Bamberg
Interview

"Universität ist unverzichtbare Größe für Bamberg"

Uni-Präsident Godehard Ruppert spricht im Interview über die Bildungsstadt Bamberg und seine Visionen für den Universitätsstandort im Jahr 2030.
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Die Aula der Otto-Friedrich-Universität Bamberg - ehemalige Dominikanerkirche. Foto: Henning Koepke
Die Aula der Otto-Friedrich-Universität Bamberg - ehemalige Dominikanerkirche. Foto: Henning Koepke
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Bamberg - "Tempora mutantur - Bamberg als Bildungsstadt im Wandel" titelt der letzte Vortrag in der Reihe "Bamberg - eine Stadt im Wandel", zu der die städtische Volkshochschule (VHS) mit großer Resonanz in den Wintermonaten 2017/18 einlädt. Am Dienstag, 16. Januar, 19 Uhr (Altes E-Werk, Tränkgasse 4), wird der Präsident der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Professor Dr.Dr.habil. Godehard Ruppert, über den Status quo berichten und Visionen des Schul- und Universitätsstandortes entfalten. Zuvor stand er unserer Zeitung Rede und Antwort.


Bamberg titelt als Weltkulturerbe, Bierstadt, Basketball-Freak-City, Symphoniker-Hochburg - inwiefern ist Bamberg jetzt auch noch "Bildungsstadt"?
Professor Ruppert: Ich würde den Akzent anders setzen, nicht "jetzt auch noch", sondern das ist das Fundament. Bamberg war immer eine Bildungsstadt, das ist eher die Ausgangssituation für die anderen Entwicklungen: Als Ort gelehrter Bildung trat Bamberg nicht erst mit der Universität hervor. Schon mit der Gründung 1007 wurde die Grundlage für Gelehrsamkeit und Ausbildung an den Schulen am Dom und an St. Michael gelegt. Die Bildungseinrichtungen und eben die Universität haben von Beginn an die Entwicklung zumindest mitbestimmt, wenn nicht teilweise ausgelöst. Anfang des 16. Jahrhunderts galt Bamberg als eines der Zentren des deutschen Humanismus. Städte mit
hohen Bildungsmöglichkeiten haben historisch grundsätzlich eine auch wirtschaftlich positive Entwicklung genommen, da ist Bamberg keine Ausnahme. Solche Städte sind anziehend, auch für Intellektuelle und Kulturschaffende. Selbst der Sport hat häufig einen Hintergrund in der Bildungsszene. Bamberg feiert als Vater des Basketballwunders immer Bert Pessler; der war Sportlehrer an der Oberrealschule und Leiter des Sportzentrums der Universität... Für mich ist klar: Sich nicht als Bildungsstadt zu positionieren, wäre ein fundamentaler Fehler

Was macht den Standort Bamberg für Bildungsinstitutionen so attraktiv?
Städte leben nicht nur von Hochschulen, Hochschulen leben auch von den Städten, in denen sie sich befinden. Je überzeugender das städtische Angebot ist, desto günstiger für die Hochschulen. Bei einer Stadt wie Bamberg ist das nahezu ein Selbstläufer, noch dazu beim Konzept einer Universität in der Stadt mit nahezu symbiotischen Strukturen. Seelenlose Innenstädte können nicht mal von Hochschulen gerettet werden.

Welche Bildungseinrichtung fehlt aber Ihrer Meinung nach noch in der Stadt?
In der Sicht der Universität benötigen wir als Bildungseinrichtungen eine differenzierte Szene im schulischen Bereich und Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Hochschulen. Die Universitäten
Bayreuth und Erlangen sind hier ebenso wie die beiden Hochschulen in Coburg und Hof gute Kooperationspartner; sie zu stärken ist in meiner Sicht besser, als weitere hinzuzufügen. Im schulischen Bereich sind die Gymnasien und die alternativen Zugangsmöglichkeiten wie FOS/BOS sehr wichtig, deren Ausdifferenzierung zu erhalten, wäre mir wichtiger als weitere Institutionen
hinzuzufügen.

Ist die Otto-Friedrich-Universität im Bewusstsein der Bamberger, insbesondere der Stadtväter und -mütter, wirklich eine unverzichtbare Größe?
Ich kann nur sagen, dass die Universität eine unverzichtbare Größe für die Entwicklung der Stadt ist. Dass alle Verantwortlichen das auch so sehen, kann ich nur hoffen - und mit konstanter Penetranz ständig daran erinnern. Wer daran zweifelt, sollte vielleicht mal eine Studienreise in eine Stadt machen, die sich dringend eine Hochschule wünscht. Mitunter ist es ja so, dass man etwas erst dann richtig schätzt, wenn man es nicht hat.

Wie sehen Ihre Visionen des Schul- und Universitätsstandortes Bamberg für das Jahr 2030 aus?
Meine Wunschvorstellung ist, dass am Ende räumlich das stehen möge, was ich 2000 in meinem ersten Interview im Amt gesagt habe: Die Universität möge vollständig in der Entwicklungsachse vom Grünen Markt bis zur Erba-Spitze liegen. Es muss jetzt nicht haargenau zwischen den Wasserwegen
liegen, die Dominikanerkirche geben wir ja auch nicht wieder ab, aber so grob sollten alle Institute in diesem Großareal liegen, um auch die Kooperation der Fächer zu stärken und die Wege für die Studierenden zu verkürzen. Das klang damals eher nach Vision, ist aber teilweise schon Realität. Jetzt noch das Café-Sandbad und wir wären wieder einen wichtigen Schritt weiter. Ich hoffe, 2030 ist Bamberg im Stadtbild geprägt von jungen Leuten aus den Schulen und der Universität - das wäre die Grundlage für eine lebenswerte und für die Zukunft gerüstete Stadt. Mit kluger Politik lässt
sich daraus gestalten.

Das Interview führte Marion Krüger-Hundrup
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