Absturz

US-Militärjet im Kreis Bayreuth stürzt ab - Experten suchen Ursache

Ein US-Militärjet ist am Dienstagvormittag gegen 9.30 Uhr im Kreis Bayreuth abgestürzt. Der Pilot des Jets konnte sich aus der Maschine retten. Inzwischen sind die Tanks der Maschine gefunden worden. Die Bergung des Flugzeugs wird wohl mehrere Tage dauern.
Foto: Florian Hartmann/dpa
 
von VANESSA SCHNEIDER
Über einem Waldstück im Grenzgebiet zwischen dem Kreis Bayreuth in Oberfranken und dem Kreis Neustadt an der Waldnaab in der Oberpfalz ist am Dienstagvormittag gegen 9.30 Uhr ein US-Jet abgestürzt. Dies bestätigte die Polizei auf Nachfrage von inFranken.de. Es handelt sich um eine Maschine des amerikanischen Militärs, Typ F16. Der Pilot konnte sich rechtzeitig retten. Experten bemühen sich nun, die Ursache für den Flugzeugabsturz zu finden.

Das Flugzeug stürzte in einen Waldabschnitt mit sehr unwegsamen Gelände. Das Gebiet ist in einem Umkreis von 600 Meter abgesperrt. Es wurde zum militärischen Sicherheitsbereich erklärt.


Flugzeugabsturz in Oberfranken: Experten suchen nach Ursache

An Bord haben sich der Raketentreibstoff Hydrazin sowie Kerosin befunden. "Es besteht Explosionsgefahr. Wir wissen noch nicht, was mit dem Treibstoff in den Tanks ist", erklärte ein Sprecher der Freiwilligen Feuerwehr Bayreuth gegenüber der Deutschen Presseagentur. Man habe das Wrack kontrolliert abbrennen lassen. Die Einsatzkräfte arbeiteten unter Vollschutz.


Militärjet stürzt im Kreis Bayreuth ab: Was ist die Ursache?

Feldjäger der Bundeswehr und Soldaten der US-Streitkräfte aus Grafenwöhr sind an der Unglücksstelle. Ersten Erkenntnissen zufolge war ein Triebwerkschaden die Ursache des Flugzeugabsturzes.


Augenzeugen mussten wegen Kreislaufproblemen versorgt werden

Der Pilot ist mit einem Rettungsfallschirm aus der abstürzenden Maschine gesprungen. Ein Passant fand den leicht verletzten Mann, der anschließend vom Notarzt versorgt worden ist. Zwei Augenzeugen mussten wegen Kreislaufproblemen ärztlich versorgt werden.

An Bord der Maschine haben sich sechs Übungsbomben befunden, bestätigte Michael Benz, Pressesprecher des Landratsamtes Bayreuth gegenüber inFranken.de. Als der Pilot bemerkte, dass der Absturz nicht zu verhindern war, habe er die sechs Übungsbomben und zwei Tanks abgeworfen.


Tanks wurden inzwischen gefunden

Von den Bomben gehe jedoch keine Gefahr aus. Sie bestehen größtenteils aus Beton und einem kleinen Zünder, damit der Pilot aus der Luft sehen kann, wo die Bombe niedergegangen ist. Sie wurden noch nicht gefunden.

Die Einsatzkräfte haben den Bereich großräumig abgesperrt, da der Jet womöglich noch Kerosin und Raketentreibstoff an Bord hatte. "Damit sind wir auf der sicheren Seite. In dem Sperrgebiet befinden sich auch keinerlei Gebäude", sagte ein Sprecher des Landratsamtes Bayreuth. Dennoch bestand längere Zeit Explosionsgefahr. Aus Sicherheitsgründen bittet die Polizei darum, den abgesperrten Bereich nicht zu betreten. Laut Angaben des Pressesprechers des Landratsamtes Bayreuth sind derzeit 300 bis 400 Einsatzkräfte an der Absturzstelle.

Nur Einsatzkräfte in Schutzanzügen durften sich nähern, Feldjäger schirmten die Absturzstelle ab, auch US-Soldaten sowie die Feuerwehr des Truppenübungsplatzes waren vor Ort. Zur Bergung des Wracks wurden weitere Spezialisten des US-Militärs sowie ein Bergungspanzer der Feuerwehr angefordert.
Die Tanks seien inzwischen gefunden worden, hieß es. Einer der Tanks war unbeschädigt, der zweite wies Beschädigungen auf, berichtete am Abend das Polizeipräsidium Oberpfalz. Zudem seien zwei Rauchkörper unmittelbar an der Absturzstelle gefunden werden. Der Verbleib der restlichen blieb zunächst ungeklärt.


Zusammenarbeit zwischen deutschen Einsatzkräften und US-Militär

Die Zusammenarbeit zwischen den US-Streitkräften, den deutsche Einsatzkräften und den deutschen Behörden vor Ort laufe gut, erklärte Pressesprecher Benz vom Landratsamt Bayreuth.

Wie das US-Militär mitteilte, war das Flugzeug am Morgen vom Stützpunkt Spangdahlem in Rheinland-Pfalz zu einem Übungsflug nach Grafenwöhr (Landkreis Neustadt an der Waldnaab) aufgebrochen. Die Maschine gehört dem 480. Kampfgeschwader an. Der Flug sei im Rahmen des regulären Übungsbetriebs absolviert worden.

Das Landratsamt Bayreuth hat ein Katastrophenteam gebildet. Ein "Katastrophenfall" wurde aber nicht ausgerufen. Der Landrat Hermann Hübner hat sich vor Ort über die Situation informiert.


Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr

Der Truppenübungsplatz Grafenwöhr in der Oberpfalz ist mit den benachbarten Standorten Vilseck und Hohenfels der größte Ausbildungsstandort der US-Armee außerhalb der Vereinigten Staaten. Fast 39 000 Soldaten und Zivilisten leben dort mit ihren Familien.

Errichtet wurde der Übungsplatz allerdings schon viel früher - und zwar von 1907 bis 1910 vom Königreich Bayern. Die Nationalsozialisten erweiterten das Militärgelände drastisch, so dass viele Familien umsiedeln mussten. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen die US-Streitkräfte den Truppenübungsplatz und veranlassten nochmals Umsiedlungen. Sänger Elvis Presley war in den 1960er Jahren hier einige Wochen zu einem Manöver stationiert. Gerade in Zeiten des Eisernen Vorhangs war das US-Militär sehr präsent in Deutschland, reduzierte dann nach dem Mauerfall seine Truppen drastisch. In Grafenwöhr üben inzwischen auch Soldaten der Nato-Partner. (dpa)


Wenn zwei Bezirke sich um einen Absturzort streiten

Nach dem Absturz eines US-Militärjets im Grenzgebiet zwischen den bayerischen Regierungsbezirken Oberfranken und Oberpfalz gab es am Dienstag stundenlang einen bizarren Streit um den genauen Absturzort. Behörden beider Bezirke reklamierten den Absturzort jeweils für sich. Am Ende brauchte es das Innenministerium in München, um hochoffiziell zu entscheiden, dass die Absturzstelle in Oberfranken liegt. Sogar Vermessungstechniker sollen im Einsatz gewesen sein, um das herauszufinden.

Zunächst hatte es geheißen: Die Oberpfalz ist zuständig. Darauf vertraute auch die dortige Polizei und gab eine entsprechende Meldung heraus. Dann kam die Wende: Nein, es ist doch der Landkreis Bayreuth - das sagte zumindest dessen Pressesprecher. Keine zehn Minuten später wandte sich erneut das Polizeipräsidium aus der Oberpfalz an die Presse: Die Oberpfalz ist zuständig, hieß es trotzig. Auf eine Nachfrage, was denn nun stimme, sagte eine Sprecherin: "Jetzt verwirren Sie mich auch." Das Innenministerium sprach schließlich ein Machtwort: Oberfranken ist zuständig. (dpa)

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