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"Bamberg zaubert": Magie unter seiner Regie

Zehn Jahre "Bamberg zaubert" in den Händen eines Magiers: Wir befragten Zyculus als künstlerischen Leiter zu den Anfängen, Erfolgen, aber auch Pleiten, Pech und Pannen, von denen das Publikum nichts mitbekam.
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Zyculus alias Markus Götz auf der Bühne. Aus Seifenblasen formt der Künstler filigrane Gebilde: "Luftschlösser zum Anfassen", wie er es nennt.  Foto: pr
Zyculus alias Markus Götz auf der Bühne. Aus Seifenblasen formt der Künstler filigrane Gebilde: "Luftschlösser zum Anfassen", wie er es nennt. Foto: pr
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Zyculus baut Luftschlösser aus Seifenblasen. Oder zaubert in klassischer Magier-Manier weiße Tauben aus dem Hut. Simsalabim! Vom Goldenen Künstlermagazin wurde der 36-Jährige gerade zum "Künstler des Jahres" gekürt. Indes lässt der kreative Kopf am "Bamberg zaubert"-Wochenende anderen den Vortritt, um hinter den Kulissen die Fäden zu ziehen. Wir sprachen mit dem gebürtigen Nürnberger, der in Kronach aufwuchs und mittlerweile in Würzburg lebt.

Zu wenig Zauberei bei "Bamberg zaubert"
InFranken: Zehn Jahre "Bamberg zaubert" unter Ihrer Regie: Wie veränderte sich das Festival seit damals?
Zyculus: Als ich einstieg, ging's kaum mehr um Zauberei, obwohl das Festival damit vor 15 Jahren am Gabelmann begonnen hatte. Es entwickelte sich jonglage- und kabarettlastig. Ich wollte zurück zu den Wurzeln, was sich auszahlte: Von vielleicht 30 000 Besuchern am Grünen Markt verfünffachte sich die Zahl auf geschätzte 150 000 im vergangenen Jahr - auf einem Festivalgelände, das inzwischen vom Katzenberg bis zur Hauptwachstraße reicht.

In welche Richtung möchten Sie das Festival weiterführen? Bauen Sie Luftschlösser wie auf der Bühne!
Eine solche Veranstaltung darf tatsächlich nicht auf der Stelle treten, da sich die Stadt, die Festivalbesucher und Künstler verändern. Beispielsweise könnte man "Bamberg zaubert" unter ein jährlich wechselndes Motto stellen - wie "Mittelalter". Viele meiner Hirngespinste habe ich übrigens verwirklicht, wie die Auftakt-Gala, die anfangs belächelt wurde.

Ihre Idee war das Varieté zum Auftakt?
Ja. Nachdem ich selbst Varietékünstler bin, wollte ich das Festival um diese Form der Bühnenunterhaltung bereichern. Anfangs sollte das Programm im Hegelsaal der Konzerthalle stattfinden, wobei viele zweifelten, ob man an einem heißen Sommerabend überhaupt 700 Besucher mobilisieren kann. Letztendlich mussten wir in den größeren Keilberth-Saal wechseln, weil meine Idee funktionierte. Und inzwischen kommen 2000 Besucher an drei Tagen ins E.T.A.-Hoffmann-Theater.

Requisiten als Sperrmüll abgefahren
Gab's in all den Jahren Pannen, die Ihnen als künstlerischem Leiter bis heute peinlich sind?
Ein akrobatisches Duo trat bei "Bamberg zaubert" mit faszinierenden Requisiten auf - alle in Blau. Danach ging's ins Welcome-Hotel zum Feiern. Nur hatten es die Künstlerkollegen so eilig, dass sie Leitern, Stühle, Koffer und anderes "kurz" vor dem Hotel stehen ließen - und vergaßen. Am nächsten Morgen: eine Riesensuchaktion mit dem Stadtmarketingteam, nachdem sämtliche Requisiten verschwunden waren. Man hatte sie nicht geklaut, wie wir vermuteten. Vielmehr war die Bamberger Sperrmüllabfuhr vorbeigekommen. Also alle zur Müllhalde, auf der man tatsächlich fündig wurde. Zu retten aber war nichts mehr.

Kulissenteile abgefackelt
Was war im vergangenen Jahrzehnt der heißeste Act von "Bamberg zaubert"?
Da fallen mir die Les Walkyries ein: drei Kanadierinnen mit abgespaceten Friseuren, Wikinger-Outfit und - Damenbart. Bei seiner Feuershow explodierte das Trio förmlich. Relativ schnell wurde uns klar, dass die Künstlerinnen Bühnenteile abfackeln. Es kam tatsächlich zu großen Brandlöchern in den Seitenkulissen, die nach rechts und links schießende Feuerkugeln hinterließen.

Künstlerpech! Dafür jubelt das Publikum, das sicher seltener zum Stressfaktor wird, oder?
Stressig sind Gruppen, die die Bühne stürmen wollen - manchmal bis zu acht an einem Abend: Studenten, Fußballspieler, Betrunkene nach einem Junggesellenabschied - das alles ufert regelrecht aus. Die wollen dann singen, sich am besten nackt ausziehen. Manchmal involviert sie ein Moderator in die Show.


Mit Blitz und Donnerhall
Den übelsten Schaden richtet Petrus an, dem kein Wetterzauber gewachsen ist. Erinnern Sie sich an "Inszenierungen" mit Blitz und Donnerhall?
Eine "magische Nacht" vor einigen Jahren war spektakulär: Um die 6000 Menschen waren auf dem Maxplatz, als ein Sommergewitter mit prasselndem Regen, Blitz und Donner über uns hereinbrach. Alles stürmte los, bald war's vor dem Rathaus menschenleer. Nach nur 20 Minuten schien die Sonne wieder, als hätte es kein Gewitter gegeben. Ohne Zuschauer wollten wir die Show dennoch beenden - da kamen sie alle zurück: Wie Ameisen krabbelten Hunderte von Menschen aus der Tiefgarage, wischten Tische und Bänke mit Tüchern ab. Wahnsinn! Weiter ging's. Es wurde noch ein wunderschöner Sommerabend.

Wie finanziert man Jahr für Jahr das magische Wochenende, wenn das Publikum quer durch die Innenstadt Gratis-Vorstellungen genießt?
Die diesjährigen Kosten in Höhe von fast 300 000 Euro tragen zu einem Großteil Sponsoren. Die Restsumme versucht das Stadtmarketing über den Verkauf von Festabzeichen und Programmheften zu erlösen. Alle teilnehmenden Künstler bekommen ja keine Gagen (wie's bei Straßenfestivals üblich ist), aber eine Übernachtung im Welcome-Hotel, Verpflegung (inklusive Catering im Rathaus) und eine Reisekostenerstattung: Mancher kommt geflogen, andere fahren oder laufen auf Stelzen.

Obwohl's nur Hutgeld statt Gagen gibt, zieht's Protagonisten aus aller Welt zu "Bamberg zaubert". Magie? Wie erklären Sie sich die Resonanz?
Das liegt u. a. an der Professionalität der Künstler, die das Festival groß werden ließen: Teilnehmer, die eine ganze Reihe an Preisen gewinnen, ziehen wieder andere Teilnehmer an. Zum Ruf, den "Bamberg zaubert" auf diese Weise erwarb, kommt der Enthusiasmus des Stadtmarketing-Teams. Als Künstler fühlt man sich wie in einer Familie aufgenommen. So reisen auch heuer Protagonisten aus Japan, Kanada, Kenia, Argentinien und etlichen anderen Ländern an, obwohl sie keine Gage erhalten. Umso großzügiger ist übrigens das Bamberger Publikum: Ein Österreicher verdiente in zwei Tagen mal 3000 Euro, was er nie erwartet hätte. Seinen Platz überließ er anschließend Kollegen, um das Festival die restliche Zeit als Zuschauer zu genießen.

Wie lange laufen eigentlich die Vorbereitungen zu "Bamberg zaubert" ?
Ab September. Dann gilt es schon wieder die ersten Künstler fürs kommende Jahr zu buchen. So wurde "Bamberg zaubert" in den vergangenen Jahren Teil meines Lebens.

Worauf freuen Sie sich diesmal besonders?
Ich freue mich auf "Bamberg zaubert" an sich, nachdem's beim Festival wieder ums Zaubern geht. Mehr als die Hälfte aller beteiligten Künstler kommt aus dem magischen Bereich. Und ich freue mich darauf, Ted McKoy wiederzusehen. Wobei es traurig ist, dass er zum letzten Mal den mittelalterlichen Scharlatan spielt. Seit seiner Kindheit lebt der mittlerweile über 80-Jährige von der Straßenshow, mit der er die ganze Welt bereiste. Ja, es sind auch diese kleinen ganz unspektakulären Momente, die ich bei dem Festival genieße: Wenn ein Künstler wie Ted Kindern Münzen aus Ohren und Nase zaubert.

Noch eine letzte Frage angesichts Ihrer Vita: Fühlen Sie sich nun als Mittel-, Ober- oder Unterfranke?
Ich fühle mich als fränkischer Weltenbummler, der mit den eigenen Shows ja ganz Europa bereist und Menschen schon in Städten wie Paris, Rom und Monte Carlo verzaubern durfte.
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