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Region  // Bayreuth

Förderung

Wie der Bayreuther Pornohändler von "Bayern Innovativ" gefördert wurde

Die Bayern Innovativ GmbH aus Nürnberg hat eine Online-Porno-Tauschbörse aus Bayreuth mit einem Innovationsgutschein gefördert - mit freundlicher Unterstützung des bayerischen Wirtschaftsministeriums.
Symbolbild: Marijan Murat,dpa
 
von JOCHEN NÜTZEL
"World of Entertainment" prangt auf dem Kopf der Homepage, darunter ein Laufband mit Kinoplakaten : Matthias Schweighöfer erwartet "Vaterfreuden", Sumpfmonster "Shrek" stapft durch den Morast, Angelina Jolie blickt böse als Hexe in "Maleficent". Alles Blockbuster, freigegeben ab sechs. Sexstreifen? Hardcore-Pornos gar? Ja, auch das gibt es. Ein Icon verweist auf das nicht jugendfreie Angebot hinter der Passwort-Schranke. Diese Filme haben eine besonders pikante Note: Der Verkauf und Verleih wurde gefördert mit freundlicher Unterstützung des bayerischen Wirtschaftsministeriums. Das haben Recherchen des Bayerischen Rundfunks ergeben.

"Ja, es stimmt, wir haben am 28. Oktober 2012 einen Innovationsgutschein von Bayern Innovativ bekommen", bestätigt der Geschäftsführer des Portals www.verleihshop.de aus Bayreuth ganz freizügig auf Anfrage von infranken.de. Der Gutschein ist sogar auf der Internetseite der Erotikplattform veröffentlicht. Die Bayern Innovativ GmbH in Nürnberg vergibt im Auftrag des Wirtschaftsministeriums diese Gründerzuschüsse. Die Philosophie dahinter: Gefördert werden kleine Unternehmen und Handwerksbetriebe, die mit neuen Ideen an den Start gehen wollen.

Was das Innovative an Sexfilmen ist? "Wir waren die ersten, die ein Portal eingerichtet haben, über das die Nutzer gezielt auch Erotikfilme ab 18 an- und verkaufen können", sagt der 37-jährige Geschäftsführer und ergänzt. "Alle anderen Portale, die mit Filmen handeln, sparen diesen Bereich bewusst aus." Im hart umkämpften Online-Markt müssten sich Neulinge entsprechend positionieren, um gegen Marktriesen wie Amazon bestehen zu können.

Mit offenen Karten gespielt

Der Geschäftsführer betont, er habe bei der Antragstellung stets mit offenen Karten gespielt. "Die Damen und Herren, die unser Anliegen geprüft und auch für gut befunden haben, wussten natürlich Bescheid, dass es bei uns auch um Erotikfilme für Erwachsene geht. Man hat uns gesagt, es dürfe für eine Förderung kein Ausschlusskriterium geben, so lange es sich um legale Filme handelt und die Weitergabe unter den strengen Anforderungen des Jugendschutzes gewährleistet ist. Das ist bei unserem Sortiment und unserem Geschäftsmodell der Fall." Die Nutzer müssten über diverse Zugangsvoraussetzungen überprüfbar nachweisen, dass sie volljährig sind.
Mittlerweile sei das Bayreuther Unternehmen zum größten Anbieter dieser Art in Deutschland aufgestiegen. Im Portfolio sind neben familientauglichen Streifen auch Video- und sogar Brettspiele. Über 100.000 Titel umfasse allein die Erotik-/Hardcore-Sparte. Die Onlinefilm-Plattform soll aus München mit 60 Prozent, aber maximal 18.000 Euro gefördert worden sein. "Die Summe hat uns sicher geholfen. Mittlerweile läuft das Geschäft sehr gut, wir haben allein aus Mehrsteuern den Beitrag dem Freistaat längst zurückgezahlt."

Das Antragsprozedere sieht vor, dass Startup-Unternehmen sich an die zuständige IHK wenden. Auf Anfrage teilte Wolfgang Bühlmeyer, Leiter des Bereichs Innovation & Umwelt bei der IHK für Oberfranken Bayreuth, mit: "Die IHK führt mit interessierten Unternehmen individuelle Beratungsgespräche durch. Der eigentliche Antrag für den Innovationsgutschein wird grundsätzlich vom Unternehmen selbst gestellt."

Ministerium: Kritik ist berechtigt

Aus dem Wirtschaftsministerium wurde eine schriftliche Stellungnahme verbreitet. "An der Förderung eines Unternehmens, das Erotikfilme an über 18-Jährige über eine Online-Plattform an- und verkauft, gibt es berechtigte Kritik. Diese Entscheidung wurde vor dem Amtsantritt von Staatsministerin Ilse Aigner vom Projektträger Bayern Innovativ in alleiniger Verantwortung getroffen. " Aktuell würden die Richtlinien für die Gutscheinvergabe überarbeitet, heißt es weiter in der Meldung.

Der Prokurist des Portals könne die Aufregung sogar verstehen, sagt er. "In Deutschland ist das Thema Pornografie eben eines, das die Gesellschaft spaltet. Ich finde die Diskussion ein Stück weit witzig - und einen Werbeeffekt haben wir so auch."


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