Bamberg
Transatlantische Beziehungen

"Uns verbinden dieselben Werte"

Philipp Ackermann ist zuversichtlich: Auch US-Präsident Trump kann den Beziehungen zwischen Deutschland und den USA nichts anhaben.
Artikel einbetten Artikel drucken
Mit Donald Trump als US-Präsident sind die transatlantischen Beziehungen deutlich komplizierter geworden.  Foto: Kay Nietfeld, dpa
Mit Donald Trump als US-Präsident sind die transatlantischen Beziehungen deutlich komplizierter geworden. Foto: Kay Nietfeld, dpa
+1 Bild
Sein ganzes bisheriges Berufsleben hat Philipp Ackermann den auswärtigen Beziehungen gewidmet. Die diplomatische Musterkarriere des gebürtigen Miltenbergers begann 1993 mit dem Eintritt in den Auswärtigen Dienst. Seine erste berufliche Station führte den damals 30-Jährigen als Austauschdiplomat nach Den Haag.
In den folgenden Jahren arbeitete Ackermann unter anderem in der deutschen Vertretung der Vereinten Nationen und als Botschafter in Neu Deli. Den Außenministern Fischer und Steinmeier diente der 52-Jährige als Redenschreiber. Derzeit ist Ackermann Regionalbeauftragter für Nah- und Mittelost sowie Nordafrika.

Welche gemeinsamen Werte und Interessen verbinden heute noch Deutschland und die USA?
Philipp Ackermann: Ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass die gemeinsame Wertebasis sich verändert hat. Es sind weiterhin die dieselben freiheitlichen Grundwerte westlicher Demokratien, die uns verbinden. Die interessante und intensive Diskussion über diese Werte, die wir im Moment in Amerika verfolgen können, zeigt ja, wie relevant sie nach wie vor sind.

Hat sich dieser Vorrat an Gemeinsamkeiten unter der Präsidentschaft Trumps verkleinert?
Dass es in manchen Bereichen Unterschiede in unseren Auffassungen gibt, ist offensichtlich. Da wäre die Klimapolitik zu nennen, oder etwa die Einschätzung zu Freihandel - hier sind wir anderer Ansicht als die Regierung Trump. Aber dass wir nicht immer einer Meinung sind, ist nichts Neues. Es gab in jeder Präsidentschaft Auseinandersetzungen, mal stärker, mal schwächer. Denken Sie nur mal an den Abhörskandal unter Präsident Obama. (2014 kam heraus, dass der US-Geheimdienst NSA das Handy von Kanzlerin Merkel abhören ließ. - Red.)

Was ist hinsichtlich der transatlantischen Beziehungen der größte Unterschied zwischen Obama und Trump?

Obama war ein Multilateralist, er glaubte an die Bewältigung globaler Probleme in multilateralen Foren und Kontexten, wie etwa in den Vereinten Nationen. Trump ist hier sehr viel skeptischer. Er traut solchen internationalen Gremien nicht sehr, sein Schwerpunkt liegt klar auf einer bilateralen Außenpolitik, bei der die USA mit anderen Staaten einzeln verhandeln.

Haben sich die transatlantischen Beziehungen nicht schon unter Präsident Obama und dessen Akzentuierung des pazifischen Raumes verändert?

Interessant, dass Sie das erwähnen: Davor hatten wir damals tatsächlich große Sorgen. Obama wendet sich nach Asien und vergisst Europa, so war zu dieser Zeit die Einschätzung. Am Ende hat sich das aber nicht bewahrheitet. Die Ukrainekrise hat sichtbar gemacht, wie sehr Obama sich auf das westliche Bündnis stützen musste und auch wollte. Während der letzten Jahre der Obama-Präsidentschaft waren wir - gerade die Deutschen und Amerikaner - eng verbunden.

Was bedeutet Kanzlerin Merkels Satz "Die Zeiten, in denen wir uns andere verlassen können, sind ein Stück weit vorbei" konkret für die diplomatische Arbeit?

Wir müssen ihn als Auftrag verstehen, mehr eigene und europäische Lösungsansätze zu entwickeln. Das ist ja als Gedanke gar nicht so neu, wir arbeiten ja schon lange an einer durchsetzungsfähigeren europäischen Außenpolitik. Aber vielleicht ist jetzt die Zeit, dies zu verstärken.

Hat Trump nicht recht mit seiner Kritik, dass sich die Europäer in sicherheitspolitischen Fragen lange hinter den USA versteckt haben?
Die USA bestreiten über zwei Drittel der Verteidigungsausgaben der Nato und haben über Europa verstreut noch Zehntausende von Soldaten, die meisten davon in Deutschland. Es kann keinen erstaunen, dass dies in Amerika Fragen aufwirft - schon allein wegen der enormen Kosten. Übrigens wurden diese Fragen auch schon lange vor Trump gestellt.

Also hat er recht?
Man muss wohl sagen, diese Kritik ist nicht völlig aus der Luft gegriffen. Aber wir sind im Sicherheitsbereich auch sehr nützlich und hilfreich für die USA, etwa bei Auslandseinsätzen oder Stationierungen. Wir liefern in vieler Hinsicht und müssen uns keinesfalls verstecken. Trotzdem sollten wir diese Kritik ernst nehmen und darauf reagieren - haben wir ja auch schon, nicht zuletzt durch die Erhöhung unseres Wehretats.

Bei welchen Zielen und Interessen liegen die USA und Deutschland völlig unabhängig von der Person Trumps quer zueinander?

Da fällt mir allenfalls die Klimapolitik ein. Ich glaube, nirgendwo liegen unsere Ansichten so weit auseinander. Aber was strategische Ziele und Interessen angeht, gerade in der Außenpolitik, sehe ich nichts, wo wir diametral entgegengesetzte Haltungen einnehmen - anders als etwa mit Russland oder China, wo es solche Bereiche gibt.

Liegt es im Bereich des Vorstellbaren, dass ein deutscher Kanzler mit der Westbindung bricht und sich Russland oder China zuwendet?
Einfache Antwort: Nein.

Wer prägt die deutsche Außenpolitik im Endeffekt mehr: der jeweilige Außenminister oder die Mitarbeiter des Auswärtigen Amts?
Meine Erfahrung ist, dass wir uns als Diplomaten stark an politischer Führung orientieren. Der Minister prägt die Außenpolitik. Und wir beraten ihn dabei.

Das Gespräch führte
Christoph Hägele.
Verwandte Artikel
Noch keine Kommentare
Sie sind nicht angemeldet.
Sie müssen angemeldet sein, um Kommentieren zu können!
registrieren