Bayreuth
Interview

"Schauen Sie einfach, vor welchem Wirtshaus die meisten Autos parken"

Franken hat auch abseits der Sterne-Restaurants kulinarisch viel zu bieten. Experte Frank Ebert empfiehlt, auch mal Neues auszuprobieren.
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Frank Ebert
Frank Ebert
Die fränkische Küche ist so vielseitig wie das Land. Frank Ebert, Geschäftsführer des Vereins Oberfranken Offensiv, erklärt, welche Vielfalt die Region kulinarisch bietet und warum es sich lohnt, über den Tellerrand hinaus zu blicken.

Was macht die fränkische Küche besonders?
Die fränkische Küche ist im Grundsatz "klassisch- facettenreich" und bis heute experimentierfreudig. In Pilgramsreuth im heutigen Landkreis Hof wurden die ersten Kartoffeln in Deutschland angebaut, eine Revolution vor 370 Jahren. Klöße sind folglich auch uns Franken zu verdanken. Soßenlebkuchen aus dem Fichtelgebirge haben die Sonntagsbraten neu interpretiert und Wiener Würstchen sind eine feine Kreation eines Metzgers aus der Fränkischen Schweiz - und heute weltbekannt. Wir Franken leben in keinem abgeschiedenen Alpental, in dem sich die Küche über die Jahrhunderte nahezu isoliert entwickelt und den harten Arbeitsbedingungen angepasst hat. Franken wird schon seit Jahrhunderten von Handelsrouten durchzogen, ob zu Land oder zu Wasser - zum Beispiel durch die Flößerei. Auch diese äußeren Einflüsse spüren wir noch heute. Kein Schäufele schmeckt frankenweit gleich, eine Biersoß´ ist regional total verschieden und der fränkische Sauerbraten wird allein in meiner Heimatstadt Kulmbach in den unterschiedlichsten Varianten zubereitet, ist aber immer super lecker.
Was empfehlen Sie kulinarisch Interessierten, die Franken entdecken wollen?
Fahren Sie an einem Sonntagmittag durch unser Franken, suchen Sie sich die kleinen Straßen. Die, die über die Dörfer führen und die Sie mal nicht kennen. Und dann schauen Sie einfach mal, vor welchem Wirtshaus die meisten Autos parken. Dort schmeckt es ganz sicher. Der Franke spricht da nicht groß drüber, er genießt eher im Stillen.

Was bringt die kulinarische Zukunft?
Wir sind Gott sei Dank im ständigen Wandel. Der fränkische Saibling schmeckt mittlerweile auch dem Salzkartoffelfan mit mediterranem Gemüse. Asiens tolle Knolle, der Ingwer, gehört längst zum festen Repertoire in heimischen Küchen und im Frankenwald grasen heute Rinder, die eigentlich aus den Highlands stammen. Der Franke ist weitaus weltoffener als sein Ruf. Das waren wir schon immer und sind wir immer mehr. Und doch wissen wir stets, wer und wo wir sind. Bei all den neuen Kreationen, die berechtigterweise Einzug halten.
Eine Kulmbacher Bratwurst ist und bleibt eine Kulmbacher Bratwurst - nämlich die beste der Welt. Dafür bin ich dankbar. Und auch dafür, dass sich über Geschmack bei uns so herrlich streiten lässt.
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