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Prozess

69-jähriger Bad Rodacher bleibt in der Psychiatrie

Ein Mann, der seine Frau mit einem Brotmesser massiv im Gesicht verletzt hatte, bleibt im Bezirkskrankenhaus Bayreuth.
Vor dem Landgericht Coburg erging das Urteil gegen einen 69-Jährigen, der seine Frau schwer verletzt hatte. Der Mann gilt aufgrund einer bipolaren Störung als schuldunfähig.Barbara Herbst/Archiv
 
von KATJA NAUER
Laut Oberstaatsanwalt Martin Dippold leidet der 69-Jährige Mann, der in einer Januarnacht seine Ehefrau mit dem Messer massiv im Gesicht verletzt hat, an einer fortschreitenden Demenz und einer bipolaren Störung. Seine Steuerungsfähigkeit war deshalb aufgehoben. Das hätten die Gutachten ergeben, erklärte er in seinem Plädoyer.
"Der Schnitt war zwölf Zentimeter lang und ein, zwei Zentimeter tief, aber potentiell tödlich, weil in diesem Bereich die Gesichtsschlagader verläuft", erklärte er weiter. Dippold ging davon aus, dass der Mann nicht nur eine, sondern mehrere Stichbewegungen mit dem 30 Zentimeter langen Brotmesser in Richtung seiner Partnerin machte. "Es war mehr oder minder Zufall, ob er Gesicht oder Hals trifft." Der Oberstaatsanwalt hält den Mann aus Bad Rodach, der bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht strafrechtlich in Erscheinung trat und aufgrund seiner Krankheit als schuldunfähig gilt, für gefährlich und weitere gleichartige Taten in Zukunft nicht für ausgeschlossen. Der Mann müsse zum Schutz vor der Allgemeinheit in einem geschlossenen psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden, argumentierte er.
Der 69-jährige Rheinländer war schon mehrfach in verschiedenen Kliniken zur Therapie und hatte zur Tatzeit seine Medikamente nicht genommen. Am 15. Januar 2017 kam es in der Wohnung des Ehepaares in Bad Rodach mehrfach zum Streit. "Um fünf Uhr früh fasste der Mann den Entschluss, seine Ehefrau umzubringen", sagte Dippold. Mit den Worten "jetzt mache ich mit dir Schluss", habe er im Schlafzimmer seiner Ehefrau mit einem Brotmesser, dass er zuvor aus einem Messerblock aus der Küche geholt habe, auf sie eingestochen. Bis zu diesem Zeitpunkt geht der Oberstaatsanwalt von einem direkten Tötungsvorsatz des 69-Jährigen aus. "Erst als er erkannte, dass seine Ehefrau blutete, hat er von der Tat Abstand genommen." Der Mann rief den Notdienst: Ein abgehörtes Telefonat mit der Rettungsleitstelle habe ergeben, so Dippold, dass er kurz nach der Tat doch sehr besorgt um seine Ehefrau gewesen sei.


Nicht in die Wohneinrichtung

Bereits die Mutter des 69-Jährigen habe an einer bipolaren Störung gelitten, erklärte der Beschuldigte. Er gab die Tat weitgehend zu und bestritt lediglich den Tötungsvorsatz. Auch am zweiten Verhandlungstag entschuldigte er sich erneut bei seiner Ehefrau. Zurzeit ist der Mann im Bezirkskrankenhaus in Bayreuth untergebracht. Dort will er auch bleiben und nicht - wie vom Gericht und seinem gesetzlichen Betreuer vorgesehen - in eine geschlossene Heimeinrichtung zur weiteren Betreuung und Therapie umziehen. Dafür, so ließ er über seinen Anwalt, Albrecht Freiherr von Imhoff, verlautbaren, würde er sogar auf eine eventuelle Bewährungsstrafe verzichten. Keinesfalls wolle er in die geplante Wohneinrichtung nach Naila umziehen, erklärte der Beschuldigte vehement. Dort werde er bei der Therapie nicht mitarbeiten. "Das ist unmenschlich...", äußerte er sich, "dann bringe ich mich um."
Sein Anwalt sah den Tötungsvorsatz als nicht nachgewiesen. "Hätte mein Mandant seine Frau umbringen wollen, wäre er ganz anders vorgegangen", sagte er. "Dann hätte er einfach zugestochen." Noch vor der Urteilsverkündung erklärte der 69-Jährige ausdrücklich, die "ganze Sache noch einmal aufrollen" zu wollen. "Ich werde in Revision gehen", sagte der Mann, "ich bin nicht so, wie Sie mich einschätzen." Das Gutachten stimme nicht: Er tue niemanden etwas zu Leide.
"Der Angeklagte ist schuldunfähig und kann deshalb nicht bestraft werden", sagte der Vorsitzende Richter am Landgericht, Christoph Gillot, bei der Urteilsverkündung. Wenn jedoch nicht gewährleistet sei, dass der 69-Jährige seine Medikamente vorschriftsmäßig nehme, sei er eine Gefahr für nahe Bezugspersonen. "Dann kann so etwas wieder passieren und es ist nicht ausgeschlossen, dass ein Mensch zu Tode kommen kann", erklärte er.
Zu dem Beschuldigten sagte er: "Sie haben betont, dass Sie ein herzensguter Mensch sind, der niemanden etwas zu Leide tut. Davon geht die Kammer aus." Allerdings sei es trotzdem zu einer solchen Tat gekommen. Diese sei - und davon ist die Erste Große Strafkammer überzeugt - auf die psychische Krankheit des Mannes zurückzuführen. "Deshalb ist die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus die logische Konsequenz." Die ordneten die Richter dann auch an. Weiterhin muss der 69-Jährige die Kosten des Verfahrens tragen.
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