Porträt

FW-Kandidat Enz: "Politiker streiten zu wenig"

Der Höchstadter Christian Enz möchte für die Freien Wähler in den Bundestag einziehen. Er fordert eine Grundrente.
Christian Enz tritt als Direktkandidat der Freien Wähler im Wahlkreis Erlangen an. Er will im Wahlkampf über Themen diskutieren. Foto: Andreas Dorsch
 
Mit ihm Politik zu machen, ist nicht einfach. Das sagt Christian Enz über sich selbst und schiebt hinterher, dass das auch seine Kollegen in der eigenen Gruppierung immer wieder zu spüren bekommen.

Der 37-Jährige, der seit einigen Jahren in Höchstadt lebt, will für die Freien Wähler in den Bundestag. Nach Jahren in der Marketingabteilung der Kreissparkasse Höchstadt wechselte er kurz vor deren Fusion mit der Sparkasse Erlangen in die Zentrale eines überregionalen Automobilclubs mit Sitz in Bad Windsheim und ist dort für Marketing und Vertrieb zuständig.

Enz ist soweit Realist, dass er die Chancen der Freien Wähler, die Fünf-Prozent-Hürde bei der Bundestagswahl zu schaffen, als nicht sonderlich hoch einschätzt. Trotzdem steht der 37-Jährige voll hinter seiner Kandidatur. So könne er Themen, die für ihn wichtig sind, platzieren und sich darüber auch mit den politischen Gegnern auseinandersetzen.

Für Enz wird heute unter Politikern generell zu wenig gestritten. "Es fehlt vor allem der thematische Streit." Der Kandidat fordert mehr Professionalisierung in der Politik. Kompetenz und Vorwissen müssten bei der Besetzung von Stellen mehr Gewicht haben.

Weil man das nicht über die komplette Palette der politischen Themen haben kann, konzentriert er seine Arbeit auf den Schwerpunkt "Generationengerechtigkeit". Dahinter verbergen sich die Themenfelder Rente, Pflege und Finanzen. Enz: "Hier spielt die zentrale Zukunftsmusik. Es geht ums große Geld und um Themen, die weh tun."
Sein politisches Engagement startete Christian Enz schon als Schüler in der Realschule in Rothenburg, als er in der Schülermitverwaltung mitmachte. Später trat er in die Junge Union und die CSU ein und kandidierte 2002 bei der Stadtratswahl in Rothenburg. 2005 wechselte er zu den Freien Wählern in Rothenburg, kandidierte bei den letzten Kommunalwahlen erneut für den Stadtrat und den Kreistag Ansbach. "Das Interesse für die Kommunalpolitik war schon immer da", sagt Enz. Er ist überzeugt, dass man "auch als kleiner Nagel einen großen Hintern bewegen kann".

Den gelte es für ihn zu bewegen, denn man laufe auf einen großen Konflikt zwischen Jung und Alt zu. "Leute, die jetzt in den Ruhestand gehen, haben permanent über ihre Verhältnisse gelebt", blickt der FW-Kandidat zurück. "Die Gesellschaft hat sich über Jahre einen Lebensstandard geleistet, den sie nicht erwirtschaftet hat."

Trotz guter Wirtschaftsdaten sei der Staat von einem Schuldenabbau weit entfernt, stellt Enz fest. Für ihn läuft Geld in falsche Kanäle und nicht in die Schuldentilgung. "Wir brauchen eine gravierende Renten-, Sozial- und Steuerreform." Das dürfe aber nicht auf Kosten der nachfolgenden Generationen gehen.

Enz fordert, das Rentensystem von der Lebensarbeitsleistung abzukoppeln und eine Grundrente für alle einzuführen: "Ich will dafür sorgen, dass es allen gut geht und auch der Rentner seinen Lebensstandard halten kann." Für die Grundrente stellt sich Enz Zu- und Abschläge auf Basis der Lebenshaltungskosten vor, "eine Art Ortszuschlag".

Finanzieren würde er es zum Teil von der arbeitenden Bevölkerung mit 20 bis 25 Prozent des sozialversicherungspflichtigen Einkommens. Die Lücke sollte mit Steuergeldern gefüllt werden. Hier würde Enz eine Wertschöpfungssteuer einführen. Wird ein Handy in China billig hergestellt und bei uns teuer verkauft, müsste diese Differenz besteuert werden. Die Solidargemeinschaft zwischen Alt und Jung gelte es um die Unternehmen zu erweitern, fordert der Kandidat.

Enz sieht seine Gruppierung als "neue politische Mitte", weil sie den sozialen Ausgleich will. "Wir stehen heute da, wo die CSU vor 15 Jahren zu verorten war."

Auf die Frage nach seiner Zukunft in der Politik lässt sich Enz, der auch überregional gestalten möchte, augenzwinkernd nur entlocken: "Die Freien Wähler haben ihren Landtagskandidaten noch nicht nominiert."
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