stadt oder Landkreis Coburg: Alle Netzwerkpartner wurden bereits mit dem Audit "Beruf und Familie" zertifiziert. Nun wollen sie sich gemeinsam der Zukunftsaufgabe Angehörigenpflege stellen. "Wir können das Problem gar nicht allein lösen", sagte Michael Daniel, Leiter Personal der Brose Gruppe.
Initiatorin Tanja Bächer-Sürgers (Gleichstellungsbeauftragte des Landratkreises Coburg) möchte das Thema in die breite Öffentlichkeit tragen, damit möglichst viele von der Arbeit des Netzwerks profitieren können. Pauschallösungen, das machte Christian Gebner (AOK Bayern) deutlich, kann es bei diesem individuell geprägten Thema nicht geben.

Pflege und Beruf unter einen Hut zu bekommen, ist eine Herausforderung, der sich immer mehr Arbeitnehmer plötzlich und oft langfristig stellen müssen. Von über 2,5 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland würden über 70 Prozent häuslich gepflegt, berichtete Oliver Schmitz, Geschäftsführer der berufundfamilie Service GmbH, die durchschnittliche Pflegedauer betrage 8,2 Jahre. Bereits jeder 17. Erwerbstätige pflege einen Angehörigen. Nicht selten bringt die Doppelbelastung die Betroffenen an ihre Grenzen, besonders wenn sie beide Bereiche schlecht miteinander vereinbaren können. "Nur die wenigstens sprechen offen mit ihrem Arbeitgeber über ihre Situation", schilderte Schmitz, aus Sorge um ihren Arbeitsplatz, Angst vor mangelndem Verständnis der Vorgesetzten oder weil ihnen das Thema als zu persönlich erscheine. Schmitz bezeichnete die "Enttabuisierung" des Themas als zentrale Aufgabe der Unternehmen, wenn die Vereinbarkeit gelingen soll: "Eine pflegesensible Personalpolitik beginnt mit kleinen Schritten und verlang eine nachhaltige, aktive Unterstützung der pflegenden Beschäftigten."

Hier setzen die Netzwerkpartner an: Bei Brose etwa stehen den Mitarbeitern verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, vom Schieben des Schichtdienstes über Homeoffice und Tagespflegeplätze bis hin zur Auszeit (Sabbatical). Auch bei HABA müssen z.B. betroffene Mitarbeiter an bestimmten Schichtzeiten nicht teilnehmen. Geschäftsführer Harald Grosch bezeichnete es als besondere Herausforderung Führungskräfte wie Mitarbeiter mitzunehmen, gerade weil es gelte "nicht mehr alle Mitarbeiter gleich zu behandeln". Grosch wies auch auf die "unglaublich hohe mentale Belastung" der Arbeitnehmer hin: "Darauf müssen wir uns einstellen."

Schmitz ergänzte: "Kinder machen Freude, aber wenn man seine Eltern bettlägerig oder dement sieht, ist das eine ganz andere Herausforderung." Coburgs Oberbürgermeister Norbert Tessmer (PSD) sieht "gerade die Menschen zwischen 50 und 60" gefordert: "Viele stehen im Spannungsfeld zwischen Kindern, die beruflich noch nicht gefestigt sind und Eltern, die Hilfe bedürfen." Direktor Gebner versprach das Knowhow der AOK zur Verfügung zu stellen, um für Entlastung der Pflegenden zu sorgen. Deren Belastung gelte es zunächst einmal wahrzunehmen, meinte Prof. Dr. Jutta Michel, Vizepräsidentin der Hochschule Coburg.

Während Studenten mit kleinen Kindern entlastet würden, sei die Pflege von weiteren Angehörigen bisher nicht formalisiert. "Das müssen wir individuell hinbiegen", so Prof. Michel. Flexible Lösungen bietet auch die Sparkasse an, mit Altersteilzeiten oder Freizeit statt einem 14. Gehalt. Für Vorstandsmitglied Dr. Martin Faber ist das Verständnis für Pflege eine "Frage der Unternehmenskultur", ein entsprechendes Bewusstsein sei unerlässlich. Mit Teilzeitlösungen selbst für Führungskräfte hat die HUK-Coburg gute Erfahrungen gemacht. Es sei wichtig, dass die Mitarbeiter auch in schwierigen Situationen ihre Aufgaben weiter wahrnehmen könnten, betonte Vorstandsmitglied Sarah Rössler. "Ich weiß ich könnte, wenn ich es bräuchte": Schon das Angebot motiviere Mitarbeiter und steigere die Attraktivität eines Arbeitgebers, fasste Schmitz zusammen.

"Der Bedarf ist enorm", stellte eingangs Landrat Michael Busch fest. Das habe sich bereits in den 5 Jahren des gemeinsamen Pflegestützpunktes von Stadt und Landkreis Coburg gezeigt. Wie dieser erste Stützpunkt in Bayern soll auch das neue Netzwerk Vorbildcharakter über die Region hinaus haben. "Im Netzwerk sind wir noch stärker", sagte Tessmer. Dem langjährigen Sozialreferenten liegt das Thema Arbeit und Pflege besonders am Herzen. Die einzelnen Bausteine des Projekts stelle Susanne Müller (Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Coburg) vor. Noch im März startet die Reihe der monatlichen Aktionen, mit dem VHS-Kinofilm "Die Geschwister Savage" (15./16.03. jeweils 20.15 Uhr im Utopolis). Es folgen Fachvorträge, Seminare, eine Wanderausstellung und eine Autoren¬lesung. Gemeinsam mehr bewegen, Ideen teilen und Nutzen steigern: Dieses Motto möchten die acht Netzwerkpartner verwirklichen.

An das Pressegespräch schloss sich ein Netzwerktreffen der berufundfamilie Service GmbH in "Leise am Markt" an. Hier präsentierten die Kooperationspartner Einzelheiten ihrer Initiative "Zwischen Beruf UND Pflege muss kein Oder!" und stellten beispielhafte Maßnahmen in der Kinderbetreuung, für Teilzeit- und Schichtarbeit sowie Übergangsmodelle in den Ruhestand vor.


noch Zeichen



Bitte melden Sie sich an, um kommentieren zu können:

Sie sind noch nicht registriert? Bitte hier registrieren.