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Ermittlungen

Hirschaid: Nach Übergriffen und Massenschlägerei gehen viele Hinweise ein

Auf der Kirchweih in Hirschaid (Kreis Bamberg) ist es zu Übergriffen und einer Massenschlägerei gekommen. Bei der Polizei gehen viele Hinweise ein.
Unter der Brücke am Kanal (im Bild links neben der Treppe) soll es Samstagnacht zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Später war dann die Massenschlägerei zwischen Asylbewerbern und Einheimischen vor dem Kerwabaum ausgebrochen.  Foto: Sebastian Martin
 
von SEBASTIAN MARTIN
Eigentlich sollte es eine schöne Kerwa in Hirschaid im Landkreis Bamberg werden, doch wird sie nun überschattet von einer Großschlägerei und sexuellen Übergriffen, die sich Samstagnacht ereignet hatten. "Mit so etwas habe ich nicht gerechnet", reagiert Bürgermeister Klaus Homann (CSU) schockiert angesichts der eskalierten Gewalt.

Das Polizeipräsidium bestätigt am Montag in einer Erklärung mit der Staatsanwaltschaft Bamberg, dass gegen drei Asylbewerber Haftbefehle erlassen wurden. Den 16 bis 20 Jahren alten Männern aus Syrien und dem Irak wird vorgeworfen, dass sie als Mitglieder einer Gruppe zumindest "einverstanden waren", es "billigten und dabei zuschauten", wie ein Beschuldigter aus der Gruppe zwei Frauen unsittlich berührte, so die Ermittler. Die Männer sitzen nun in Untersuchungshaft.


Ablauf noch nicht ganz geklärt

Drei Mädchen im Alter von 13 bis 17 Jahren hatten am Samstagabend der Polizei gemeldet, dass sie von mehreren Unbekannten sexuell belästigt worden seien. Es soll sich dabei um die Gruppe handeln, der auch die drei in Haft sitzenden Asylbewerber angehören. Diese soll die Mädchen gegen 21.15 Uhr unter der Brücke über den Main-Donau-Kanal ins Abseits gedrängt haben. Laut den Ermittlern soll aus der Gruppe heraus auch die 17-Jährige festgehalten und diese von einem Unbekannten begrapscht worden sein.

"Der Ablauf ist noch nicht abschließend geklärt", betont Anne Höfer, Sprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken. Bei der Polizei laufen auch am Montag die Ermittlungen auf Hochtouren, doch ist es für die Polizei nicht einfach, herauszufinden, welche Personen Teil der Gruppe waren, der die drei Männer angehören sollen. Schließlich war einiges los.

Schon Freitagnacht hatte es Probleme gegeben - die Polizei Bamberg-Land war sechs Mal wegen Schlägereien zum Gelände ausgerückt. Laut Bürgermeister Homann sei bereits am Samstag kurz die Überlegung gewesen, die Kirchweih abzubrechen.

Offenbar waren bereits am Freitag mehrere junge Asylbewerber vor Ort, die dann Samstagnacht gegen 23 Uhr möglicherweise auch in eine Massenschlägerei verwickelt waren. Von einer aggressiven Stimmung ist die Rede, 50 Asylbewerber, möglicherweise auch mehr, sollen am Samstag geballt aufgetreten sein, auch mehrere Anhänger einer rechtsextremen Partei sollen vor Ort gewesen sein und zunächst Flugblätter verteilt haben.


Keine genauen Zahlen bestätigt

Diese Zahlen konnte die Polizei am Montag nicht bestätigen. Auch nicht, ob die Auseinandersetzung im Zusammenhang mit den sexuellen Übergriffen stehen könnte, oder ob Rechtsextreme in die Schlägerei verwickelt waren. Die Ermittlungen zum Gesamtgeschehen dauern noch an.

Laut unseren Informationen könnte eine ausländerfeindliche Beleidigung Auslöser für die Schlägerei gewesen sein. Es sollen Bierkrüge geflogen, ein Asylbewerber dadurch am Kopf verletzt worden sein. Doch blieb auch dies unbestätigt. Bis auf einen leicht Verletzten sind bisher keine Geschädigten bekannt. Wie eine Polizeisprecherin am Dienstag erklärte, gehen derzeit viele Zeugenaussagen bei der Polizei ein. "Derzeit haben wir keinen Hinweis darauf, dass die sexuellen Übergriffe die Massenschlägerei ausgelöst haben könnten."

Bürgermeister Homann zeigte sich am Montag erschüttert über die Brutalität der Auseinandersetzung. Die größere Gruppe an Asylbewerbern soll nicht den üblichen Zugang zum Festgelände über die Luitpoldstraße genommen haben, sondern am Kanal entlang auf die Kerwa gekommen sein. Unter der Brücke treffen sich gewöhnlich die Jugendlichen. Als es am Samstag zu den sexuellen Übergriffen kam, war dieser Bereich schlecht ausgeleuchtet.

Dies habe man am Sonntag sofort behoben, so Homann. Scheinwerfer wurden installiert. Auch sei die Security aufgestockt worden, die Polizei war verstärkt vor Ort. Das habe geholfen, so Homann, der trotz der Ereignisse deutlich machte: "Die Kerwa wird weiter bestehen, wir lassen uns die Kirchweih nicht vermiesen!"

Bereits am Sonntag hatte der Bürgermeister mit den Sicherheitskräften die Lage besprochen, auch Landrat Johann Kalb (CSU) machte sich am Sonntag ein Bild vor Ort. Nun soll es in zwei Wochen eine Nachbesprechung geben. Künftig müsse das Sicherheitskonzept weiter ausgebaut werden, möglicherweise eine Eingangskontrolle am Kanal her.


Wohl nicht aus Hirschaid

Ob und wie sich die Gruppe der Asylbewerber organisiert hatte, ist bisher nicht bekannt. Aus der Marktgemeinde waren die Beteiligten offenbar nicht. "In Hirschaid ist es ruhig, wir haben größtenteils Familien, die hier untergebracht sind", sagt Homann. Er ist überzeugt: "Das kommt von außen rein." Auch die Polizei bestätigt: Nur einer der Tatverdächtigen in U-Haft war in Hirschaid untergebracht. Der Bürgermeister warnt grundsätzlich vor Pauschalisierungen: "Die Behörden müssen in diesem Fall hart durchgreifen, aber dennoch sollte man differenzieren!"

Die Polizei Bamberg-Land sucht nun dringend weitere Zeugen unter: 0951/9129310.

zum Thema "Blaulicht"

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