Plech
Vorübergehend geschlossen

Der Freizeitpark "Fränkisches Wunderland" bei Bayreuth hofft weiter auf ein Wunder

Es ist nicht lange her, dass im Fränkischen Wunderland Achterbahn und Märchenwald in Betrieb waren. Eigentlich sollte nur vorübergehend geschlossen werden.
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Seit Jahren steht der Betrieb im Fränkischen Wunderland im Landkreis Bayreuth nun still. Eigentlich sollte er nur vorübergehend geschlossen werden. Foto: Nikolas
Seit Jahren steht der Betrieb im Fränkischen Wunderland im Landkreis Bayreuth nun still. Eigentlich sollte er nur vorübergehend geschlossen werden. Foto: Nikolas
Spinnen tanzen auf dem Kassenhäuschen. Unkraut wuchert aus den Blumentöpfen. Wer das Fränkische Wunderland in Plech besucht, entdeckt eine Geisterstadt-Kulisse wie aus dem Bilderbuch. Die Parkplätze sind verwaist. An der Haltestelle hält schon lange kein Bus mehr. Seit drei Jahren hat der Freizeit-Erlebnispark an der Autobahn zwischen Bayreuth und Nürnberg nun schon geschlossen.

Die Nachbarn haben sich an die Ruhe in ihrer Umgebung immer noch nicht gewöhnt. "Ich würde mich freuen, wenn der Park wieder aufmacht. Das Wunderland gehört doch einfach zu Plech", sagt eine Frau, die früher nur in den eigenen Garten gehen musste, um das bunte Treiben im Märchenwald und in der Westernstadt mitbekommen zu können. "Mit den Kindern waren wir auch ein paar Mal da", erinnert sich die Nachbarin und überlegt, wie lange die Besuche wohl zurückliegen mögen. An Einzelheiten kann sie sich nicht mehr erinnern. Schön sei es gewesen. Ein bunter Spaß für die ganze Familie.


Das Fränkische Wunderland: Aus einer Welt vor Smartphones und Kabelfernsehen


1976 hat der Freizeitpark im Herzen der Fränkischen Schweiz eröffnet. Damals gab es weder Kabelfernsehen noch Computerspiele. Für Schulkinder gehörte das Smartphone noch nicht zur Grundausstattung. Dementsprechend begeistert ist das Publikum von den kleinen Abenteuerwelt an der Autobahn mit der Westernstadt und den echten Indianertänzen gewesen. "Für eine Gemeinde mit unserer Größe von rund 1300 Einwohnern hatte das Wunderland nicht nur eine große wirtschaftliche Bedeutung, sondern machte unseren Ort auch über die Region hinaus bekannt", erinnert sich Karlheinz Escher, Bürgermeister in Plech. In den guten Jahre ist seine Gemeinde durch das Wunderland in aller Munde gewesen. Die hohe Bekanntheitsgrad brachte dem kleinen Fremdenverkehrsort zusätzliche Gäste. Selbstverständlich sorgte der Park auch für Arbeitsplätze. "Der anfangs gute Gewerbesteuerbetrag ließ leider mit den Jahren nach", erinnert sich Escher an den langsamen Niedergang der Erfolgsgeschichte zurück. 2014 seien es immerhin noch rund 30 Jobs gewesen, die der Bürgermeister vergeblich vor dem Untergang retten wollte. Auch die aztekische Familie aus Mexiko, die in den Sommermonaten in Plech immer ihre Tänze aufführte, schaute nach dem Ende in die Röhre.


Das Inventar des Fränkischen Wunderlandes soll teilweise im Internet versteigert worden sein



Eigentlich sollte der Park nur vorübergehend für Modernisierungsarbeiten geschlossen werden. Doch daraus ist nichts geworden. Drei Jahre steht der Betrieb mittlerweile schon still. Zahlreiche Attraktionen sollen zwischenzeitlich im Internet versteigert worden sein. Vandalen haben dem übriggebliebenen Inventar offensichtlich den Rest gegeben. Eindringlich werden ungebetene Gäste vor dem Eindringen in das abgesperrte Areal gewarnt. Unerlaubtes Betreten werde mit einer satten Geldstrafe und lebenslangem Hausverbot geahndet, steht drohend auf den Hinweistafeln. Nach der Peitsche wird mit Zuckerbrot um Verständnis geworben. Ein "motiviertes Team" bemühe sich "tagtäglich", dem Park wieder Leben einzuhauchen, steht auf den Schildern an den Absperrgittern.
An diesem Samstag im August ist von diesem Bemühen vor Ort auf den ersten Blick wenig zu erkennen. Hinter dem Team steht Birgit Hübner, die sich seit Jahren vorgenommen hat, den Park mit neuen Ideen zu retten. An frischen Konzepten gefehlt hat es seitdem nicht. Für Veranstaltungen rund um das Thema Country und Western sind sogar schon wieder Gäste in Plech gewesen. Im Oktober ist mit einem Jeep-Treffen sogar ein neuer Event im Wunderland geplant. Über eine Kernfrage scheinen sich die neue Interessentin und die alten Eigentümer allerdings lange nicht einig geworden zu sein. Ein Verkauf des Geländes soll bislang noch nicht zustande gekommen sein.



Die Gemeinde um Bürgermeister Karlheinz Escher drückt umso mehr die Daumen, dass die einheimische Investorin den Kaufvertrag mit dem Sohn des Parkgründers bald endlich unter Dach und Fach bringen kann. "Ich hoffe natürlich, dass ihr das gelingt", sagt Escher vorsichtig optimistisch. Der Gemeinderat stehe jedenfalls geschlossen hinter dem Freizeitpark. Der Gemeinde gehört etwa ein Drittel der Freizeitpark-Fläche. Plech werde "alles tun", um die Wiederbelebung des Wunderlandes zu ermöglichen.



Fränkisches Wunderland


Erfolge: 1976 wurde das Fränkische Wunderland in Plech eröffnet. Märchenwald und Westernstadt zogen besonders viele Familie mit Kindern in den Freizeitpark. In den 90er Jahren kam eine Achterbahn als neue Attraktion hinzu. Zum 25-jährigen Jubiläum wurde ein Riesenrad im Wunderland in Betrieb genommen.

Niedergang : Zu Beginn des neuen Jahrtausends werden noch zahlreiche Neuerungen gefeiert. Aufhalten können neue Attraktionen den schleichenden Niedergang aber nicht. Spätestens ab 2010 häufen sich die kritischen und negativen Kommentare im Internet. In der Saison 2014 bleibt das Wunderland geschlossen. Zunächst werden Modernisierungsarbeiten als Grund angegeben. Mittlerweile will eine Investorin das Gelände erwerben und dem Wunderland neues Leben einhauchen.

Tipp: Auf Online-Plattformen kursieren zahlreiche Videos aus dem Wunderland. Nicht nur für Nostalgiker eine Klick wert. Hier kann man sich beispielsweise den berühmten "Indianer-Tanz" anschauen.
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