Nemmersdorf
Vergleich

Pfarrer vergleicht "Ehe für alle" mit Sodomie und Kindesmissbrauch

In einem Gemeindebrief hat der evangelische Pfarrer von Nemmersdorf die "Ehe für alle" mit Sodomie und Kindesmissbrauch verglichen. Nun drohen ihm Konsequenzen.
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Foto: Michael Reichel/dpa
Foto: Michael Reichel/dpa
Wegen einer umstrittenen "Andacht" im Gemeindebrief drohen dem evangelischen Pfarrer von Nemmersdorf (Landkreis Bayreuth) möglicherweise kirchenrechtliche Folgen. In seinem Artikel hatte Gemeindepfarrer Günter Weigel (54) scharfe Kritik an der derzeit diskutierten "Ehe für alle" geübt, mit der Teile der Politik die Gleichbehandlung von homosexuellen Paaren weiter vorantreiben wollen.

Die "Ehe für alle" würde nach Weigels Worten "in letzter Konsequenz" etwa eine Ehe zwischen Eltern und Kindern ermöglichen oder sogar von einem Menschen "mit seinem geliebten (Haus-)Tier", beispielsweise "mit seinem Hund, seiner Katze, seinem Pferd, seinem Schaf, seiner Kuh ". Weiter heißt es in dem Text: "Wie dekadent und pervers müssen einzelne Vertreter unserer Politik und Gesellschaft eigentlich sein, um auf solche Ideen und Forderungen zu kommen?" Eine Ehe, die nicht auf dem Grundprinzip zwischen einem Mann und einer Frau beruhe, "widerspricht dem ausdrücklichen Willen Jesu und steht nicht unter dem Segen Gottes", so der promovierte Theologe Weigel.

Von "bizarren Fantasien" des Gemeindepfarrers sprach am Dienstag der Sprecher der bayerischen evangelischen Landeskirche, Michael Mädler. Selbstverständlich könne man über die gleichgeschlechtliche Ehe aus theologischer Perspektive unterschiedlicher Auffassung sein. Diese Debatte müsse aber seriös geführt werden, nicht so "theologisch schmalbrüstig" und in dieser Form "schon gar nicht als geistliches Wort", sagte Mädler dem Evangelischen Pressedienst. Die Vorwürfe Weigels bezeichnete der Sprecher als eine "völlige Verzerrung" dessen, was von Politikern tatsächlich gefordert werde.

Der kurze Text aus dem "Nemmersdorfer Kirchenboten" beschäftigt nun die Juristen der bayerischen Landeskirche. Geprüft werde, ob der Gemeindepfarrer hier nach dem geltenden Dienstrecht gehandelt habe, so Mädler. "Dazu gehört zum Beispiel die Frage, inwieweit durch sein Tun die Einheit und Glaubwürdigkeit der Kirche befördert wird - oder nicht." Derzeit seien die unmittelbaren Dienstvorgesetzten im Gespräch mit dem Nemmersdorfer Pfarrer. Davon sei auch die weitere Entwicklung des Verfahrens abhängig.

Erst im Juni hatte der Bundesrat mehrheitlich einen Entschließungsantrag mit dem Titel "Ehe für alle - für eine vollständige Gleichbehandlung von gleichgeschlechtlichen Paaren" verabschiedet. Gegen den Antrag stimmte unter anderem der Freistaat Bayern. (01/2722/11.08.2015) epd/jgö
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