Schlenkerla

Der Stehbierstau vor dem Schlenkerla in Bamberg: Helfen die Maßnahmen?

Ordnungskräfte und Piktogramme sollen den Stehbierstau vor dem Schlenkerla in Bamberg auflockern. Ob es was bringt? Erste Versuche machen Mut.
Am vergangenen Samstag hatten die Sicherheitskräfte die Lage im Griff: Rettungsseinsatz an der Engstelle zwischen Schlenkerla und Alt Ringlein.  Foto: MW
 
Es ist ein Symbolbild, wie man es wohl nur in Bamberg antrifft: Es zeigt zwei Arten von Menschen: Solche die am Rande einer Gasse stehen und solche, die sich in der Mitte aufhalten und durchgestrichen sind. Und auch wenn den Menschen auf den Piktogrammen ein wichtiges Detail fehlt, nämlich der Seidlakrug in der Hand, so scheinen sie doch ihre Wirkung nicht zu verfehlen.

Daran glaubt jedenfalls Matthias Trum, der Chef im Schlenkerla, der sich seit einiger Zeit mit dem Problem herumschlagen muss, dass der Raum vor seinem Gasthaus auf natürliche Weise begrenzt ist. Die aufgehängten Hinweistafeln sind ein Versuch, die Besuchermassen zu steuern. Denn es handelt es sich um keine gewöhnliche Zusammenballung. In der Dominikanerstraße lebt gewissermaßen die Bierseele Bambergs. Hier treffen sich zuletzt immer mehr Menschen, um der Geselligkeit und dem Gott des Gerstensaftes zu frönen. Mit bambergtypischen Folgen: Die Beliebtheit der Flaniermeile hat in den letzten Jahren, derart stark zugenommen, dass es einigen Bürgern zu viel wurde und sie sich bei der Stadt beschwert haben.

Man muss wissen: Die Rechtslage ist problematisch: Denn es gibt vor dem Schlenkerla weder eine Freischankfläche, noch ist der Alkoholkonsum an dieser Stelle der Stadt außerhalb von Freischankflächen erlaubt.
Umso bemühter sind alle Beteiligten, nun einen Kompromiss herbeizuführen, der den Frieden im Sand wieder herstellt. Wie dieser Bamberger Weg aussehen könnte, hat sich in den letzten Wochen bereits gezeigt. Es sind freundliche Herrn, die mit freundlichen Hinweisen versuchen, der zeitweiligen Verstopfung Herr zu werden.

Der Job der Stehbierstau-Aufpasser ist es gewissermaßen, für gegenseitige Rücksichtnahme zu werben: für das stark gewachsene Bedürfnis vieler Gäste, ihr Bier auf der Straße zu trinken, ebenso wie für den Wunsch der Passanten, ohne größere Wartezeiten durch die Straße zu kommen. Klappt das? Eine nicht ganz unkritische Situation am letzten Wochenende haben die uniformierten Sicherheitskräfte problemlos bewältigt. An diesem Abend war eine Person im Alt Ringlein zusammengebrochen. Den Ordnungskräften gelang es rasch, den Korridor für Notarzt- und Rettungswagen freizubekommen. Der Patient konnte ungehindert versorgt werden.

Viele Gäste der umliegenden Kneipen verstehen nicht, warum ein vordergründig so harmloses Verhalten wie das Stehbiertrinken eine derartige Debatte in Bamberg ausgelöst hat. Auch für Matthias Trum vom Schlenkerla ist das Ganze eher ein "Sturm im Wasserglas", von dem er hofft, dass er sich mit Hilfe "kommunikativer Lösungen" bald wieder beruhigen lässt. Es dürfe nicht dazu kommen, dass die Klagen weniger Querulanten, wie er sagt, dazu führen, dass Bamberg ein Stück Bierkultur weggenommen wird.


"Irgendwann wird es knallen"

Doch nicht alle würden dem hinterhertrauern. Rudolf Christel, der gleich gegenüber die Hotelgaststätte Alt Ringlein betreibt, steht dem "Hype" des Gassentrinkens skeptisch gegenüber. Zwar hofft auch Christel darauf, dass sich die Situation wieder entspannt. Allein ihm fehlt der Glaube. "Es ist Alkohol im Spiel. Irgendwann wird es knallen und dann ist das Geschrei groß", sagt Christel. Für ihn ist das Thema Sicherheit an der Engstelle ernst zu nehmen. "Wenn der Elisabethenplatz dicht ist, sind wir der einzige Zugang. "

Natürlich kann die Stadt in diesem Streit ihr Urteil nicht davon abhängig machen, wer nun in der Mehrheit ist - Biertrinker oder Passanten und Radfahrer. Sie ist an Recht und Gesetz gebunden. Der alt eingesessene Bamberger Georg Fößel hat deshalb wenig Verständnis dafür, wenn Kritiker des Stehbiertrinkens von der Stadt als Spielverderber bezeichnet werden. Aus seiner Sicht handelt es sich dabei auch nicht um eine alte Bamberger Tradition, sondern um einen modernen Trend - mit Folgen für die Sicherheit. Er sagt: "Wenn etwas passiert, hat die Stadt die Verantwortung. Denn sie hat jahrelang zugeschaut."
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